Die perfekte Fugensanierung: fachgerechte Ausführung kontrollieren

Nachdem wir im ersten Teil die Schadensanalyse und im zweiten Teil die Beratung des Bauherren dargestellt haben, geht es im dritten Teil unseres Beitrags über die Fugensanierung an einem fiktiven Objekt um den Umgang mit überraschend auftretenden Problemen, um die korrekte Ausführung und deren Kontrolle.

Nach dem kompletten Einrüsten erfolgt eine erste orientierende Begehung der Gesamtflächen. An allen Seiten wird vorab eine Bauteilöffnung durchgeführt und die Schäden kartiert. Dabei erleben Sie auf unserer fiktiven Baustelle gleich mehrere Überraschungen:

1. An einer Fassadenseite (Ostseite) erfolgte die Verbindung der Verblendschale mit dem Hintermauerwerk überwiegend mit verzinkten Mauerankern. Diese sind korrodiert. Außerdem sind nur überschlägig drei Anker/m² gesetzt. Der Mauermörtel in diesem Bereich weist starke Bindemittelverluste auf. Bei der Bauteilöffnung rieselt Mauermörtel wie ein „Sturzbach“ aus der Öffnung. Der Bindemittelverlust hat dazu geführt, dass sich Sand/Mörtel im Hohlraum am Fußpunkt bis zu einer Höhe von etwa 20 bis 30 cm angesammelt hat. Ein nachträgliches Vernadeln mit Edelstahlankern ist nicht möglich; die Anker hätten keinen Reibungswiderstand im Mauermörtel.

2. Diese Fassade ist im oberen Bereich ebenfalls hydrophobiert. Das war ohne Gerüst optisch bisher nicht feststellbar. Im oberen, hydrophobierten Bereich sind einzelne Ziegel in einer Dicke von etwa 2 bis 4 mm abgescherbelt.

3. An der Wetterseite (Südwestseite) ist das Mauerwerk in einem Teilbereich einschalig. Mieter, deren Außenwände in diesem Bereich liegen, klagen über Feuchteprobleme und Schimmel. Es ist seit Jahren strittig, ob es sich um Kondensatschäden (Heizen/Lüften) oder um Schlagregenbelastung handelt.

Sie informieren den Bauherren zeitnah über diese Überraschungen und bieten Problemlösungen an, die dann durch verständliche Nachtragsangebote bepreist werden.

PU-Schaum statt Nadeln

Da eine Vernadelung nicht ausführbar ist, weil die Maueranker im Mörtel nicht sitzen würden und ein Abbruch und Neuaufbau des Mauerwerkes vermieden werden soll, schlagen Sie eine Verfestigung der Wetterschale durch Verschäumen mit PU-Schaum vor. Dabei wird ein speziell rezeptierter Schaum (nur geringe Expansion, keine Druckbildung) lagenweise eingebracht. Der Schaum verfüllt beim Expandieren alle Hohlräume und „kriecht“ in alle Fehlstellen der Lager- und Stoßfugen ein. Die Klebekraft ist erheblich. Haftzugprüfungen an anderen großen Objekten ergaben Werte, die mehr als 30-fach über den geforderten Normwerten lagen.

Vorab werden im Sockelbereich Öffnungen hergestellt, durch die händisch die heruntergefallenen Mörtel-, Schutt- und Ziegelbrocken entfernt werden.

Das lagenweise Verfüllen wird durch Endoskopie qualitätssichernd begleitet. Dieses Verfahren spiegelt „den Stand der Technik“ wider und nicht „die allgemein anerkannten Regeln der Technik“. Eine Zustimmung im Einzelfall (Z.i.E.) ist erforderlich. Da jedoch bereits Großobjekte mit Flächen größer 10 000 m² ausgeführt wurden, ist die Z.i.E. mit relativ geringem Aufwand einzuholen. Diese Leistung erbringen Sie als Bauunternehmer.

Hydrophobierung verbessern

Grundsätzlich sind Hydrophobierungen kritisch zu sehen. Hier ist jedoch eine Teilfläche bereits in der Vergangenheit hydrophobiert worden. Durch Fehlstellen im Fugennetz kam es zu Auffeuchtungen hinter der hydrophobierten Ebene. Diese Auffeuchtungen (Frost-Tauwechsel) und der daraus resultierende Sprengdruck führten zu Abplatzungen.

Da ein „Enthydrophobieren“ nicht möglich ist, gilt es, aus einer schlechten- eine gute Hydrophobierung zu machen.

Dazu wird die fugentechnisch sanierte Fläche mit einem lösemittelhaltigen Hydrophobat im Flutverfahren ertüchtigt. Die Einbringmenge des Hydrophobates und die Eindringtiefe (4 bis 6mm) werden vorgegeben und nach Ausführung durch Entnahme einiger Ziegel und deren Prüfung kontrolliert. In diesem Bereich erfolgt eine quantitativ verstärkte Prüfung der Schlagregensicherheit durch Tests mit dem Karsten`schen Röhrchen auf den Ziegeln und auf der Fläche (also Ziegel und Fuge) mit der Franke-Platte und zusätzlich noch zwei Prüfungen mit der WAM-Platte. Bei diesem Prüfverfahren wird eine Acrylplatte an die Wand geklebt und über eine kalibrierte Pumpe die Wand beregnet. Das „überschüssige“ Wasser, das nicht in das Mauerwerk eindringt, wird in einem Messbehälter gesammelt und gewogen. Nach Beendigung des Tests wird der Wasserverlust gemessen und der W-Wert der Testfläche ermittelt. Näheres unter www.hf-sensor.de/deutsch/news1.html

Um eine maximale Sicherheit in der Ausführung und dem Ergebnis zu gewährleisten, werden alle Flächen im Spritzverfahren verfugt. Die Ausführung wurde bereits im Bericht Teil 2 dieses Beitrags ausführlich beschrieben (Entfugen, Absaugen, Ausblasen, Kontrolle, Vorverfüllung der Hohlstellen mit Hanse-Fill Verfüllmörtel , einlagiges Einbringen von Spritzmörtel in 20 mm Dicke, Glattstrich mit Kelle, Nasshalten der Fassade über fünf Tage lang).

Kondensat oder Schlagregen?

Um zu klären, ob die zahlreichen Feuchteprobleme im Bereich des einschaligen Mauerwerks auf Kondensatbildung oder Schlagregen zurückzuführen sind, wird im Mikrowellen-Messverfahren ein Feuchteprofil erstellt und graphisch in 3-D visualisiert. Bei dieser Feuchtemessmethode mit dem MOIST-System handelt es sich um eine zerstörungsfreie Untersuchung, bei der das Bauteil in einem Raster mit verschiedenen Messköpfen abgetastet wird. Hierdurch sind vergleichende Aussagen in unterschiedlichen Bauteiltiefen möglich (Messtiefen in etwa 2 bis 3 cm, 9 bis 11 cm und  20 bis 30 cm). Diese Messmethode macht sich die dielektrischen Eigenschaften von Wasser zu Nutze. Aufgrund der Eigenschaft als Dipol, richtet sich Wasser in einem außen angelegten elektrischen Feld aus. Wird ein elektromagnetisches Wechselfeld angelegt, beginnen die Moleküle mit der Frequenz des Feldes zu rotieren, so dass qualitativ Aussagen zu Durchfeuchtungen getroffen werden können. Feuchtebildung im Ziegelmauerwerk geht zumeist mit Salzanreicherung einher. Das MOIST-Messverfahren hat jedoch den Vorteil, dass es nicht auf  Versalzungen reagiert und somit unabhängig davon Aussagen getroffen werden können.

So viel, wie nötig – so wenig, wie möglich

Die Ziegel werden bemustert. Aus zwei Ziegeleien werden passende Ziegel ausgesucht, die sowohl optisch als auch von den technischen Parametern sehr gut zum Bestand passen. Es wird eine 100prozentige Fugensanierung vereinbart, es ist also keine Kartierung erforderlich, an der Ostseite wird mit PU-Schaum verfestigt.

Außerdem ermitteln Sie, welche Stürze gerissen oder verformt sind und welche Ziegel komplett durchgerissen sind. Achtung: Nach dem Entfugen nochmal durchsehen. Dann sind eventuell weitere schadhafte Ziegel sichtbar. Grundsätzlich gilt: Soviel Ziegel austauschen wie notwendig, so wenig Ziegel austauschen wie möglich. Diese Ziegel werden mit Ölkreide markiert. Kühlrisse, die nur an der Oberfläche sind, rechtfertigen keinen Austausch.

An der Ostseite der Fassade öffnen Sie das Mauerwerk im Sockelbereich in Abständen von etwa 100 cm und entnehmen den Schutt händisch.

Beim einschaligen Mauerwerk an der Südwestseite wird auf jeder Gerüstlage ein Feld im MOIST-Verfahren gemessen. Ergebnis: In den ungestörten Bereichen sind Feuchteprobleme durch nicht schlagregensicheres Mauerwerk vorhanden. Die Oberfläche ist nach einer Trockenperiode bereits kapillar abgetrocknet. Jedoch an der Gebäudeecke und der obersten Geschossdecke (Betondecke durchgebunden bis Vorderkante) führen die geometrischen und konstruktiven Wärmebrücken zusätzlich zu bauteilbedingten Kondensatschäden. Sie schlagen für diese Bereiche eine Innendämmung mit Wärmedämmputz oder alternativ eine Innenheizung mit Carbon-Heizanstrichen vor.

Geplant war ein Entfugen durch Entlastungsschnitt mittig der Fuge und danach Ausräumen der Fugen mit einem pneumatischen kleinen Meißel, beziehungsweise in den Stoßfugen mit einem Scharriereisen. In der Probefläche stellt sich jedoch heraus, dass die Ziegel (um 1900 im Ringofen gebrannt / Aufbereitung und Formung mit damaliger Technik) so genannte Strukturen aufweisen. Gemeint ist eine Schalenbildung durch inhomogene Aufbereitung des Tones. Beim Herausstemmen der Fugenmörtelreste, die an den Ziegelflanken teilweise gar nicht, beziehungsweise teilweise gut haften, werden durch Erschütterung diese Strukturen gelöst. Die Ziegel brechen dann in der Oberfläche bis zur Struktur. Um die Erschütterung beim Herausstemmen mit Meißel zu vermeiden, erfolgt die Entfugung komplett mit der Flex. Dabei ist zu beachten, dass Flexscheiben in der richtigen Dimension eingesetzt werden und dass die Ziegelflanken an den Stoß- und Lagerseiten nicht angeschnitten werden. Der Bauleiter achtet darauf, dass beim Entfugen nicht ständig roter Ziegelstaub sichtbar ist.

Ausführung überprüfen

Die Handwerker werden bei Baubeginn in einem Auftaktgespräch eingewiesen in dem auch erklärt wird, welche Qualitätsanforderungen gestellt werden und wie und warum die Ausführungsqualität geprüft wird. Es wird eine wöchentliche Baubesprechung vereinbart, zusätzlich erfolgen unangemeldete Spontantermine.

Folgende Zwischenbegehungen werden fest vereinbart:

1. Schadenskartierung

2. Sturzsanierung

3. Entfugungsqualität

4. Verfugungsqualität

5. Nachweis des Feuchthaltens der frischen Verfugung

6. Anschlüsse an Bauteile

7. Reinigung

8. Schlagregentests mit Franke-Platte und teilweise mit WAM Messplatte.

Die Bauleitung fertigt zu jedem Termin einen Bericht mit Fotodokumentation an. Festgestellte Mängel werden mit dem Polier und dem ausführenden Handwerker besprochen. Es gilt den „Mann an der Wand“ zu informieren, zu überzeugen und mitzunehmen.

Flexibel auf Probleme reagieren

Die Maßnahmen werden durchgeführt. Es gibt die üblichen Probleme auf der Baustelle; teilweise bedingt durch Missverständnisse. In einem Einzelfall durch einen uneinsichtigen Handwerker, dieser Mann wird ausgetauscht. Mängel werden erkannt und unverzüglich behoben.

In einem Teilbereich, ganz oben an der Fassade, von der Straße kaum einsehbar, wurde der Glattstrich an der Spritzfuge zu spät ausgeführt. Hier unterscheidet sich die Oberfläche geringfügig von der vereinbarten Optik. Sie reagieren mit Augenmaß und lassen diesen Bereich nicht neu ent- und verfugen.

In einem anderen Bereich ergeben sich bei der Qualitätskontrolle mit der Franke-Platte starke Abweichungen. Im Mittel sind bei den Tests Wasserverluste von 0 bis 40 ml in 15 Minuten festzustellen. In diesem Bereich sind Wasserverluste von bis zu 220 ml festzustellen. Recherchen ergeben, dass hier eine unerfahrene Kolonne (Urlaubsvertretung) gearbeitet hat. Dieser Bereich wird neu ent- und verfugt. Messungen danach ergeben Wasserverluste wie in den anderen Bereichen.

Bei den Sturzsanierungen treten keine Überraschungen auf. Einige Stürze sind derart korrodiert, dass eine komplette De- und Neumontage (teilweise mit Fertigteilstürzen) erforderlich ist.

Die Ostfassade wird wie geplant mit PU-Schaum verfestigt. Die Qualitätskontrollen (Endoskopie, Haftzugprüfungen, Thermografie) bestätigen eine vollflächige innige Verbindung beider Wetterschalen. Die Kosten für diese Arbeiten belaufen sich auf etwa 95 €/m². Vor dem Abrüsten erfolgt die technische Abnahme; nach dem Abrüsten die optische Abnahme. Erst nach dem Abrüsten kann das optische Gesamtergebnis beurteilt werden.

In einigen Bereichen sind leichte Ausblühungen zu sehen. Tests mit vierprozentiger Salzsäure zeigen: Kein Aufschäumen, also keine Kalke.  Hier beruhigen Sie Ihren Bauherren wie folgt: „Das sind leicht lösliche Salze. Was schnell kommt, verschwindet auch schnell wieder. Erfahrungsgemäß nach einer Wetterperiode“. Sie bieten, sollten diese Ausblühungen bis zum nächsten Sommer nicht verschwunden sein, die Beseitigung mit Steinreiniger ausgeführt mit Hubwagen an.

Fazit

Sie haben eine Bauzustandsanalyse durchführt und die Ergebnisse in einem nachvollziehbaren Sanierungskonzept gebündelt. Unerwartete, nicht vorhersehbare Überraschungen haben Sie offen und zeitnah in verständlicher Weise kommuniziert. Ihr Qualitätsmanagement hat gut funktioniert. Die Mitarbeiter „an der Wand“ wurden mit eingebunden. Kleinere Mängel (die im Bestand fast unvermeidbar sind) wurden offen besprochen und Lösungen angeboten. Der Bauherr ist zufrieden. Sie auch.

Autor

Dipl.-Ing. Joachim Schreiber ist Sachverständiger für Mauerwerk, Fassaden und Wärmedämmverbundsysteme und Inhaber eines technischen Büros für Baubegleitung, Qualitätssicherung, Feuchtemessung, Laboranalysen und Messung der Schlagregensicherheit in Hamburg.

Anmerkung des Autors

Das liest sich ja fast wie ein „Lore-Roman“? Die Wirklichkeit ist oft anders. In dieser fiktiven Baustelle hatten wir zwar jede Menge technischer Herausforderungen, aber auch einen fairen Bauherrn und einen fairen, vorausschauenden und kompetenten Bauunternehmer. Ich wünsche Ihnen für Ihre Arbeit solche Bauherren, aber auch das Verständnis auf Ihrer, der Unternehmerseite, für komplexe Backsteinsanierungen.

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