Fenster aus thermisch behandelter Buche Umbau der „Alte Oberpostdirektion“ in Hamburg

Die „Alte Oberpostdirektion“ am Hamburger Stephansplatz wurde in zwei Bauabschnitten umgebaut. Im Zuge dieser Modernisierung montierte die Firma Rolfes Fensterbau 250 Holzfenster aus thermisch behandelten Fadura-Buchenkanteln mit einer Induline Premium-Coatings-Beschichtung.

Es grenzt an ein Wunder, dass die über 300 m lange prachtvolle „Alte Oberpostdirektion“ am Hamburger Stephansplatz zwei Weltkriege fast unbeschadet überstand hat. Das 1887 im Stil der italienischen Neorenaissance errichtete Gebäude im Herzen der Stadt wurde grundlegend modernisiert und zum so genannten Postpalast mit einer vielfältigen Mischnutzung umgebaut. „Die Erhaltung der prächtigen Architektur in Verbindung mit den Anforderungen mo­­derner Nutzungen und dem besonderen Erbe, das wir an diesem Standort antraten, sind eine große Herausforderung“, sagt hierzu Hendrik de Waal, Gesellschafter der DWI Gruppe Hamburg, die als Bauherr mit derartigen Großprojekten bereits einige Erfahrung hat.

Die „Alte Oberpostdirektion“ wurde in zwei Bauabschnitten umgebaut. Die Arbeiten im so genannten Kopfbau direkt am Stephansplatz sind abgeschlossen. Hier entstanden moderne Einzelhandelsflächen und medizinische Einrichtungen und Praxen. Insgesamt wurden 30 000 m2 umgebaut. Unter anderem entstanden unter dem Glasdach auch eine neue, vierte Etage und eine Galerie. Der zweite Bauabschnitt wurde in diesem Jahr abgeschlossen.

Für die Fenster galt: Buche contra Kiefer

Im Rahmen der Sanierungs- und Umbauarbeiten sollten auch die alten Fenster ausgetauscht werden. Die Auftragsvergabe an einen polnischen Fensterhersteller war von Seiten der DWI Gruppe Hamburg bereits eine beschlossene Sache. Das Konzept sah neue Kieferfenster vor – zwar als Nachbau der historischen Formen, aber technisch auf neuestem Stand. Keine gute Ausgangssituation für Martin Hagensieker, Inhaber des Sägewerks Hagensieker GmbH in Bad Essen. Er kämpft engagiert für seine gute Sache, nämlich das thermisch veredelte Fadura Fensterholz aus heimischer Buche.

Er intervenierte bei den Architekten der DWI Gruppe Hamburg und erhielt Gelegenheit, seine Argumente vorzutragen. Der polnische Hersteller hatte inzwischen bereits ein Musterfenster eingebaut, das aber die Planer nicht vollkommen überzeugte. Die dann geschlossene Vereinbarung: „Baut ein zweites Musterfenster aus Buche und dann schauen wir mal.“ Das wurde zwar so gemacht, doch die Auftragsvergabe scheiterte letztlich am Preis. In dieser Situation kam das Bersenbrücker Unternehmen Rolfes Fensterbau ins Spiel. Grundsolides deutsches Handwerk, geführt von den beiden Tischlermeistern Bernhard und Stefan in der Generationenfolge Vater und Sohn. Martin Hagensieker empfahl der DWI, bei einem renommierten deutschen Hersteller ein Angebot einzuholen.

Die Ausschreibung war ambitioniert. In der Hauptsache waren Verfügbarkeit, Dauerhaftigkeit und Ökobilanz des Holzes sowie Preise und Lieferzeiten gefragt.

Bei einer Betriebsbesichtigungen bei der Firma Rolfes und im Sägewerk Hagensieker verschafften sich die Experten ein eigenes Bild von der Herstellung der thermisch behandelten ­Buchenkanteln Fadura und Fadura-plus und besichtigten auch die Fensterherstellung inklusive der abschließenden Beschichtung mit Induline-Premium-Coatings. Anschließend baute die Firma Rolfes ein Musterfenster aus Fadura-Buchenholz nach den his­­torischen Vorgaben mit Induline Coatings im Vierschichtaufbau ein. Als dann auch noch der akzeptable Preis auf dem Tisch lag, kam es sehr zügig zur Auftragsvergabe. Nach Einbau der etwa 250 neuen Holzfenster bescheinigte die DWI Gruppe Hamburg dem Team absolute Termineinhaltung, Preistreue, keine Nachforderungen sowie keine Nacharbeiten und Reklamationen nach zwei Jahren Standzeit.

Gute Argumente für die Buchenkantel Fadura

 „Für die hohen Anforderungen der Planer haben wir unsere Fadura-Fensterkantel aus Buchenholz entwickelt. Durch das progoodwood-Verfahren ist es uns gelungen, heimisches Buchenholz so zu verändern, dass es in Bezug auf Dauerhaftigkeit, Dimensionsstabilität und Fäulnisresistenz dem Tropenholz gleicht, es teilweise sogar übertrifft. Daraus entsteht unter anderem die Fadura­-Fensterkantel – günstig im Preis und ausgestattet mit Bestwerten“, sagt Martin Hangsieker. Erreicht wird diese Qualität durch die Karamelisierung des Holzes in einer Thermokammer. Dabei wird der im Werkstoff vorhandene Zucker umgewandelt und die wasseranziehenden Inhaltsstoffe neutralisiert, was zur Dauerhaftigkeitsklasse 1 führt (gleichauf mit Teak). „Wir liefern eine praktisch astfreie Qualität mit der feinen Textur der Buche und einer über den gesamten Holzquerschnitt gleich bleibende Haltbarkeit und Tönung aus.

Nach EN 942 und Merkblatt HO.06 erreichen unsere Fensterkanteln die Anforderungsklasse J2 und sind nach Reach, PEFC und FSC zertifiziert“, so Hangsieker weiter. „Der DWI-Auftrag für Fertigung und Einbau der Fenster für die Alte Oberpostdirektion Hamburg ist eine Bestätigung des hohen Standards, den wir in Deutschland beim Holzfensterbau erreicht haben. Wichtig war dabei das hohe Leistungungsniveau unserer Vorlieferanten. Hagensieker als Kantelhersteller und Remmers als Lackhersteller liefern allererste Qualität, und diese partnerschaftliche Zusammenarbeit ist auch der Garant unseres gemeinsamen Erfolges“, sagt Stefan Rolfes, Juniorchef bei der Firma Rolfes.

Für die thermobehandelten Buchenfenster gelten bei der Oberflächenbehandlung und -beschichtung die gleichen Grundsätze wie bei einheimischen Hölzern.

Auch hier gilt die Empfehlung für einen vierschichtigen Aufbau, bestehend aus Imprägnierung, Grundierung, Zwischen- und Endbeschichtung. Beim fertigen Fenster entspricht die Einbaufeuchte der Ausgleichsfeuchte.

Autor

Jürgen Dirkes ist Produktmanager Holzschutz- und Holzveredelung bei der Remmers Baustofftechnik in Löningen.
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