Gut gekämmt Neubau der Neuapostolischen Kirche in Michelfeld

Runde Formen bestimmen die Neuapostolische Kirche in Michelfeld, auf die die Handwerker Kammputz auftrugen. Um die Putzstruktur auf den runden Außenwänden richtig ausführen zu können, war die Wahl des richtigen Putzmaterials entscheidend.

Das im Sommer 2014 fertiggestellte Gotteshaus der Neuapostolischen Kirche in Michelfeld lebt von seiner eigenständigen Form. Gerundete Außenwände prägen das gesamte Gebäude in der nahe Schwäbisch Hall gelegenen Gemeinde. Diese Form setzt sich im Inneren der Kirche fort.

Auf den ersten Blick fällt in der von Martin Kuhn vom Architekturbüro Kuhn aus Schwäbisch Hall entworfenen Kirche die harmonische, helle Gestaltung in dem für etwa 200 Personen Platz bietenden Kirchenraum, dessen Wänden fast an Wellen erinnern, auf. Schräg hinter dem Altar findet sich ein dünnes Metallkreuz an der Wand. Dahinter liegende Einkerbungen führen die Linien des Kreuzes über die runde Wandfläche fort, so dass es symbolisch die gesamte Gemeinde zu umfassen scheint. Das durch die Fensterflächen und Oberlichter einfallende helle Sonnenlicht zeichnet klar abgegrenzte bogenförmige Muster auf die Wände. Besonders prägend ist ein raumhohes Buntglasfenster in Gelb, Orange und Hellblau, das der Rottweiler Künstler Tobias Kammerer gestaltete.

Dämmputz sichert Wärmeschutz

Die runden Außenmauern umfassen eine Fläche von rund 470 m². Die Maurer haben die Steine des Mauerwerks so im Winkel zueinander gesetzt, dass sie außen einen größeren Radius ergaben als innen. So bildeten sich durch die Rundungen keilförmige Fugen nach außen. Durch die Wahl von hochwärmedämmenden Steinen erübrigte sich zwar ein WDV-System, jedoch mussten die großen Fugen zwischen den Steinen entsprechend gedämmt werden. Zudem stellte auch der gewünschte Oberputz eine anspruchsvolle Aufgabe für die Handwerker dar. Er war als deutlich strukturierter Kammputz mit geraden Linien vom Dach bis zum Boden vorgesehen.

Den Auftrag für die gesamten Fassadenarbeiten erhielt die Löwen Restaurierung Müller OHG aus Erlenbach. Das Unternehmen mit rund 50 Mitarbeitern setzt seine Schwerpunkte zwar auf die Restaurierung und Denkmalpflege, es verfügt dadurch aber auch über entsprechende Erfahrungen bei der Umsetzung von außergewöhnlichen Putzoberflächen auch für den Neubau.

Mit passenden Musterflächen haben die Handwerker von Löwen Restaurierung gezeigt, wie sich der extrem hohe Fugenanteil auf den stark gerundeten Flächen der Außenwände bewältigen lässt. Und auch für den Kammputz fand das Unternehmen eine geeignete Strategie.

Das Mauerwerk besteht aus 42,5 cm dicken Poroton-Ziegeln mit einer Füllung aus Steinwollepads und einer Wärmeleitfähigkeit von λR = 0,08 W/mK. Um die entsprechenden Rundungen der Kirchenwände auszuführen, wurden die Steine mit V-förmigen Fugen versetzt, die an den Flächen mit den stärksten Rundungen außen eine maximale Breite von 8 – 10 cm erreichten. Bei den sanfteren Rundungen kamen sie immerhin noch auf eine Breite von etwa 5 cm. So stellte sich die Frage, wie sich unter diesen Voraussetzungen die Wärmedämmung des Mauerwerks sichern ließ.

Die Lösung war der Dämmputz DP-B von quick-mix. Mit einer Wärmeleitfähigkeit von λR = 0,07 W/mk ist er sogar noch etwas leistungsfähiger als das Mauerwerk. Peter Müller, Geschäftsführer bei der Löwen Restaurierung betont, dass das Fugenmaterial zum Stein passen müsse. Wäre der Dämmputz zu hart, könne es zu Rissbildungen kommen, besonders bei den erhöhten Anforderungen durch die runden Wände. Seiner Ansicht nach eignet sich der Dämmputz DP-B auch in dieser Hinsicht sehr gut für die Poroton Ziegel. Er erreicht eine Druckfestigkeit ≥ 0,4 N/mm². Die Fachhandwerker brachten den Dämmputz maschinell mit Hilfe einer Spritzdüse einzeln in jede Fuge ein. Sie achteten besonders darauf, die Fugen komplett zu füllen, damit keine putzfreien Bereiche im Inneren der Fugen übrig blieben. So entstanden trotz der Rundungen monolithische, gut gedämmte Wände als Basis für die Fassade.

Aufgrund der exakt auf das Bauvorhaben abgestimmten Vorplanung des einzusetzenden Putzsystems konnte Müller den gesamten Putzaufbau mit Produkten des gleichen Herstellers ausführen. Als Grundputz für die Fassade wählte er einen faserverstärkten Leichtputz mit Polystyrol: Den LP 18-FL von quick-mix. Durch die Faserverstärkung weist er ein besonders günstiges Spannungsverhalten auf und wirkt einer Rissbildung entgegen. Er wurde direkt auf den Untergrund aus Mauerwerk und Dämmputz aufgebracht. Dann folgte eine Armierungsschicht aus einem leichten Spachtel- und Klebemörtel und dem passenden Armierungsgewebe (quick-mix SKS leicht und GWS).

Kammstruktur:

Die richtige Putzfestigkeit ist entscheidend

Die zweite auffällige Besonderheit der Außenwände stellt der sehr stark strukturierte, senkrecht gezogene Kammputz dar. Die Lösung, mit der sich diese spezielle Struktur umsetzen ließ, war ein Baustoff, der ein schnelleres Ansteifen im Vergleich zu herkömmlichen Putzen ermöglichte. Hier konnten die Experten des Baustofflieferanten den entscheidenden Tipp geben: den mineralischen, faserverstärkten Leichtputz MLP-FL QT von quick-mix. Dieser ist ausgestattet mit der Quick Technology und zeigt ein deutlich beschleunigtes Ansteifverhalten. Statt der eher üblichen drei bis vier Stunden braucht er je nach Wetter nur circa ein bis zwei Stunden, um fest zu werden.

Mit diesem Material konnten die Fachhandwerker zur Tat schreiten. Wie bei einem Fresko wurde in kleinen Abschnitten gearbeitet: Zunächst wurde eine schmale Putzfläche über die gesamte Gebäudehöhe aufgebracht und dann in diese Fläche die Putzstruktur eingearbeitet. Erst dann ging es mit dem daneben liegenden Streifen weiter.

Um die Kammstruktur mit den gewünschten Abständen und Tiefen umzusetzen, fertigten die Fassadenspezialisten extra für Michelfeld zwei Metallschablonen an. An den Stellen mit durchschnittlichen aus­­ge­prägten Rundungen ermöglichte eine Schablone mit einer Breite von 30 cm einen zügigen Arbeitsfortschritt. An den stärksten Rundungen erwies sich eine 15 cm breite Schablone als besser geeignet. Dabei mussten immer zwei Mitarbeiter Hand in Hand arbeiten. Während der Erste eine Schiene mit einer Was­ser­wage in der richtigen Position hielt, führte der Zweite die Schablone, soweit möglich ohne abzusetzen, an der Schiene entlang. An einigen Stellen waren bis zu acht Meter zu bewältigen, im Durchschnitt waren es um die fünf Meter. Bei Annährung an die Querverbindungen des Gerüstes musste die Schablone kurzfristig übergeben werden, damit der kammführende Fachhandwerker die Ebene wechseln konnte. Über alle Außenwände hinweg wurde der Putz immer von unten nach oben abgezogen.

Entscheidend für den Erfolg war es dabei, dass der Putz zum Zeitpunkt der Bearbeitung genau die richtige Festigkeit hatte. Er durfte nicht zu frisch sein, weil sonst die herausgearbeiteten, hervorstehenden Strukturen von der Fassade „gerollt“ wären. Er durfte aber auch nicht zu fest werden, weil sich sonst die Strukturen nicht mehr problemlos hätten einarbeiten lassen. Hier kam es auf das Gefühl der Verarbeiter für den richtigen Zeitpunkt an, der durch Faktoren wie die Lufttemperatur, die Untergrundtemperatur, die Luftfeuchtigkeit, den Wind und das Saugverhalten des Untergrundes beeinflusst wurde.

Erschwert wurde dies, da nicht die komplette überschüssige Putzmasse auf einmal „herausgekämmt“ werden konnte. Insgesamt entstand die gewünschte Struktur nachdem der Putz drei bis vier Mal mit der Schablone abgezogen worden war. Mit dem faserverstärkten Leichtputz MLP-FL QT mit Quick Technology gelang es den Mitarbeitern der Firma Löwen Restaurierung, trotz des komplexen Prozesses ein optimales Ergebnis zu erzielen. Vollendet wurde die Fassade dann durch eine quarzhaltige Silikatgrundierung und eine Silikatfarbe.

Neuer Mittelpunkt für das Gemeindeleben

Der ungewöhnliche Kirchenbau ist in der lokalen Presse auf viel positives Feedback gestoßen. Bei der Einweihung freute sich auch der Michelfelder Bürgermeister Wolfgang Binnig: Er pries den Neubau als wegweisend. Sowohl von außen als auch von innen zeigt die Kirche ihren einladenden Charakter. Die eigenständige Architektur macht das Bauwerk zum neuen Mittelpunkt des Gemeindelebens der Neuapostolischen Kirche Michelfeld. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Fachhandwerkern und Baustofflieferant ließen sich die Herausforderungen, die der ambitionierte Entwurf des Architekten Kuhn stellte, mit großem Erfolg bewältigen.

Autor

Guido Wollenberg ist Fachjournalist der Agentur Wollenberg-Frahm PR in Frechen. Er betreut unter anderem die quick-mix Gruppe bei der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und schreibt als Autor für die Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.
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