Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Gebäude stehen als Baudenkmale auch deshalb unter Schutz, weil sie uns als Dokument der Architektur- und Zeitgeschichte etwas über die Menschen erzählen, die diese Bauten in Auftrag gegeben, entworfen und gebaut haben. So legt die Ostfassade des Mitte des 16. Jahrhunderts in Lemgo erbauten Hexenbürgermeisterhauses mit ihrem figürlichen Fassadenschmuck Zeugnis ab von der tief im christlichen Glauben verwurzelten Überzeugung seiner Auftraggeber, der im wahrsten Sinne des Wortes damals steinreichen Kaufmannsfamilie Kruwel (auch Crüwell). So wollte man den Menschen zur Zeit der Renaissance, die des Lesens überwiegend unkundig waren, bildhaft zeigen, wie ein tugendhaftes Leben auszusehen hat. 2013 begannen die Mitarbeiter der Firma Kramp & Kramp im Zuge der Restaurierungsarbeiten damit diesen Fassadenschmuck farbig neu zu gestalten. Wie ab Seite 16 in dieser Ausgabe der bauhandwerk zu sehen, statteten sie außerdem die Öffnungen dieser Fassade mit neuen Festverglasungen aus, die sowohl dem historischen Vorbild als auch den energetischen und sicherheitstechnischen Anforderungen der Museumsnutzung Rechnung tragen, und restaurierten natürlich auch die Zierelemente aus Buntsandstein und die Putzflächen. Für letztere trugen sie einen Trassvorspritz auf, um dem nachfolgenden Kalkputz die Möglichkeit zu geben, sich richtig auf der Bruchsteinoberfläche zu „verkrallen“.

Trass- und Trasskalk-Mörtel ist auch das Material, das die Maurer bei zwei bedeutenden Ziegelneubauten einsetzten, die ebenfalls als Museum genutzt werden: dem Berliner Schloss nach Plänen des Architekten Franko Stella, das wir ab Seite 10 in diesem Heft vorstellen und dem Erweiterungsbau des Museums Unterlinden in Colmar nach Plänen des Architekturbüros Herzog & de Meuron, das ab Seite 6 in diesem Heft zu sehen ist.

Ein Putz, der ebenfalls auf Kalk basiert, ist das ursprünglich aus Marokko stammende Tadelakt: ein wasserfester hochverdichteter Kalkputz, aus dem man sogar die Endbeschichtung für Waschbecken und Badewannen herstellen kann. Diese Technik, die wir von der Redaktion der bauhandwerk bei der Firma Kreidezeit in Sehlem selbst ausprobiert haben, möchten wir Ihnen ab Seite 48 näher bringen.

 

Viel Erfolg bei der Arbeit wünscht Ihnen

Baudenkmale erzählen uns auch etwas über die Menschen, die diese Bauten in Auftrag gegeben, entworfen und gebaut haben

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