Fotoreportage: Haus Tugendhat – die weiße Moderne in Brünn

Um das Haus Tugend hat im tschechischen Brno (ehemals Brünn) ranken sich bis heute Legenden. Der Klassiker der weißen Moderne, von 1928 bis 1930 nach Plänen von Ludwig Mies van der Rohes für das Unternehmer-Ehepaar Fritz und Grete Tugendhat errichtet, war seiner Zeit weit voraus. Nach Abschluss der detailgenauen Sanierung im Jahr 2012 beeindruckt die Villa wieder durch ihre Großzügigkeit und visionäre Gebäudetechnik – ein Einfamilienhaus mit sage und schreibe 1250 m2 Nutzfläche. Es galt einst als das teuerste Einfamilienhaus weltweit. Allerdings meinte es die Geschichte nicht gut mit der bei­spiel­haften Baukunst: Nur acht Jahre lang war es seinen Besitzern vergönnt, ihr Domizil zu nutzen. Als das Sudetenland 1938 vom Deutschen Reich annektiert wurde, floh die jüdische Familie, und für Haus Tugendhat folgten Jahrzehnte der Zweckentfremdung und des stetigen Verfalls.

Es dauerte Lange, bis das Gebäude seine verdiente Beachtung zurückerlangte: 1995 wurde die Villa zum Nationalen Kulturdenkmal erklärt, 2001 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Aber erst 2010 standen die nötigen finanziellen Mittel – knapp sieben Millionen Euro – für die Sanierung bereit. Eine Arbeitsgemeinschaft aus drei Architekturbüros wurde damit beauftragt, das Gebäude so weit wie möglich in seinen ursprüng­lichen Zustand zurückzuversetzen. Hierzu war es höchste Zeit geworden, denn das Hanggebäude drohte zwischenzeitlich sogar abzurutschen und befand sich insgesamt in einem schlimmen Zu­stand: Durchfeuchtungen der Wände und Decken sowie Korrosionen an den Anschlüssen zwischen Stahlbauteilen und Beton hatten der Bausubstanz erheb­lichen Schaden zugefügt. Nach zwei Jahren, im März 2012, wurde die anspruchsvolle Sanierung abgeschlossen und das Haus der Öffentlichkeit übergeben. Der Gesamteindruck war wiederhergestellt: Das Inventar präsentiert sich originalgetreu; Fliesen, Sani­tär­einrichtungen und Natursteinböden entsprechen dem ursprünglichen Stand. Dies liegt unter anderem auch daran, dass sich die tschechische Fliesenmarke Rako, die schon die Originalfliesen für das Haus gefertigt hatte, an der Sa­nierung beteiligte.

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