Liebe Leserinnen, liebe Leser,

kaum eine Kunst- und Architekturschule hat international eine solche Bedeutung erlangt wie das vor 100 Jahren in Weimar gegründete Bauhaus. Gründer und erster Direktor war Walter Gropius, der von Anfang an eine Rückbesinnung auf das Handwerk verfolgte: „Bilden wir also eine neue Zunft der Handwerker ohne die klassentrennende Anmaßung, die eine hochmütige Mauer zwischen Handwerkern und Künstlern errichten wollte!“, schreibt Walter Gropius.

Zunächst ging es darum, Gegenstände und Räume für den Alltag zu gestalten. Das erste und einzige in Weimar unter Bauhaus-Regie entstandene Gebäude ist das „Haus am Horn“ nach Plänen des Bauhaus-Meisters Georg Muche. Die jüngst am Gebäude abgeschlossene Fassadensanierung stellen wir ab Seite 22 in dieser Ausgabe der bauhandwerk vor.

1925 zog das Bauhaus nach Dessau um und fand dort ideale Voraussetzungen für die bauliche Umsetzung seiner Ideen. Schon ein Jahr später war das von Walter Gropius entworfene Bauhaus in Dessau als Hochschulgebäude fertig. Dazu gehört auch das hohe Ateliergebäude mit seinen markanten Balkonen. Während ich dies schreibe, sitze ich in einem der Zimmer dieses Ateliergebäudes, denn ich bin anlässlich der Wiedereröffnung des Meisterhauses Kandinsky/Klee Mitte April nach Dessau gefahren – und natürlich auch um im Selbstversuch zu erfahren, wie die Bauhäusler in ihrem Ateliergebäude geschlafen haben. Und wie soll ich es sagen: Es ist alles ganz schön karg, wobei die Betonung auf schön liegt, wenn man ein funktionales, auf das Wesentliche reduziertes Design mag.

Weitere Bauhausbauten in Dessau, die seit 1996 zum UNESCO Welterbe gehören, wurden jüngst zum 100jährigen Jubiläum des Bauhauses saniert, restauriert und mit einem einheitlichen Präsentationskonzept ausgestattet. Darunter auch das von Walter Gropius entworfene Meisterhaus Kandinsky/Klee. Was die Restauratoren und Handwerker an der Bauhaus-Ikone nach Planung des Büros Brenne Architekten zu schaffen hatten, lesen Sie ab Seite 16 in diesem Heft.

Viel Erfolg bei der Arbeit wünscht

„Bilden wir also eine neue Zunft der Handwerker ohne die klassen­trennende Anmaßung, die eine hochmütige Mauer zwischen Handwerkern und Künstlern errichten wollte!“