Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Anfang März sind wir auf Einladung der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen nach Arnsberg gefahren, um uns mit eigenen Augen vom Stand der Arbeiten im Ostflügel des Klosters Wedinghausen zu überzeugen. Der Ostflügel ist sowohl der letzte als auch der älteste Teil der Anlage, der nun in Angriff genommen wird. Umso gespannter waren wir darauf, was Archäologen und Bauforscher dort gefunden hatten und natürlich auch auf das, was aus diesem Teil des Klosters werden soll. Im Gegensatz zum Westflügel, der seit 2004 Stadt- und Landständearchiv ist, wird aus dem Ostflügel wieder ein Kloster werden: Nach Plänen des Büros soan architekten sollen im kommenden Jahr dort nämlich die Laienmönche und Laiennonnen der katholischen Glaubensgemeinschaft Shalom einziehen. Und was uns die LWL-Experten Anfang März vor Ort an Entdeckungen präsentierten, zeigen wir Ihnen ab Seite 8 in dieser Ausgabe der bauhandwerk.

Da der Weg für uns in den hohen Norden doch recht weit ist, hat unsere freie Mit­arbeiterin Nina Greve als ortskundige Lübeckerin für uns gleich zwei Gebäude in der alten Hansestadt besucht. Die gotische St. Petrikirche, die liturgisch zwar nicht mehr als Kirche dient, mit ihrem Turm allerdings zu den sieben markanten Türmen der Stadt gehört. Wie ab Seite 29 in diesem Heft zu sehen, sind es beim Kirchturm vor allem die Fugen im Backsteinmauerwerk, die der besonderen Aufmerksamkeit der Handwerker bedurften, mussten sie doch mit Hochbrandgips verfugt werden, was alles andere als übliche Praxis ist. Weil das Aufeinandertreffen von Gips, Zement und Wasser problematisch ist und weil sich Gipsmörtel ganz anders als Zementmörtel verarbeiten lässt, muss man als Handwerker die Verarbeitung erst einmal an einer Probewand üben. Gips ist nämlich weitaus pastöser und lässt sich daher viel schwergängiger auftragen.

Zudem besuchte Nina Greve für uns ein Hallenhaus in der Fleischhauerstraße, dessen Bausubstanz im Wesentlichen aus dem 15. und 16. Jahrhundert stammt. Wie ab Seite 12 in diesem Heft zu sehen, bedurfte auch hier das Backsteinmauerwerk einer aufwendigen Restaurierung, auch Holzbalkendecken, Fenster und weitere Bauteile mussten saniert werden. Nach Umnutzung zu einem kulturellen Veranstaltungsort hat sich das Gebäude bei den Lübeckern als „Das Dielenhaus“ einen Namen gemacht.

Viel Erfolg bei der Arbeit wünscht

Umnutzung kann auch bedeuten, dass ein Gebäude seine ursprüngliche Funktion zurückerhält

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