Leicht und stabil: Paulownia (Blauglockenbaum) im Innenausbau

Das Holz des Blauglockenbaums (Paulownia) ist besonders leicht und stabil. Das macht den ursprünglich aus Ostasien stammenden Baum vor allem dort interessant, wo ein geringes Gewicht bei gleichzeitiger Belastbarkeit gefragt ist.

Auf der Suche nach einem Holz, das sowohl leicht als auch stabil ist, sind wir auf den Blauglockenbaum (Paulownia) gestoßen. Sein harz- und geruchsloses Holz ist fast so leicht wie Balsaholz, trotz seiner eher weichen Oberfläche aber tragfähig und stabil, was an den langen Holzfasern liegt.

Der ursprünglich aus Ostasien stammende, dort Kiri genannte Baum wächst auch hierzulande. In Deutschland kultivieren zum Beispiel die Treeme Green Wood International AG (www.green-wood-international.com) und die Cathaia International GmbH & Co. KG (www.cathaia.com) Blauglockenbäume auf ökologisch bewirtschafteten Plantagen. Dort wachsen die Bäume mit enormer Geschwindigkeit: Der Blauglockenbaum gilt als der am schnellsten wachsende Baum der Welt. Laut Guinness Book of World Records kann die Paulownia tomentosa im ersten Jahr bis zu 6 m in die Höhe wachsen. In nur zehn Jahren erreicht der Baum eine ausgewachsene Höhe von 15 m. Sein Stamm hat dann einen Durchmesser von 35 bis 45 cm. Der Baum produziert bei der Photosynthese drei- bis viermal mehr Sauerstoff als alle anderen bekannten Baumarten. Alles gute Gründe, den Baum und sein Holz genauer unter die Lupe zu nehmen. 

Leicht, stabil und schwer entflammbar 

Auch die Eigenschaften seines Holzes sind rekordverdächtig: Mit einem Gewicht von nur 200 bis 300 kg/m³ könnte man auch vom Aluminium unter den Hölzern sprechen. Eiche ist mit rund 600 bis 900 kg/m³ mehr als doppelt so schwer und selbst die leichte Fichte bringt es immerhin noch auf etwa 400 bis 500 kg/m³. Zurzeit wird Paulownia zwar überwiegend für den Bau von Booten, Musikinstrumenten und Möbeln eingesetzt, seine Stabilität und Belastbarkeit machen es aber auch für den Innenausbau interessant. Mit einem Flammpunkt von 420 °C gilt das Holz als schwer entflammbar (der Flammpunkt anderer Holzarten liegt um rund 300 °C). Überdies gilt das Holz des Blauglockenbaums auch als natürlicher Dämmstoff und trägt zur Verbesserung der Schalldämmung bei. Obendrein ist es weniger empfindlich gegenüber Feuchtigkeit und damit auch gegenüber Pilzbefall und Fäulnis sowie Schimmel und Insekten als viele andere Holzarten. Es ist äußerst formstabil, verdreht nicht, neigt nicht zum Quellen und hält das Maß auch im verarbeiteten Zustand. Viele Vorzüge, die das Holz des Blauglockenbaums interessant machen.

Anwendung von Paulownia

Gegenwärtig findet das vom Aussehen her an Eiche erinnernde Holz des Blauglockenbaums, der gelegentlich auch als Kaiserbaum bezeichnet wird, unter anderem beim Ausbau von Wohnmobilen Anwendung, drängt sich aber auch für den Bau mobiler Tiny Huses geradezu auf (https://greenhomescout.de). Durch die enorme Gewichteinsparung bleibt eine höhere Reserve für den Einbau von Möbeln und Technik, ohne dass das maximal gesetzlich zugelassene Fahrgewicht von 3,5 Tonnen überschritten wird.

Auch im Möbel- und Innenausbau lässt sich das Holz einsetzen. Typisch ist die 18 mm dicke Leimholzplatte zu einem Preis von rund 30 Euro pro Quadratmeter. Paulowniaholz wird aber auch als Wand- und Deckenverkleidung angeboten und lässt sich wie andere Hölzer auch zu Brettern, Bohlen, Kantholz und Balken verarbeiten (www.paulownia-baumschule.de/holz/paulownia-holz-kaufen). Beim Bau der im Rahmen eines von der EU geförderten Forschungsprojektes als Bachelorarbeit von Julian Weber und Raphael Reichert an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft entstandener „workbox“ – einem aus nachwachsenden Rohstoffen erbauten Minihaus in Meckenheim – verwendete man Paulownia als Bauholz und im Innenausbau für Verkleidungen und Türen, und das Hirnholz sogar als Bodenbelag.

Verarbeitung von Paulownia

Das Holz des Blauglockenbaums lässt sich mit allen möglichen Hand- und Maschinenwerkzeugen sehr gut bearbeiten. Für glatte Flächen und Kanten sind scharfe und schlank geschliffene Werkzeugschneiden erforderlich. Es lässt sich hervorragend sägen, fräsen und bohren. Da das Holz weich ist, sollte man zur Vermeidung von Druckstellen auf spänefreie Gleit- und Arbeitsflächen achten. Das Holz ist messer- und schälbar. Allerdings ist es bruchanfällig. Die Werte für die Zug-, Druck- und Biegefestigkeit liegen etwa bei der Hälfte von denen der Pappel und bei einem Drittel von denen der Buche. Es wird daher im Karatesport als Material für Bruchtestbretter verwendet. Dabei wird eine 10 bis 25 mm dicke Platte mit der Faust oder Handkante durchgeschlagen, was bei anderen Hölzern so kaum möglich wäre. Auf den Zuschnitt einer Paulownia-Leimholzplatte mit der Tauchsäge sollte man daher lieber verzichten. Uns ist beim Zuschnitt ein Stück von der Werkbank auf den harten Werkstattboden gefallen und sofort in zwei Stücke zerbrochen. Man nimmt also besser die Formatsäge.

Wegen der geringen Dichte halten Schrauben und Nägel sehr schlecht im Holz, weshalb man es besser klebt. Dafür lässt sich die Oberfläche des unbehandelten Holzes vergleichsweise gut schleifen. Auf der anderen Seite ist die Oberfläche dadurch anfällig für Kratzer, so dass man sie durch Ölen, Lackieren oder durch eine Lasur veredeln sollte. Damit die helle Farbe des Holzes erhalten bleibt, sollten Klarlacke und Lasuren mit UV-absorbierenden Pigmenten Verwendung finden.

In bauhandwerk stellen wir künftig besondere Holzarten in loser Folge vor. Der nächste Teil beschäftigt sich in bauhandwerk 9.2021 mit der Zirbe.

Autor

Dipl.-Ing. Thomas Wieckhorst ist Chefredakteur der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

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