Holz in Form Niedermeier baut aus über 380 m² Eichenfurnier eine Kugel aus Holz

Der Empfangsbereich der Brückner Group in Siegsdorf sollte eine Holzkugel mit einem Durchmesser von 2 m erhalten. Gebaut haben sie die Experten von Holz in Form Niedermeier aus über 380 m2 Eichenfurnier.

Holz lässt sich nur schwer in runde Formen bringen. Wenn einem hier die Erfahrung und vor allem das passende Werkzeug fehlen, ist so manches runde oder gar kugelige Bauteil schlichtweg ein Ding der Unmöglichkeit. Hier hilft Holz in Form Niedermeier im bayerischen Marklkofen weiter (www.holz-in-form.de). Dort hat man sich auf runde Formen aus Holz spezialisiert. „Unsere Fertigungsanlagen kann man nicht kaufen, wir haben sie selber konzipiert“, sagt Schreinermeister Rupert Niedermeier. Gemeint sind damit unter anderem Vakuumpressen mit Pressflächen von über 21 m², die auch größere Abwicklungen erlauben.

In der 2019 im Hause Holz in Form Niedermeier erweiterten „Thekenmanufaktur“ (www.thekenmanu
faktur.de), werden nach Vorgaben von Schreinerkollegen, Innenausbauern, Ladenbauern oder Architekten nun auch komplette Theken, Möbel, Treppenverkleidungen und besondere Einzelstücke um das Team von Schreinermeister Rupert Niedermeier angefertigt. Das hierfür verwendete Material reicht über Holz und Holzwerkstoffe weit hinaus. Bei Holz in Form Niedermeier wird auch Glas, Metall, Filz, Stoff, Kunststoff und selbst Leder verarbeitet.

Für den mit dem Innenausbau des Eingangsbereichs der Brückner Group in Siegsdorf beauftragten Schreinermeister Manfred Walcher, Inhaber von „Die Schreinerei in der Walzmühle“ aus Pertenstein (www.schreinerei-in-der-walzmuehle.de) lag es daher nahe, den Kollegen aus Marklkofen mit dem Bau einer Holzkugel für den Empfangsbereich zu beauftragen.

24 Scheibenschnitte mit 240 Lamello Clamex Verbindern zusammengeleimt

Holzwerkstoffe haben natürliche Maßtoleranzen. Für die Mitarbeiter von Holz in Form Niedermeier bestand die Herausforderung beim Bau der Hohlkugel darin, diese Maßtoleranzen in den Griff zu bekommen. Denn die Kugel sollte aus insgesamt 24 Scheibenschnitten exakt zusammengefügt werden. Hierzu mussten die Schreiner zunächst mit Hilfe der 3D-Konstruktions-Software Space Claim alle notwendigen Parameter für die Produktion erstellen, also alle Daten, die für die Pressschablonen und für die Formatierung der einzelnen Scheibenschnitte erforderlich sind. Danach ging es in die Werkstatt, wo mit einem speziell entwickelten Formingverfahren die präzise Verformung der Scheibenschnitte gewährleistet werden konnte. Bereits eine Abweichung von 1/10 mm pro Formteil hätte ein Fehlmaß von 24 mm zur Folge gehabt. Danach war handwerkliches Geschick gefragt: Die Scheibenschnitte mussten paarweise mit insgesamt 240 Lamello Clamex Verbindern zu vier Viertelschalen verleimt zusammengesetzt werden. Die letzten Teile wurden vom Inneren der hohlen Kugel aus durch die Pol-Öffnungen miteinander verbunden, bevor die Mitarbeiter die Pol-Öffnungen mit Rundscheiben verschlossen. Danach ging die komplett montierte Kugel nach Siegsdorf auf Reisen und wurde vor Ort mit einem Hubwagen transportiert und auf einem Metallring im Zentrum der Treppenanlage aufgestellt.

Fazit

Mit der Kugel aus Eichenfurnier erhielt der Empfangsbereich der Brückner Group GmbH in Siegsdorf einen ganz besonderen Blickfang – ein Kunstwerk aus Holz, das zeigt, was Handwerk im modernen Formenbau zu leisten vermag und verdeutlicht damit auch das Potential dieser Bauweise.

Autor

Dipl.-Ing. Thomas Wieckhorst ist Chefredakteur der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

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