Seminargebäude für die Gedenkstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“ in Berlin

Das Seminargebäude der Berliner Gedenkstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“ vom Büro Staab Architekten zeichnet sich durch klare Formen und ein auf das Wesentliche reduziertes Erscheinungsbild aus. Augenfällig ist das weit ausschwingende, gewellte Dach: Es vermittelt Dynamik, verbindet Bestand und Neubau und mindert optisch die Erscheinung des Gebäudes. Errichtet wurde es, wie die gesamte Gebäudehülle, monolithisch aus Leichtbeton.

Das weit ausschwingende Vordach des Seminargebäudes für die Gedenkstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“ in Berlin besteht wie die restliche Gebäudehülle aus Leichtbeton Das weit ausschwingende Vordach des Seminargebäudes für die Gedenkstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“ in Berlin besteht wie die restliche Gebäudehülle aus Leichtbeton
Foto: Marcus Ebener

Das weit ausschwingende Vordach des Seminargebäudes für die Gedenkstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“ in Berlin besteht wie die restliche Gebäudehülle aus Leichtbeton
Foto: Marcus Ebener
Eines der prägendsten Elemente des Seminargebäudes auf dem Areal der Gedenkstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“ in Berlin ist zweifellos das gewellte, weit ausschwingende Vordach. Wie die übrige Gebäudehülle besteht es aus Liapor-Leichtbeton. Und trotz seiner Mächtigkeit von bis zu 1 m strahlt es Dynamik aus. „Der Schwung des Daches vermittelt zwischen Haupthaus und Neubau, verleiht diesem aber auch sein unverwechselbares Gesicht. Gleichzeitig lässt es das Gebäude optisch niedriger wirken“, erklärt Thomas Eysholdt von Staab Architekten, die 2015 den Wettbewerb mit dem Entwurf des eigenständigen, rund 425 Quadratmeter großen einstöckigen Neubaus gewannen. Neben dem Dach wurde auch ein Großteil der Außenwände mit Leichtbeton errichtet, und zwar in 60 cm Dicke.

Funktionale Ästhetik

Sämtliche Leichtbeton-Flächen des Seminargebäudes erscheinen in heller Sichtbeton-Optik. „Der klare, schlichte Charakter der Sichtbetonflächen unterstreicht das zurückhaltende Erscheinungsbild des Seminargebäudes und ermöglicht die konzentrierte Auseinandersetzung mit der Geschichte“, erklärt Architekt Thomas Eysholdt. Im Vordergrund steht dabei die so genannte Wannsee-Konferenz, die hier am 20. Januar 1942 stattfand und auf der hochrangige Vertreter des NS-Regimes die Deportation und Ermordung der europäischen Juden entschieden. Die Entscheidung für die Bauweise mit Leichtbeton hatte aber nicht nur ästhetische Gründe: „Der Baustoff bietet hier nicht nur die nötige Stabilität, sondern sorgt auch für die erforderliche Wärmedämmung.“

Monolithische Gebäudehülle

Für die Errichtung der monolithischen Gebäudehülle des Seminargebäudes am Südrand des Areals kamen insgesamt rund 400 Kubikmeter Leichtbeton der Betongüte LC12/13D1.2 zum Einsatz. Den Baustoff fertigte und lieferte die Heidelberg Materials AG, Zementwerk Königs Wusterhausen, die Ausführung übernahm die Pluspunkt Ingenieurbau GmbH in Berlin. Als Bauherr des rund 4,15 Millionen Euro teuren Projekts fungierte das Land Berlin (SILB), vertreten durch die BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH in Berlin. Die gesamte Bauzeit betrug zwei Jahre, und im Oktober 2024 wurde das neue Seminargebäude feierlich eröffnet.

Ruhe und Klarheit im Inneren

Mittlerweile ist das neue Seminargebäude ein zentraler Anlaufpunkt für die rund 100000 Besucher, die die Gedenkstätte jedes Jahr besichtigen. Sie gelangen über die Eingangstür unter dem Vordach in das raumhoch verglaste Foyer, wo das langgestreckte Halbrund des Daches für Ruhe und Klarheit sorgt. Von hier aus erschließt sich auch der dahinterliegende Konferenzbereich in Form eines großen Saales, der durch zwei mobile Trennwände individuell teilbar ist. In beiden Bereichen finden sich hölzerne Einbaumöbel und Wandverkleidungen, die dem Gebäude auch eine behagliche Note verleihen.

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