Brandschutz und Gestaltung vereint
Trockenbauarbeiten während der Sanierung und Erweiterung im „Museums der Bayerischen Könige“

Über die Sanierung und Erweiterung eines historischen Ensembles am Fuße des Schlosses Hohenschwangau zum „Museums der Bayerischen Könige“ haben wir bereits in bauhandwerk und dach+holzbau berichtet. In diesem Beitrag liegt der Schwerpunkt auf den Trockenbauarbeiten.

Dass die Rigips Trophy viele meisterliche Ausbauleistungen zu bieten hat ist bekannt. Dass es dabei auch schon mal königlich zugehen kann, zeigt das letzte Wettbewerbsobjekt der DTB Donau-Trocken-Bau GmbH: Das Team um die beiden Geschäftsführer Alfred Bircks und Wolfgang Hill war mit dem trockenen Innenausbau des Museums zur Geschichte der Wittelsbacher Dynastie und ihrer Bayerischen Könige in Hohenschwangau beauftragt. Natürlich ging es auch darum, wertvolle Exponate möglichst prachtvoll zu inszenieren, doch warteten auf die Trockenbauprofis darüber hinaus auch viele spannende Herausforderungen „hinter den Kulissen“.

Es wird unattraktivere Gegenden für einen mehrere Monate andauernden Baustellenaufenthalt geben: Als Standort für das „Museum der Bayerischen Könige“ wurde das ehemalige Grand Hotel Alpenrose aufwendig saniert und erweitert. Der Gebäudekomplex liegt am Fuße des Schlosses Hohenschwangau direkt am maleri­schen Alpsee mit Blick auf das Schloss Neu­schwan­stein.

Der historische Gebäudekomplex besteht aus mehreren Teilen und Bauabschnitten: Das Jägerhaus (Baujahr 1780), das Haus Alpenrose (Baujahr 1904) sowie ein Zwischenbau und das Palmenhaus (beide Baujahr 1910) prägen das Ensemble am Seeufer. Die Gebäude waren seit etwa 1998 unbenutzt und stehen heute nahezu komplett unter Denkmalschutz. Das Jägerhaus sowie der um ein zweites Stockwerk erweiterte Verbindungsbau beherbergen die Ausstellungsflächen des Museums. Das Palmenhaus wurde unter Erhalt der vorhandenen Wand- und Deckenflächen in seinen Originalzustand zurückversetzt und dient inzwischen als Fläche für Wechselausstellungen und als multifunktionaler Veranstaltungsraum. In den anderen Gebäudeteilen finden sich Gastronomieangebote, ein Museumsshop sowie Foyer, Garderoben und Sanitärbereiche.

Historische Dielenböden von Grund auf saniert

Eine der ersten Aufgaben für das Ausbauteam bestand in der Errichtung neuer Bodenaufbauten als Grundlage für den Wiedereinbau der historischen Parkettböden: „Weit vor dem Beginn unserer Innenausbauarbeiten wurden die vorhandenen Parkett- und Dielenböden ausgebaut und zwischengelagert“, erläutert DTB-Geschäfts­führer Alfred Bircks. „Der komplette Bodenaufbau wurde so bis zum Rohboden entfernt. Nach Ausgleich der vorhandenen Unebenheiten durch eine gebundene Schüttung erfolgte der Neuaufbau des Unterbodens. Aus statischen und brandschutztechnischen Gründen haben wir hierfür Rigidur Estrichelemente 35 HF verlegt. Sie dienten dann als Untergrund für den aufbereiteten Parkettboden. Hierbei waren die hohen Punkt- und Flächenlasten der Estrichelemente und ihrer robusten, oberseitigen Gipsfaserplatten ganz entscheidend.“

Hochwertiger Brandschutz und anspruchsvolle Gestaltung

Weiter ging es für das DTB-Team mit der brandschutztechnischen Ertüchtigung von Bauteilen unter anderem im neuen Gastronomiebereich. Zur Verbesserung der Statik wurden dort neue Stahlträger-Stützen und -Oberzüge montiert und mit den speziellen Brandschutzplatten Glasroc F (Ridurit) in F 90 bekleidet. Die vliesarmierten Platten verfügen über einen guten Gefügezusammenhalt und ermöglichen besonders leistungsfähige Brandschutzkonstruktionen, da sie auch nach langer Brandeinwirkung formstabil und rissfrei bleiben. „Zudem zeichnen sich die Platten durch glatte und ebene Oberflächen aus. Das war für uns von Bedeutung, da einige der Brandschutzbekleidungen in der Gastronomie Alpenrose und in den Ausstellungsräumen des Museums auch gleich als Unterkonstruktion für hochwertige Türstockverkleidungen dienten“, so Alfred Bircks. Ebenfalls dem vorbeugenden Brandschutz Rechnung getragen wurde mit der Errichtung von Brandwänden zur Abtrennung der Zugangsbereiche vom Treppenhaus zu den einzelnen Bauteilen. Gemäß Rigips-System 6.70.10 führten die Handwerker die Wände in Ständerbauweise mit einer beidseitig dreilagigen Beplankung aus Feuerschutzplatten RF und einer ebenfalls beidseitig angebrachten Stahlblecheinlage aus. Für die Anschlüsse an die bestehenden Holzbalkendecken konnten die Architekten zusammen mit den Rigips-Fachberatern einige wichtige Details ausarbeiten, sodass die Brandwände problemlos die Zulassungen für die der historischen Bausubstanz geschuldeten Gegebenheiten erhielten.

Verbindungsbau mit Tonnengewölbe aus Stahlwaben

Für den Neubau des Museumstraktes im Verbindungsbau wählten die Architekten vom Berliner Büro Staab Architekten eine beeindruckende tonnenförmige Stahlkonstruktion aus einzelnen Waben, die durch Einlagen aus Plexiglas besonders hervorgehoben werden. Die seitlichen Wände der Ausstellungsräume wurden mit etwa 1 m von der Massivwand frei­stehenden Vorsatzschalen aus Bauplatten RB bekleidet. Den oberen Abschluss führte das Ausbauteam mit einer offenen Schattenfuge an die Rundung des Tonnendachs aus. „Durch die vollflächige Verspachtelung in Q 4 konnten mithilfe eines eindrucksvollen Be­leuchtungskonzeptes besondere Akzente gesetzt werden“, berichtet Alfred Bircks. Nach dem trockenen Innenausbau wurden anschließend durch den Mu­seums­bauer hochwertige Ausstellungsmöbel aus Mi­ne­ral­werkstoff eingebaut.

Der Mantel des Königs

Besonders in Erinnerung geblieben sind Alfred Bircks und seiner Mannschaft die Arbeiten im „Allerheiligsten“ des neuen Museums: Im so genannten „Mantelraum“ wird der kostbare Großmeisterornat des Königlich Bayerischen Hausritterordens vom Hl. Georg für König Ludwig II. ausgestellt.

Für die Präsentation eines der kostbarsten Stücke des Museums legten Planer und Bauherr allergrößten Wert auf die eingesetzten Baustoffe. „Für die Wand- und Deckenbekleidung wurden explizit Rigips-Produkte aus dem natürlichen Rohstoff Gips verlangt. Baubiologisch empfohlen und nachgewiesen schadstofffrei schützen sie den Königsmantel. Die verwendeten 12,5 mm dicken Bauplatten RB dienten dabei als Grundlage für die anschließende Modellierung der gerundeten Raumecken durch den Stuckateur“, so Alfred Bricks.

Stuckvouten kunstvoll nachgebildet

Parallel wurden in den Sanitärräumen und den Gastronomiebereichen abgehängte, glatte Gipskartondecken inklusive Lichtvouten montiert. Im Bereich der Gastronomieräume jedoch sollten die bestehenden Stuckdecken erhalten und weiterhin sichtbar bleiben. „Da jedoch auch hier neue Trockenbauwände und Vorsatzschalen eingezogen wurden, mussten die vorhandenen Stuckvouten in den Wandanschlussbereichen erneuert beziehungsweise ergänzt werden. Auch hierfür war schnell der perfekte Baustoff gefunden: Statt Stuckgips verwendeten unsere Maler zur Herstellung der Vouten den Rifix Ansetzbinder von Rigips. Dieser ließ sich optimal modellieren und sehr exakt anpassen“, sagt Alfred Bircks.


Autoren

Martin Büsch ist Leiter Kommunikation und Marketing, Karin Melder Projektmanagerin für Messen, Events und Promotion bei der Saint-Gobain Rigips GmbH in Düsseldorf.

Baubeteiligte (Auswahl)

Bauherr: Wittelsbacher Ausgleichsfonds, vertreten durch die Schlosshotel Lisl GmbH & Co. KG,
Hohenschwangau

Architekt: Staab Architekten GmbH, Berlin

Bauleitung: Rustler Schmid Architekten GmbH, Augsburg

Trockenbau: DTB Donau-Trocken-Bau GmbH, Rennertshofen

Fachberater Trockenbausysteme: Claas Loskamp, Saint-Gobain Rigips GmbH, Düsseldorf

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