Historische Trennwand
Der richtige Umgang mit Bundwänden in der Altbausanierung

Bundwände finden sich auch heute noch in zahlreichen Häusern aus der Gründerzeit, wo sie als tragende oder nicht tragende Innenwände eingesetzt wurden. Findet der Handwerker bei einer Sanierung solche Wände vor, ergeben sich zwei Fragestellungen: Wie lassen sich diese Konstruktionen reparieren und ertüchtigen, oder – wenn der Grundriss verändert werden soll – was muss der Handwerker bei der Entfernung einer Bundwand beachten?

Durch den Bevölkerungsanstiegs in deutschen Städten um 1900 war ein großer Bedarf an neuen Wohnungen entstanden. Darauf musste das Baugewerbe durch effektivere Bauverfahren und kostengünstigere Baumaterialien reagieren. Aber auch in Hinsicht auf die einzelnen Konstruktionen versuchten die damaligen Architekten und Handwerker, die Baukosten zu verringern [6]. Eines der Ergebnisse dieser Bemühungen war die aus dem traditionellen Fachwerkbau entwickelte Bundwand. Diese findet man beim Bauen im Bestand auch heute noch häufig vor – meist in städtischen Wohngebäuden aus der Gründerzeit.

Die Bezeichnung Bundwand stammt vermutlich aus dem Zimmermannshandwerk, wo es im Fachwerkhausbau einzelne Konstruktionsteile mit den Namen Bundsäule oder Bundbalken gibt. Die Bundwand wurde im mitteldeutschen Raum – insbesondere in der Leipziger Region – von etwa 1870 bis 1920 verwendet. Es handelt sich um eine Verbundkonstruktion mit Holzständerwerk aus Stielen und Rähmbalken sowie einer Mauerwerksausfachung als Einsteinwand.

Konstruktion, Tragverhalten und Belastungen

 

Die Bundwand wurde in Wohnhäusern hauptsächlich als Wand zwischen zwei Wohnräumen ausgeführt. Zwischen den tragenden Holzbalken der Decke wurde dazu in der Mitte der Trennwand ein Holzstiel eingebaut, der meist oben und unten mit Holzzapfen mit dem Balken verbunden war. Den Rest der Wand führte man mit verschiedenen Materialien, beispielsweise porösen Langlochziegeln oder minderwertigen Vollziegeln, aus. Dieses Mauerwerk wurde in der Außenwand in jeder zweiten Schicht verzahnt. Am Holzstiel stellten die Handwerker der Gründerzeit die Verbindung zwischen Mauerwerk und Holz durch aufgenagelte Dreikantleisten, lange Nägel oder durch eine Ausspähnung her. Die Abmessung des Stiels kann dabei sehr unterschiedlich ausfallen. Meist hat man damals aber die handelsüblichen Querschnitte von 12/12 cm eingebaut. Bundwände haben daher in der Regel eine Dicke von 12 cm und sind beidseitig mit Putz beschichtet, wobei auf den Holzstiel ein Putzträger (zum Beispiel Schilfrohr) aufgenagelt werden musste [1]. Diese Bundwände können selbsttragend sein oder die Lasten in quer zur Einbaurichtung verlaufende Holzbalkendecken einleiten [5].

Vor dem Abbruch einer Bundwand muss der Handwerker daher die Statik vor Ort sorgfältig überprüfen. Bei umfangreichen Reparaturen sind Abstützungen bis zur endgültigen Sanierung der Wand empfehlenswert. Der Holzstiel hat nur eine aussteifende Funktion für das Mauerwerk. Wird das Mauerwerk entfernt, übernimmt der Holzstiel die Abtragung der vertikalen Lasten, wobei beachtet werden muss, dass die Tragfähigkeit dann im Vergleich zur ausgefachten Konstruktion erheblich reduziert ist. Eine solche Bundwand dient nur noch zur Abtrennung von zwei Räumen.

Entspricht die Konstruktion einer Bundwand zwar einer stark vereinfachten Fachwerkwand, so muss man beim statischen Tragverhalten dennoch von einer vierseitig gehaltenen Wandscheibe ausgehen, deren vertikale Ränder durch die Holzstiele elastisch gehalten werden. Die Lasten einer solchen Wand werden jeweils über das Rähm in die darunter stehende Wand eingeleitet [4].

Schäden und Sanierung

 

Da Bundwände aus verschiedenen Materialien bestehen, können dementsprechend vielfältige Schäden vorhanden sein. Die tragenden Holzteile beispielsweise waren im Laufe der Jahrzehnte unterschiedlichen äußeren Einflüssen und unterschiedlichen Nutzungsverhalten ausgesetzt. Die Holzbalken sind in der Außenwand oder der Mittelwand aufgelagert worden. Daher sollte der Handwerker bei der Sanierung dem Zustand der Balkenköpfe besondere Beachtung schenken. Es können weiterhin Schäden durch Feuchteeinwirkung oder Holzschädlinge vorhanden sein. Feuchtschäden sind dort am ehesten zu erwarten, wo ein anliegender Raum als Küche oder Bad genutzt wurde. Bei den Holzstielen muss unbedingt geprüft werden, ob die Tragfähigkeit noch vollständig den gültigen Anforderungen und Bauvorschriften entspricht. Das ist in der Praxis durch meist nachträglich hinzugefügte Aussparungen, beispielsweise für Elektrokabel, in vielen Fällen nicht mehr der Fall.

Soll das Mauerwerk erhalten bleiben, sollte auch der Anschluss an den Holzstiel genauestens inspiziert werden – auch hier sind verschiedene Schäden möglich, die oft durch Umnutzung der Gebäude und die damit einhergehende statische Überlastung entstehen. Meist genügen jedoch die eingebauten Mauersteine nicht mehr den heutigen Anforderungen des Schallschutzes. Oftmals ist es daher wirtschaftlicher, das Mauerwerk vollständig abzubrechen und durch eine Trockenbaukonstruktion zu ersetzen. Dabei muss der Handwerker allerdings den statischen Nachweis führen, dass die alleinige Tragfähigkeit der Holzstiele für den Abtrag der aufstehenden Lasten ausreichend ist.

 

Statische Aspekte

der Sanierung

 

Ist durch die Umnutzung des Gebäudes die Erhöhung der Lasten vorgesehen, so gibt es für Bundwandkonstruktionen verschiedene Lösungen: Sollte die Wand für die geplanten Lasten nicht ausreichend tragfähig sein, so kann man zum Beispiel durch Aufdopplung oder Ergänzung der Stützen und die entsprechende Verbindung mit dem Deckenbalken eine höhere Tragwirkung erzielen. Eine weitere Variante wäre – insbesondere wenn die vorhandene Bundwand nicht in das neue Nutzungskonzept passt – die Verstärkung des statischen Systems der vorhandenen Holzbalken der Decke, um die Bundwand anschließend entfernen zu können. Hierfür gibt es zwei Produkte namens Compono 100 und Compono 100 L (www.bennert.de), beides eine Art von Holz-Verbundprothese aus Polymerbeton, die nur in Innenräumen ausgeführt werden darf. Voraussetzung zur Anwendung dieser Holz-Verbundprothesen ist die Öffnung des Fußbodens auf Balkenbreite und die Funktionsfähigkeit der Balkenauflager. Hat der Balkenkopf, zum Beispiel durch Feuchteeinwirkung, keine statische Tragfähigkeit mehr, so muss dieser zuvor repariert werden. Dabei ist es notwendig, den geschädigten Teil des Balkens zurückzuschneiden; der restliche Holzbalken muss in der Lage sein, nach der Reparatur die einwirkenden Kräfte zu übernehmen. Ein Vorteil dieses Systems ist die Erhaltung wertvoller Bausubstanz – das äußere Erscheinungsbild wird nicht beeinträchtigt.

 

Verbesserung

des Schallschutzes

 

Meist genügen die eingebauten Mauersteine nicht mehr den heutigen Anforderungen der DIN 4109 für den Schallschutz. Diese beschreibt unter anderem die Anforderungen an Zwischenwände bei unterschiedlicher Nutzung der Räumlichkeiten. Es wird  auch in dieser Hinsicht fast immer wirtschaftlicher sein, das Mauerwerk vollständig abzubrechen und durch Trockenbausysteme zu ersetzen, wobei die oben genannte Reduzierung der Tragfähigkeit unbedingt berücksichtigt werden muss. Hier bieten die Hersteller eine Vielzahl von Holzständerwänden an, die das Schalldämmmaß entsprechend den Anforderungen der zukünftigen Nutzung verbessern. Auch für den Anschluss der Bundwand an die vorhandene Holzbalkendecke werden verschiedene Möglichkeiten zur Verbesserung des Schalldämmmaßes zur Verfügung gestellt.

Diese Trockenbausysteme haben auch Vorteile hinsichtlich der Statik eines historischen Gebäudes. Zum einem können die vorhandenen Holzstiele in das Trockenbausystem integriert werden. Aber auch die Eintragung der Lasten auf die vorhandene Bundwand beziehungsweise den Deckenbalken kann auf diese Weise gering gehalten werden. Außerdem wird während der Sanierung gegenüber einer neuen, gemauerten Wand keine Feuchtigkeit ins Gebäude eingebracht.

Ist die Lastabtragung unter der zu ersetzenden Wand gewährleistet, kann das Mauerwerk aber auch durch Vollsteine oder Ziegel größerer Dichte ersetzt werden. Neben der Vergrößerung des Eigengewichts (für die Verbesserung des Schallschutzes) wird durch die zumeist größere Druckfestigkeit von Stein und Mörtel auch die Tragfähigkeit der Wand erhöht.

 

Grundsätzliche

Überlegungen

 

Bei einer Sanierung empfiehlt sich in jedem Falle eine Überprüfung der Bundwände, ob nach den heutigen Vorschriften eine Verstärkung der Holzbalkendecke und der Bundwand selbst notwendig sind oder ob ein Ersatz durch andere Tragkonstruktionen sinnvoll erscheint. Durch die verschiedenen Arten der Ausführung und der statischen Wirkung dieser Wände kann keine pauschale Verfahrensweise empfohlen werden. Folgende Aspekte sollte manbeachten:

 

• können die Bundwände ohne Nachteile für das Gebäude entfernt werden?
• sollten die Bundwände aus statischen Gründen unbedingt erhalten werden?
• können die Bundwände statisch nachgewiesen werden?

 

Fazit

 

Ob Bundwände erhalten werden sollten oder nicht, hängt vom jeweiligen Gebäude beziehungsweise der Wandkonstruktion ab. Falls der Handwerker sich seiner Sache hier nicht sicher ist, sollte auf jeden Fall ein Tragwerksplaner zu Rate gezogen werden.

Neben dem Studium der im Folgenden aufgeführten Literatur kann es für Handwerker und Architekten sehr hilfreich sein, sich die historische Bauakte aus dem zuständigen Bauarchiv zu besorgen. Dort findet man im Vorfeld viele Hinweise zur Bauausführung im Errichtungszeitraum. Die vorgefundenen Informationen der historischen Bauakte sind aber mit Vorsicht zu genießen, da sicher nicht alle Umbauten und Veränderungen vollständig dokumentiert wurden. Es empfiehlt sich daher immer eine Überprüfung dieser Informationen am Gebäude.

Literatur

 

[1] Ahnert, R. / Krause, K., Typische Baukonstruktionen von 1860 –1960, Band 1, Verlag für Bauwesen, Berlin 2000

[2] Bargmann, H., Historische Bautabellen, Normen und Konstruktionshinweise 1870 – 1960, Werner Verlag, 2008

[3] Biegholdt, H.-A., / Prof. Dr.-Ing. Thiele, R., Tragverhalten von Bundwänden, BauSanierung 2/1997

[4] Biegholdt, H.-A., Beitrag zur Bewertung von schlanken Mauerwerkswänden unter Berücksichtigung der aussteifenden Wirkung seitlicher Holzstiele hinsichtlich der Standsicherheit der Verbundkonstruktion, Band 3, Shaker Verlag, Aachen 2001

[5] Lauenstein, R., bearbeitet von Ahrens, C.,  Die Festigkeitslehre, Alfred Kröner Verlag, Leipzig 1920

[6] Menzel, Dr., C. A., Der Praktische Maurer, Verlag Reinhold Schwarz, Berlin 1902

[7] Reinboth, L., Berechnung des Tragverhaltens von Bundwänden, Diplomarbeit HTWK Leipzig, 1995

[8] Zillich, Karl, Statik für Baugewerkschulen und Bauwerksmeister, 2. Teil, Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin 1918

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