Lebendige Mischung Neubau eines Studentenwohnheims in Esslingen in Mischbauweise

Um beim Bau des neuen Studentenwohnheims in Esslingen Zeit zu sparen, entschieden sich die Architekten bei der Fassade für eine Mischkonstruktion aus Trocken- und Massivbauweise. Während die Handwerker die zementgebundenen Trockenbauplatten glatt grau beschichteten, erhielt das WDVS einen groben Zupfputz.

Um den gestiegenen Bedarf nach zeitgemäßem und bezahlbarem Wohnraum für Studenten zu decken, sollte im Rahmen der Umnutzung des zentral in Esslingen gelegenen Hengstenberg-Areals ein Studentenwohnheim mit 170 Plätzen. „Der Zeitplan für den Bau war sehr eng gesteckt. Das liegt bei einem Studentenwohnheim in der Natur der Sache: Wenn das Semester losgeht, wollen die Studenten schließlich untergebracht sein“, sagt der mit der Planung betraute ortsansässige Architekt Thomas Mühleisen. Des weiteren sollte das Gebäude in puncto Energieeffizienz dem KfW-Standard 55 genügen und weil es in unmittelbarer Nähe einer Bahnlinie und einer vielbefahrenen Straße liegt, auch entsprechend schallgeschützt sein. „Nicht zuletzt galt es, städtebaulich und ästhetisch eine Einbindung in die Umgebung dieses alten Industrieareals zu schaffen“, so Architekt Mühleisen.

Außenwände in Trocken- und Massivbauweise 

Die Arbeiten für das rund 6100 m2 BGF umfassende Gebäude begannen im Oktober 2012. In der Winterphase wurde aus Stahlbeton-Fertigteilen und -Halbfertigteilen die Tragkonstruktion des siebenstöckigen Gebäudes errichtet. „Lediglich die Nordwand ist eine komplett tragende Wand“, so der Architekt, „dort sind in den Grundrissen die Nasszellen und Küchenräume untergebracht.“ Die West-, Ost- und Südaußenwände errichteten die Handwerker teilweise in Betonskelettbauweise, das sie anschließend im Trockenbauverfahren ausfachten. Die technische Umsetzung des Trockenbaus hatte die Firma Manfred Schmid GmbH & Co. KG übernommen: „Mit unserer Erfahrung im Trockenbau im Innenbereich kamen wir auch mit dem Komplettsystem für die Außenwand gut zurecht“, erzählt Bauleiter Alexander Presler.

Für die Gestaltung sämtlicher Fassaden wählte der Architekt eine Zweiteilung: „Die Bereiche der tragenden Wände, die in der Nachbarschaft alter Ziegelbauten des Bestandes liegen, wurden mit einem WDVS gedämmt, das dann mit einem groben Zupfputz versehen wurde“, so Thomas Mühleisen. Für die Verarbeitung des WDVS mit einer 180 mm dicken EPS- und Mineralwolledämmung war ebenfalls das Unternehmen Manfred Schmid verantwortlich. Nach dem Kleben und Armierspachteln brachten die Mitarbeiter des Unternehmens den mineralischen Zupfputz aus Noblo Filz 1 auf. Bei der Oberflächengestaltung entschied man sich bewusst für die auffällige, grob gezupfte Struktur. „Wir haben den Putz in einer Stärke von 6 bis 10 mm aufgetragen und dann mit der Glättkelle gezupft“, erklärt Bauleiter Alexander Presler. Dafür verwendeten die Handwerker einen komplett durchgefärbten Putz. „Gegenüber einer nur gestrichenen Fassade hat das den Vorteil, dass Beschädigungen der Oberfläche nicht sofort hell durchscheinen.“ Für den Anstrich der WDVS-Flächen wählte man einen auffällig dunklen Farbton, der nur einen Hellbezugswert von 11 aufweist. Damit keine Beeinträchtigungen oder Schäden an Putz oder Dämmmaterial entstehen, wurde eine Spezialfarbe verwendet, die eine Verringerung der Oberflächentemperatur bewirkt. Um einen spannenden ästhetischen Kontrast zu erreichen, erhielten die Trockenbauwände ebenfalls Noblo Filz 1 als Abschluss, jedoch in gefilzter Oberfläche in einem hellgrauen Farbton.

Arbeitszeit- und Gewichtsreduzierung dank Trockenbau 

Die für die in Trockenbauweise errichteten Außenwand gewählte Aquapanel-Technologie bietet dem Architekten und Bauherrn eine Reihe von Vorteilen: Die Außenwände sind rund ein Drittel schlanker als Mauerwerk, und ermöglichen so bis zu 8 Prozent mehr Innenraum, bei gleichem U-Wert und gleicher Energieeffizienz. Sie sind bis zu 75 Prozent leichter als herkömmliche Massivwände und ebenfalls zu Rundungen formbar – auch vor Ort, ohne Vorbereitungen. Trotz ihrer schlanken Konstruktion sind sie solide und robust und halten mühelos auch der strengsten Witterung stand.

Ein essenzieller Vorteil ist zudem der Faktor Zeit: Die Trocknung während der Bauphase geht deutlich schneller, damit ist der Energieverbrauch zur Gebäudetrocknung geringer. Da die komplette Knauf Außenwand mit Aquapanel-Technologie von einem Gewerk übernommen werden kann und somit weniger Schnittstellen auftreten, reduziert sich auch der Koordinationsaufwand durch die Bauleitung. Und durch die Just-in-Time-Anlieferung der Komplettlösung aus einer Hand vereinfacht sich auch die Baustellenlogistik, da geringere Baumassen für die Fassade transportiert werden müssen und kein schweres Gerät benötigt wird.

Montage mit dem Trockenbausystem 

Das Komplettsystem besteht aus mehreren aufeinander abgestimmten Komponenten: Auf die Metallprofile werden innen Gipsbauplatten geschraubt. Als nächstes folgte die Dämmschicht mit Knauf Insulation Dämmung und Dampfsperre. Von außen werden  die wetterbeständigen, widerstandsfähigen Zementbauplatten Aquapanel Cement Board Outdoor verschraubt und dann die Fugen mit dem systemeigenen Spachtel grau verspachtelt. Dann wird die Oberfläche mit dem zum System gehörenden Klebe- und Armiermörtel – weiß mit Gewebeeinlage vollflächig verspachtelt und anschließend mit dem gefilzten Oberputz Noblo Filz 1 verputzt. Durch die Verwendung dieses Trockenbausystems wurde in Esslingen im Vergleich zur Massivbauweise deutlich Zeit gespart. „Dazu kommt das signifikant geringere Gewicht, das auf diesem Baugrundstück auch eine Rolle spielte“, so Bauleiter Alexander Presler. Dank der schnelleren Fertigstellung der Gebäudehülle konnten vor allem auch die Folgegewerke schneller mit dem Innenausbau beginnen, der in diesem Fall auch die Realisierung der Innenwände mit Knauf Gipsbauplatten umfasste. Auch die Vorhaltezeit des Baugerüsts reduzierte sich so deutlich.

Logistik mit Taschen am Gerüst beschleunigt den Bauablauf 

Zusätzlichen Effizienzgewinn im Bauablauf brachte das Logistiksystem mit den Knauf Imbags und der Sprinterlogistik. Dabei werden die benötigten Bau- und Dämmmaterialien in speziellen, direkt am Gerüst befestigten Taschen für die Handwerker zur Verfügung gestellt: Mit Sprinter-Lieferwagen sorgt Knauf für die Just-in-time-Belieferung mit dem Baumaterial, das per Flaschenzug am Gerüst hochgezogen und direkt am Einsatzort eingehakt wird. Die Vorteile: Die Bauplatten sind so vor Wind und Wetter geschützt und benötigen keinen Lagerplatz am Boden mehr. „Außerdem war es uns wichtig, dass das Material diebstahlgeschützt ist. Dank der Aufhängung außen am Gerüst ist das kein Thema mehr“, so Bauleiter Presler. „Übrigens mussten wir später noch Material nachbestellen, das dann nicht mehr hängend gelagert wurde – und davon sind prompt 30 m2 verschwunden“. Weitere Vorteile der Imbags: Während der Verarbeitung bleibt außerdem der Gerüstbelag frei und eventuell anfallende Reste können in den Taschen gelagert und auf Wunsch, wie in diesem Fall, auch durch den Hersteller entsorgt werden.

Bessere Umweltbilanz 

Auch in puncto Nachhaltigkeit sprechen die Fakten für die Knauf Außenwand im Trockenbau: So weist sie, verglichen mit herkömmlichem Mauerwerk, bei gleichem U-Wert eine um bis zu 25 Prozent geringere Wanddicke auf – Raum, der für zusätzliche Wärmedämmung genutzt werden kann. Sie fasst nur rund 30 Prozent der Baumasse pro Quadratmeter Wand im Vergleich zu Mauerwerk und 25 Prozent im Vergleich zu Beton. Der Bedarf an Primärenergie für die Materialherstellung wird um die Hälfte gesenkt.

Vergleichsberechnungen haben gezeigt, dass der CO2-Ausstoß bei der Materialherstellung um rund 30 Prozent pro Quadratmeter Wand niedriger liegt als bei einer ähnlichen Wand aus Mauerwerk. Aus den Zeit- und Materialeinsparungen leiten sich weitere ökologische Vorteile des Komplettsystems ab: Geringerer Einsatz natürlicher Ressourcen während der Herstellung aufgrund geringerer Baumasse, Wassereinsparungen bei der Verarbeitung und eine einfache Entsorgung am Ende der Nutzungsdauer. Sowohl die komplette Außenwand als auch viele ihrer Einzelkomponenten sind mit Zertifikaten für nachhaltiges Bauen ausgezeichnet worden.

Autor

Dipl.-Ing. Michael Weyers ist in der Anwendungstechnik der Firma Knauf Aquapanel in Dortmund tätig.

Die Außenwände sind rund ein Drittel schlanker als Mauerwerk, und ermöglichen so bis zu 8 Prozent mehr Innenraum

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