Die ersten mobilen Kettensägen

Ketten zum Trennen von Holz sind ein altes Werkzeug: Mindestens seit dem 17. Jahrhundert sägten Arbeiter mit Endlosketten Grubenhölzer auf Kohlezechen in Wales. Bis zu den leichten Kettensägen, wie sie heute am Bau verwendet werden, war es jedoch noch ein weiter Weg.

Um 1830 nutzte der in Würzburg ansässige Arzt Bernhard Heine (1800-1846) eine handbetriebene Kettensäge um Knochen zu durchtrennen. Für den Einsatz in der Holzindustrie war aber ein leichter, mobiler und kraftvoller Antrieb entscheidend. Zweitakt-Benzinmotoren und Elektromotoren waren erst in den 1920er Jahren so kompakt und leistungsstark, dass mit ihnen tragbare Maschinen gebaut werden konnten. Die ersten brauchbaren Kettensägen kamen aus Schweden und den USA, doch schon 1927 stellte das Unternehmen Dolmar aus Hamburg seinen „Typ A“ als erste brauchbare Benzin-Motorsäge aus Deutschland vor. Die A. Stihl GmbH in Stuttgart (später Waiblingen) brachte in ihrem Gründungsjahr 1926 eine Zweimannkettensäge mit 2,2 kW-Elek­tromotor auf den Markt und 1929 die erste Zweimann-Benzinsäge.

Die Schneidzähne der ersten Kettensägen sahen noch immer fast so aus, wie bei den Handsägen. Revolutionär war jedoch die Entwicklung der „Hobelzahnkette“ durch den Amerikaner Joseph Cox (1905-2002) im Jahre 1947. Er nahm sich die Kauwerkzeuge der Bockkäferlarve zum Vorbild. Sie ersetzte rasch bis auf wenige Ausnahmen vollständig die alten Kettenformen. Ebenfalls in den USA entwickelte die Firma Mc Culloch 1948 die erste Einmann-Motorkettensäge. Diese und die folgenden Kettensägen bis Ende der 1950er Jahre hatten noch ein Übersetzungs- und Schwenkgetriebe, um die Kettendrehzahl im Vergleich zur Motordrehzahl zu reduzieren und trotz Schwimmervergaser sowohl senkrechte als auch waagrechte Schnitte ausführen zu können. Auch die führenden deutschen Hersteller Stihl, Modell „BL“ und Dolmar, Modell „CP“, brachten 1950 beziehungsweise 1952 Einmannsägen auf den Markt. Doch wogen die Getriebesägen noch zwischen 14 und 18 kg, was sie für den Einmannbetrieb recht unhandlich machte.

Den letzten großen Schritt in der Motorkettensägenentwicklung brachte der Verzicht auf das Schwenk- und Untersetzungsgetriebe, wodurch das Gewicht auf 10 bis 12 kg sank. Möglich wurde dies durch neue leistungsstarke Verbrennungsmotoren und den Membranvergaser, der es erlaubte, mit der Säge in jeder Lage zu arbeiten. Das erste getriebelose Modell in Deutschland stammt nicht von den bis dahin führenden Sägeherstellern Dolmar und Stihl, sondern von der Solo-Kleinmotoren GmbH Maichingen bei Stuttgart (später Sindelfingen). Mit dem Typ „Solo Rex“, der ab 1958 auf dem Markt war, wurde Solo neben Dolmar und Stihl mit der „Contra“ (1959) zum dritten deutschen bedeutenden Hersteller von Motorkettensägen mit internationalem Renommee.

Autor

Ralf Spicker M.A. studierte Geschichte und Geschichte der Naturwissenschaften und Technik. Er ist Kurator für Maschinenbau am Deutschen Museum in München.

Revolutionär war die Entwicklung der „Hobelzahnkette“ durch den Amerikaner Joseph Cox im Jahre 1947

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