Untergrundvorbereitung: Das richtige Material für jeden Zweck

Vor der Verlegung von Bodenbelägen gilt es, einen ebenen und tragfähigen Untergrund zu schaffen. Abhängig vom vorgefundenen Untergrund und von der späteren Nutzung kommen dabei Estriche, Ausgleichs- oder Spachtelmassen zum Einsatz. Systemlösungen sorgen für Sicherheit.

Bei der Fußbodensanierung wird das ausführende Handwerksunternehmen mit den unterschiedlichsten Untergründen konfrontiert; Überraschungen sind dabei nie ausgeschlossen. Häufig trifft man auf Untergründe, die nicht tragfähig genug, unterschiedlich hoch oder nicht eben genug sind, um eine einwandfreie Verlegung des neuen Belags zu gewährleisten. Mit geeigneten Estrichen, Ausgleichs- oder Spachtelmassen lassen sich bestehende Schäden schnell, effizient und kostengünstig beseitigen. Dabei müssen die Produkte sowohl auf die vorhandenen Böden als auch auf die zukünftigen Anforderungen abgestimmt werden.

Estriche zur Schallminderung und Lastverteilung

Heutzutage basiert nahezu jede Bodenkonstruktion im Wohnungsbau auf einem Estrich. Das Material dient als Untergrund für verschiedenste Beläge und wirkt schallmindernd sowie lastverteilend. Estriche werden meist als schwimmende Konstruktion auf Trennlage oder Dämmung ausgeführt – abhängig von den Anforderungen an Schall- und Wärmeschutz. Üblich ist ein dickschichtiger Einbau von mindestens 35 mm, in der Regel eher 50 bis 60 mm. Am häufigsten werden Estriche auf der Basis von Zementmörtel eingebaut. Sie zeichnen sich durch hohe Wirtschaftlichkeit und universelle Einsatzmöglichkeiten aus, sind feuchteunempfindlich und tragfähig. Ebenfalls häufig kommen schwind- und spannungsarme Calciumsulfatestriche zum Einsatz. Diese eignen sich aufgrund ihrer geringen Verformungsneigung sowie der besonders hohen Wärmeleitfähigkeit besser für Fußbodenheizungen. Allerdings lassen sich diese Standardestriche auf Zement- oder Calciumsulfatbasis in der Regel frühestens nach 20 bis 30 Tagen belegen.

Ideal für zeitkritische Bauvorhaben: Fließestriche

In der Sanierung kommen immer häufiger fließfähige Estriche und Dünnestriche mit hoher Biegezugfestigkeit zum Einsatz. Diese lassen sich schneller und deutlich komfortabler einbauen als herkömmliche Systeme. Der Trockenmörtel wird außerhalb der Baustelle mit Wasser gemischt und mit einer Pumpe zum Einbauort gefördert. Der Einbau und das Glätten erfolgen im Stehen. Soll zusätzlich eine Fußbodenheizung eingebaut werden, empfiehlt sich der Einsatz eines Calciumsulfat-Fließestrichs, zum Beispiel „weber.floor 4491 turbo“. Der Turbo-Estrich ist bereits nach maximal 24 Stunden begehbar und nach sieben Tagen zuverlässig belegreif.

Dünnestriche – schlank und sicher

Ist ein vorhandener Untergrund (beispielsweise Holz, Steinholzestriche, Beton oder Fliesen) ausreichend stabil, kann er erhalten werden. Falls diese Untergründe keinen sicheren Haftverbund bieten, können sie mithilfe eines modernen Hochleistungsdünn-
estrichs auf Trennlage saniert werden. Diese wirken wie Estriche schallmindernd und lastverteilend, können jedoch aufgrund ihrer veredelten Rezeptur dünner aufgebracht werden. Damit eignen sie sich insbesondere für die Sanierung bei begrenzten Raumhöhen. Der Dünnestrich wird in einer gleichmäßigen Dicke von mindestens 20 mm eingebracht. Bei Einbau einer zusätzlichen Dämmung sollte die Schichtdicke mindestens 25 mm betragen. Dünnestriche sind schnell belegreif: Sie können in der Regel nach einem Tag mit Fliesen, nach drei Tagen mit elastischen und textilen Belägen sowie nach sieben Tagen mit Parkett oder Laminat belegt werden. Da die Schichtdicken des Dünnestrichs unterhalb der vorgegebenen Mindestschichtdicken der DIN Norm 18 560 liegen, muss der ausführende Betrieb dem Bauherrn ihren Einsatz vorab anzeigen.

Ausgleichsmassen mit flexiblen Schichtdicken

Größere Hohlräume oder Löcher lassen sich zu Beginn der Sanierungsarbeiten mit standfesten Bodenausgleichsmassen wie „weber.floor 4045“ verfüllen. Als Rohrhöhenausgleich oder als Ausgleichsschicht auf Holzbalkendecken empfiehlt sich eine zementgebundene Leichtausgleichsmasse, zum Beispiel „weber.floor 4515“. Darauf wird dann eine Trennlage und die lastverteilende Schicht oder zunächst eine Dämmung aufgebracht.

Generell werden Unebenheiten des Altuntergrunds mit einer zement- oder calciumsulfatgebundenen Ausgleichsmasse ausgeglichen. Das Material bietet sich ebenfalls an, um einen homogenen Estrich- oder Beton-Untergrund in tragfähigem Zustand für einen neuen Oberbelag vorzubereiten. Moderne Ausgleichsmassen sind hoch flexibel. So lässt sich die faserverstärkte, zementgebundene Bodenausgleichsmasse „weber.floor 4320“ beispielsweise in unterschiedlichen Schichtdicken von 2 bis 50 mm einbauen. Bei elastischen Belägen kann eine zusätzliche Spachtelung auf der Ausgleichsmasse erforderlich werden.

Nachträglich eingebaute dünnschichtige Fuß­bo­denheizsysteme werden in der Regel mit einer Ausgleichsmasse übergossen. Die Überdeckung, also der Abstand vom Heizrohr bis zur Oberkante der Ausgleichsmasse, sollte 5 mm nicht unterschreiten; ­abhängig vom eingesetzten System kann sie auch mehr betragen.

Für planebene Böden: Spachtelmassen

Bei einem weitgehend intakten Bodenaufbau genügt zumeist der Auftrag einer Spachtelmasse. Sie sorgt für eine glatte Fläche und stellt eine gleichmäßige Haft- und Saugfähigkeit zur Aufnahme des Klebstoffs und des neuen Bodenbelags sicher. In der Regel sind Spachtelmassen nach 24 Stunden belegreif. Moderne Fließspachtelmassen senken die Trocknungszeit noch weiter, teilweise sogar bis auf eine Stunde. Sie verlaufen weitgehend selbstständig und werden nach dem Aufragen nur noch mit einem Rakel oder einer Glättkelle abgezogen. Außerdem trägt das Material kaum auf und lässt sich sehr dünn aufbringen. Fließspachtelmassen können auf allen Flächen zum Einsatz kommen, die kein Gefälle aufweisen. Ein Einsatz in Nassräumen mit bodengleichen Duschen oder bei Rampen scheidet daher oft aus. Hier sind standfestere Spachtelmassen zu bevorzugen. Darüber hinaus sind vor allem Spachtelmassen auf Basis von Calcium­sulfat generell feuchteempfindlich, schwinden aber kaum im Trocknungsprozess

Auch bei der Verarbeitung Zeit sparen

Neben schnell begeh- und belegbaren Produkten kann auch der Einsatz moderner Maschinentechnik dazu beitragen, die Bauzeit zu verkürzen. Der „weber.floor PumpTruck“, ein fahrbarer Silo, ermöglicht eine Flächenleistung von bis zu 1500 m2 pro Stunde und Förderweiten von bis zu 160 m. Damit ist es möglich, auch große Industriehallen innerhalb eines Tages mit einem neuen Boden auszustatten und sanierungsbedingte Produktionsstillstände sehr kurz zu halten. Der moderne Silo-Lkw ist mit leistungsstarker Misch- und Pumptechnik sowie eigener Wasser- und Stromversorgung ausgerüstet. Genehmigungen für Silostellungen entfallen, und auch Verkehrswege werden nur kurzfristig blockiert. Zudem ist das Fahrzeug innen beheizt und kann daher bei jeder Witterung eingesetzt werden.

Eine weitere Produkt-Maschine-Kombination, die sich speziell für dünnschichtige Spachtelarbeiten bei kleineren und mittleren Bauvorhaben eignet, ist die „weber biene“. Die handliche Maschinenlösung besteht aus einer Misch- und Fördereinheit sowie einer Mehrwertbox, die 800 kg Fließspachtelmasse enthält. Das Material wird per Schlauchleitung in gleichbleibend hoher Qualität an den Einsatzort gepumpt. Die anschließenden Arbeiten können kräfteschonend von zwei Personen im Stehen – statt wie sonst üblich kniend – ausgeführt werden. Auf diese Weise wird die Einbauleistung nahezu verdoppelt, während sich gleichzeitig die körperliche Belastung für die Handwerker verringert.

Autor

Maurice Bonfrere arbeitet als Produktmanager Bodensysteme bei der Saint-Gobain Weber GmbH in Düsseldorf.

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