Liebe Leserinnen, liebe Leser,

viele der um die Jahrhundertwende und bis in die Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erbauten Häuser entsprechen nicht mehr den heutigen Bedürfnissen nach einem zeitgemäßen Wohnen. Die damals erbauten Wohn-, Siedler- und Reihenhäuser sind zu klein, schlecht oder gar nicht gedämmt, haben keine oder zu kleine Balkone, und auch die Größe der Fenster ist vielen Bauherren zu klein. Insbesondere bei einem Generationswechsel der Eigentümer durch Erbschaft oder Verkauf wird das Haus dann mit einer Aufstockung oder einem Anbau erweitert, wodurch sich auch die Wohnqualität verbessert.

Bei einem Gründerzeitwohnhaus im Zentrum von Gütersloh gab es bereits einen alten Anbau auf der Gebäuderückseite. Der bot jedoch nicht die mit einer solchen Wohnhauserweiterung verbundene Verbesserung der Wohnqualität. Zudem war das Bestandsgebäude so gut wie gar nicht gedämmt und den Giebel hatte ein Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg entstellt, was in der Summe den Wert der Immobilie auf den Grundstückspreis reduzierte. Zu eben diesem Preis erwarb die Werkraum 8 GmbH das Haus und steckte dann rund 800 000 Euro in die Fassadenrestaurierung, die energetische Ertüchtigung und den Umbau des Bestands sowie einen hochwertigen Anbau auf der Gebäuderückseite. Ab Seite 16 zeigen wir in dieser Ausgabe der bauhandwerk, wie die Handwerker aus einer vernachlässigten innerstädtischen Immobilie nach Plänen des Büros Spooren Architekten ein modernes Mehrfamilienwohnhaus mit einer Qualität der Oberflächen und Details machten, die ihresgleichen sucht.

Dass es nicht unbedingt ein mehrgeschossiger Anbau sein muss, mit dem sich die Wohnqualität verbessern lässt, beweist Architekt Björn Martenson vom Büro amunt Architekten. In Aachen hatte er bereits vor drei Jahren ein Siedlerhaus aus den 1920er Jahren mit einer an dieser Zeit orientierten kostengünstigen Bauweise erweitert – und zeigte dies auch ganz unverblümt beziehungsweise unverputzt. Wir berichteten seinerzeit in bauhandwerk 10.2012 darüber. Dieses Beispiel, das damals einer der Beiträge im Deutschen Pavillon auf der 13. Architektur-Biennale in Venedig war, ist ebenso unkonventionell wie der aktuelle Umbau und die Erweiterung einer Hälfte eines ebenfalls aus den 1920er Jahren stammenden Doppelhauses in Aachen: Wie ab Seite 24 in diesem Heft zu sehen, stellte der Architekt einen gläsernen Kubus in den Garten, dessen Grundriss von einer Tageslichtkuppel überdacht und bestimmt wird, die eigentlich zur Belichtung von Industriehallen gedacht ist. In Verbindung mit größeren Fenstern und einem umfangreichen Umbau im Dachgeschoss kommt so weitaus mehr Tageslicht und damit auch Wohnqualität ins Haus.

Viel Erfolg bei der Arbeit wünscht Ihnen

Insbesondere bei einem Generationswechsel der Eigentümer durch Erbschaft oder Verkauf wird ein Wohnhaus erweitert

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