Innendämmungen richtig ausführen

Über die Innendämmung von Außenwänden wird viel Schlechtes erzählt, weil man Probleme am Gebäude oder Planungs-, Ausführungs- oder Nutzungsfehler häufig nicht sofort, sondern erst viel später entdeckt. Dabei ist die Innendämmung viel besser als ihr Ruf – vorausgesetzt sie wird richtig ausgeführt.

Seit geraumer Zeit werden große Anstrengungen durch Regelwerke und Gütezeichen unternommen, um die gesamte Prozesskette der Innendämmung sicherer zu machen. Trotzdem gibt es viele Gelegenheiten – insbesondere beim Verarbeiten von Innendämmsystemen – gravierende Fehler zu machen. Doch das muss nicht sein. Diese Fehler können mit einer fachgerechten Ausführung vermieden werden. Dabei ist eine baubegleitende Qualitätskontrolle unerlässlich.

Bauphysikalische und bautechnische Einteilung der Innendämmsysteme 

Innendämmsysteme lassen sich hinsichtlich ihrer Wechselwirkung mit dem Innenklima in drei Gruppen einteilen:

Kondensat verhindernde diffusionsdichte Innendämmsysteme unterbinden durch eine dampfdichte Schicht die mögliche Tauwasserbildung.

Kondensat begrenzende diffusionshemmende Innendämmsysteme begrenzen die Menge des möglichen Tauwasserausfalls auf ein für das System akzeptables Maß.

Kondensat tolerierende diffusionsoffene Innendämmsysteme lassen die freie Wechselwirkung mit dem Innenklima zu, um ein sicheres Abtrocknen zur Innenseite zu ermöglichen.

Jeder der genannten Schutzmechanismen hat seine spezifischen Stärken und Schwächen. Aus der Anwendung bei Fachwerkaußenwänden kennt man im WTA-Merkblatt 8-5 [1] die Einteilung unter technisch-konstruktiven Gesichtspunkten in die Innendämmsystemarten:

plastische Dämmstoffe,

Vorsatzschalen (gemauert oder als Ständerwerk hergestellt) und

plattenartige Dämmstoffe.

Diese bautechnische Einteilung lässt sich auch auf Innendämmsysteme bei anderen Bestandskonstruktionen übertragen [2].

Den Lebenszyklus betrachten – möglichen Schäden vorbeugen

Die Dauerhaftigkeit von innen gedämmten Konstruktionen wird von vielen  Faktoren beeinflusst wie bauphysikalische Parameter (Tauwasserbelastung), Einflüsse von außen (Schlagregenbelastung) oder Einflüsse von innen (Nutzungsklima). Diese hängen eng miteinander zusammen, sie bilden eine Prozesskette und dürfen daher nicht getrennt voneinander betrachtet werden [3]. Aber ein einzelner Faktor kann unter bestimmten Umständen ein K.O.-Kriterium sein, denn „die Kette reißt am schwächsten Glied“: Fehler in einem Prozessschritt können einzeln oder in der Summe die Kette zum Reißen, sprich die Innendämmung zum Versagen bringen.  Schäden hängen bei Innendämmungen überwiegend mit Feuchtigkeit zusammen. Daher ist neben der Einschätzung der Gebäudequalität und der Erfassung der Bestands- und Einbausituation im Rahmen einer Vor-Ort-Begehung und einer Zustandsanalyse grundsätzlich

zu prüfen und sicherzustellen, dass der Schlagregenschutz ausreicht,

die Dämmstoffdicke mit geeigneten praxistauglichen wärme- und feuchtetechnischen Nachweisen zu bemessen, [4] [5]

ein Dämmmaterial zu wählen, dass sich für die konkrete Objektsituation und die jeweiligen Nutzungsanforderungen eignet.

Damit kann in allen Prozessschritten die Fehlerquote reduziert und so durch Prävention der gesamte Lebenszyklus innen gedämmter Gebäude optimiert werden. Wenn alles richtig gemacht wird, ist in der Praxis kaum mit Schäden zu rechnen. Dazu muss eine ausreichende Qualitätssicherung vor Ort gewährleistet werden; dann können mögliche Fehler sofort erkannt und beseitigt werden.

Baubegleitend die Qualität kontrollieren

Zur baubegleitenden Qualitätskontrolle werden Baustellenbegehungen durchgeführt, bei denen exemplarisch und stichprobenartig der jeweilige Ausführungsstand mit meist visuellen und einfachen Messme­thoden festgestellt und die Qualität beurteilt und dokumentiert wird.

Durch eine fachgerechte Verarbeitung muss gewährleistet sein, dass es nicht zu Feuchtigkeitsschäden kommt. Sie unterscheidet sich je nachdem, welches Innendämmsystem eingebaut wird. Deshalb werden die folgenden Ausführungshinweise nach Systemarten differenziert dargestellt.

Plastische Dämmstoffe

Bei plastischen Dämmstoffen ist die Haftung beziehungsweise Ankopplung auf dem Untergrund und die Austrocknung der für die Plastizität notwendigen Wassermenge von großer Bedeutung. Insbesondere bei Dämmstoffen mit hohen Wasseranteilen, wie zum Beispiel Wärmedämmlehm, muss durch geeignetes Heizen und Lüften der innen gedämmten Räume für entsprechende Luftwechsel gesorgt werden.

Plastische Dämmstoffe, bei denen das Wasser chemisch gebunden wird, haben geringere Austrocknungsrisiken. Hier muss jedoch der Haftverbund zum Untergrund vorbereitet werden, zum Beispiel durch Aufbringen von Haftbrücken. Werden Wärmedämmputze verwendet, gelten in der Regel die üblichen Regelwerke zum Verputzen (DIN EN 13 914-2 [6] in Verbindung mit DIN 18 550-2 [7]). Diese sehen bei ungeeigneten Putzuntergründen (verschiedene Mauerwerksarten, Fachwerkwände usw.) eine entsprechende Vorbehandlung vor. Dazu werden in der Regel Putzträger montiert, um den Wärmedämmputz aufzunehmen. Diese muss der Handwerker so befestigen, dass Bewegungen aus der Konstruktion vom Putz möglichst entkoppelt werden können.

Wärmedämmputze können in der Regel einlagig bis maximal 5-6 cm aufgebracht werden; bei höheren Gesamtputzdicken muss mehrlagig gearbeitet werden mit Aufrauen der unteren Putzlagen und ausreichenden Standzeiten zwischen den einzelnen Lagen. Wärmedämmputze werden prinzipiell mit einer vollflächigen Gewebespachtelung versehen und anschließend werden Oberputz und Farbe aufgebracht. Dabei werden ausschließlich systemzugehörige Komponenten eingesetzt.

Typische Fehler beruhen in der Praxis meistens auf einer mangelhaften Putzgrundvorbehandlung wie fehlender oder nicht fachgerecht montierter Putzträger, dem Nichteinhalten von Standzeiten und zulässigen Putzdicken sowie falsch eingelegtem, fehlendem oder nicht ausreichend überlappendem Armierungsgewebe in der Spachtelung.

Vorsatzschalen

Bei Vorsatzschalen als Innendämmung ist insbesondere die Ankopplung der Innendämmung an die vorbereitete Bestandsoberfläche von großer Bedeutung. Das trifft sowohl auf gemauerte als auch auf Trockenbaukonstruktionen zu. Gemauerte Vorsatzschalen können unabhängig von der verwendeten Steinart mit entsprechenden Anlege- und Verfüllmörteln angekoppelt werden.

Beim Einbau von Trockenbaukonstruktionen als Holzrahmenbau mit Einblasdämmung ist das Einblasen von entscheidender Bedeutung für die vollflächige Ankopplung des Dämmstoffs an den Bestandsuntergrund. Die Verteilung der Einblasöffnungen sowie die Parameter des Einblasvorgangs spielen eine große Rolle. Die Einblashomogenität kann zum Beispiel durch die Dämmstoffmenge oder eine Inspektion über Einblasöffnungen kontrolliert werden. Nicht vollständige beziehungsweise inhomogene Verfüllungen führen dazu, dass sich die nicht gedämmten Bereiche abkühlen und somit das Schimmelpilzrisiko dort steigt.

Für Trockenbaukonstruktionen müssen oft Dampfbremsen verwendet werden. Bei diesen, Kondensat begrenzenden diffusionshemmenden Innendämmungen muss man unbedingt auf die luftdichte Verarbeitung der Dampfbremse achten. Andernfalls kann es zu Konvektion und dadurch bedingte Kondensatbildung kommen. Fehler treten oft an der Klebeverbindung der einzelnen Dampfbremsenabschnitte auf. Immer wieder findet man Verklebungen vor, die nicht fachgerecht sind, weil zum Beispiel verschiedene Klebebandqualitäten benutzt wurden. Aber auch Folgegewerke und Nutzer können dafür sorgen, dass die Dampfbremse penetriert wird und dann an diesen Stellen nicht mehr funktionstüchtig ist.

Plattendämmstoffe

Unabhängig von der Art der Plattendämmstoffe muss vor dem Verkleben ein ebener Untergrund geschaffen werden. Gerade bei unregelmäßigem Bestandsmauerwerk muss man daher oft zunächst einen Ausgleichsputz aufbringen, gegebenenfalls sogar in mehreren Lagen mit entsprechenden Zwischenstandzeiten. Andernfalls können diese Dämmstoffe nicht vollständig kapillar an die Bestandsoberfläche angekoppelt werden und das Konvektionsrisiko hinter den Dämmplatten nimmt zu.

Je nach Innendämmsystem werden unterschiedliche Verklebearten vorgeschrieben. In der Praxis hat sich eine Methode analog zum Floating-Buttering-Verfahren beim Verkleben von Fliesenbelägen bewährt, bei der der Kleber sowohl auf dem Untergrund als auch auf der Rückseite der Dämmplatte aufgetragen wird. Damit wird eine vollständige kapillare Ankopplung auf entsprechend ebenem Untergrund geschaffen. Eine Teilverklebung von Dämmstoffen ist besonders gefährlich, weil sie der feuchteren Raumluft ermöglicht, hinter die Dämmung zu gelangen, wo sie abkühlen kann.

Grundsätzlich können bei Plattendämmstoffen als geringfügig eingeschätzte Ausführungsfehler bereits zu hohen Risiken und Nebenwirkungen führen. Typische Fehler sind Versprünge in der Dämmplattenebene, Abscherungen im Eckbereich, die nicht oder fehlerhaft ausgebessert werden, offene Dämmplattenstöße und gerissene Platten sowie eine „Resteverwertung“.

In den offenen Dämmplattenbereichen wird das Risiko einer Wärmebrückenwirkung und durch die damit einhergehende Abkühlung das Schimmelpilzrisiko an diesen Stellen erheblich erhöht. Außerdem können solche Fehlstellen Ursachen für Risse in den Putzschichten sein.

Plattendämmstoffe werden meistens mit einer vollflächigen Armierungsspachtelung verputzt. Dabei ist es wichtig, die systemkonformen Materialien ausreichend dick aufzubringen, damit das System aus Spachtel und Gewebe auf der Platte auch wirken kann.

Bei Kondensat verhindernden diffusionsdichten Innendämmungen muss die Diffusionsdichtheit in der gesamten innen gedämmten Bauteilfläche und den Bauteilanschlüssen gewährleistet sein.

Besondere Vorsicht bei Installationen und Bauteilanschlüssen

Unabhängig vom verwendeten Dämmstoff gibt es oft auch Verarbeitungsprobleme in Verbindung mit Elektroinstallationen wie Steckdosen. Gerade bei geringeren Dämmstoffdicken trifft man häufig auf ungedämmte Steckdosenrückseiten, die außerdem nicht konvektionshemmend in die Innendämmung eingebunden werden. Das Schadensrisiko lässt sich hier minimieren, indem man zum Beispiel spezielle für Innendämmungen entwickelte Steckdoseneinsätze einbaut.

Im Übergang zu den anderen, oft nicht gedämmten Bauteilen, wie zum Beispiel Geschossdecken, Innenwänden und Fensterlaibungen, ist zweierlei wichtig: Erstens müssen die Dämmstoffe konvektionshemmend an die Bauteile angeschlossen werden, eine (lösbare) Herausforderung besonders bei Holzbalkendecken. Zweitens sind gegebenenfalls zusätzliche Flankendämmungen, Temperaturleitbleche oder eine Bauteiltemperierung vorzusehen, um die Oberflächentemperaturen in den Übergangsbereichen Innendämmung/Bauteil zu erhöhen – je nach Bauteil, Innendämmung und konstruktiver Detailsituation.

Fazit

Selbstverständlich gibt es viele Fachunternehmen, die Innendämmsysteme fachgerecht einbauen können. Ohne wesentliche Mängel, mit viel Sachverstand, ganzheitlichem Wissen und Blick über den Tellerrand! Aber leider werden zu viele Mängel und Schäden durch Leichtsinnsfehler verursacht.  Das schürt die Angst vor der Innendämmung immens. Unnötiger Weise, denn: besser innen dämmen ist möglich!

Autor

Dipl.-Ing. (FH) Jürgen Gänßmantel ist Inhaber des Ingenieurbüros Gänßmantel in Landau in der Pfalz, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger, Energieberater Baudenkmal und Vorsitzender des Fachverbandes Innendämmung e.V. (FVID) mit Sitz in Frankfurt am Main.

Literatur

[1] Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e.V. (Hrsg.): WTA-Merkblatt 8-5: Fachwerkinstandsetzung nach WTA V: Innendämmungen. 3. aktualisierte Ausgabe 2018

[2] Fachverband Innendämmung e.V. (Hrsg.): Praxishandbuch Innendämmung, Verlagsgesellschaft Rudolf Müller: Köln, 2016

[3] Hecht, C.; Wegerer, P.; Bednar, T.: Innendämmung im Bestand – von den Anforderungen zur Ausführung. Vortrag zum 45. Bausachverständigen-Tag im Rahmen der Frankfurter Bautage am 24. September 2010, veröffentlicht im Tagungsband S. 29-36

[4] Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e.V. (Hrsg.): WTA-Merkblatt 6-4: Innendämmung nach WTA I: Planungsleitfaden. 2. aktualisierte Ausgabe 2016

[5] DIN 4108-3:2018-10 Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden – Teil 3: Klimabedingter Feuchteschutz, Anforderungen, Berechnungsverfahren und Hinweise für Planung und Ausführung

[6] DIN EN 13914-2:2016-09 Planung, Zubereitung und Ausführung von Außen- und Innenputzen – Teil 2: Innenputze

[7] DIN 18550-2:2018-01 Planung, Zubereitung und Ausführung von Außen- und Innenputzen – Teil 2: Ergänzende Festlegungen zu DIN EN 13914-2:2016-09 für Innenputze

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