Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege in Baden-Württemberg und Bremen verliehen

Preis für Handwerk in der Denkmalpflege

Der Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege ist eine Institution. Jedes Jahr wird er in zwei Bundesländern verliehen. Im vergangenen Jahr waren im November Baden-Württemberg und Bremen an der Reihe. Die Bauherren erhalten je Bundesland insgesamt 15 000 Euro; die Handwerker werden mit einer Urkunde bedacht.

Der im Bauhandwerk sehr angesehene Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege ist ein von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) in Kooperation mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) gestifteter Preis. Alljährlich wird er in jeweils zwei Bundesländern an private Eigentümer verliehen, die bei der Bewahrung ihres Denkmals in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Handwerk Herausragendes geleistet haben. Im vergangenen Jahr waren die Bundesländer Baden-Württemberg und Bremen an der Reihe.

Am 8. November fand die Preisverleihung in Baden-Württemberg statt. Fünf Denkmaleigentümer und 21 Handwerker wurden dort ausgezeichnet. Auf der Preisverleihung in Bremen wurden am 15. November vier Denkmaleigentümer und 20 Handwerke geehrt. Die an den Restaurierungsarbeiten beteiligten Handwerksbetriebe erhielten Ehrenurkunden, für die privaten Denkmaleigentümer gab es pro Bundesland jeweils 15 000 Euro Preisgeld. 


1. Preis in Baden-Württemberg: Stadthaus in Überlingen

Ein erster Preis in Baden-Württemberg geht an Dieter Schmeh, der 2005 mit dem Stadthaus am Münsterplatz 3 in Überlingen ein lang vernachlässigtes und leerstehendes Gebäude übernahm, um es als Wohn- und Geschäftshaus wiederherzustellen. Mit Hilfe qualifizierter und engagierter Handwerksbetriebe und mit der notwendigen Behutsamkeit für ein Denkmal, das im Kern bis ins 14. Jahrhundert zurückgeht, wurde die Statik geschickt ertüchtigt und eine Vielzahl historischer Details herausgearbeitet und wieder sichtbar gemacht.

 

1. Preis in Baden-Württemberg: Dreiflügelanlage

Ein weiterer erster Preis ging für die ursprünglich dreiflügelige Anlage an der Seestraße in Langenargen an Josef Müller, der das barocke Hauptgebäude von 1730 in ein Wohn- und Geschäftshaus umbaute. Bei der gründlichen Sanierung des Denkmals 2005 legte der neue Eigentümer großen Wert auf Qualität, Material- und Denkmalgerechtigkeit. In guter und vertrauensvoller Zusammenarbeit von Eigentümer, Architekt und qualifiziertem Handwerk wandelte sich das Denkmal unter Beibehaltung der historischen Gebäudestruktur mit großer Sensibilität zu einem modern nutzbaren Geschäftshaus.

 

3. Preis in Baden-Württemberg: Getreidesilo in Geislingen

Ein dritter Preis ging an die Alb-Elektrizitätswerk Geislingen e.G. für die Umnutzung eines 1921 in Geislingen an der Steige erbauten Getreidesilos. Wie in bauhandwerk 1-2/2011 ausführlich berichtet, wurde das Silo bis 1989 noch genutzt und nach 20 Jahren Leerstand als Industriedenkmal 2009 in einen Büroturm umgebaut. In hoher handwerklicher Qualität und mit mutigen Lösungen wurde das schwer umnutzbare Denkmal unter größtmöglicher Erhaltung der Originalsubstanz (zum Beispiel eines hölzernes Getreidetrichters) saniert und mit moderner Technik als Niedrigenergiehaus instand gesetzt.

 

3. Preis in Baden-Württemberg: Morlokhof in Baiersbronn

Einen weiteren dritten Preis gab es für die Bareiss Besitz GmbH für den nach seinem letzten Besitzer benannte Morlokhof in Baiersbronn-Mitteltal. Mit zahlreichen Nebengebäuden um 1789 erbaut zählt er zu den ältesten Bauernhöfen im Nordschwarzwald. Hermann Bareiss ließ den Hof nach dem Kauf 2004 nach umfangreichen Voruntersuchungen schrittweise zu einem außergewöhnlichen Ort der ländlichen Kultur und der Gastronomie umbauen. In der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der engagierten Architektin und mit in der Denkmalpflege erfahrenen Handwerkern wurde das für die Region bedeutende Denkmalensemble in vorbildlicher Weise wiederhergestellt und erlebbar gemacht.

 

Sonderpreis in Baden-Württemberg: Villa Zundel

Das Ensemble „Ob dem Himmelreich“ umfasst einen Gutshof, die Villa „Sonnhalde“ und die von dem Maler Georg Friedrich Zundel 1921 errichtete Villa „Zundel“ mit Ateliergebäude. Für die kontinuierliche und unprätentiöse Pflege dieses für die Geschichte Württembergs bedeutenden Anwesens wurde die Familie Zundel mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. 

 

1. Preis in Bremen: Galerieholländerwindmühle

In Bremen ging ein erster Preis an Werner Möller für eine Galerieholländerwindmühle von 1803 in Bremen-Arbergen, die seit Generationen in Familienbesitz ist. Seit ihrer Außerbetriebstellung 1968 fühlten sich die Eigentümer dem Erhalt des technischen Denkmals verpflichtet. Nunmehr ist in Kooperation mit dem Förderverein Arberger Mühle e.V. und der Bremer Heimstätten-Stiftung eine Lösung für eine denkmalverträgliche Nutzung und öffentliche Zugänglichkeit gefunden, die vorbildlich ist. In gemeinsamer Anstrengung von Eigentümer, Pächter, Handwerkern, Verein und Denkmalpflege konnte die Mühle seit 2007 mit handwerklich hervorragenden Einzellösungen grundlegend instand gesetzt werden und ist damit auch für die nächste Generation gesichert.

 

2. Preis in Bremen: Gartenstadthaus von Fritz Schumacher

Eines der wenigen ausgeführten Gebäude der von Fritz Schumacher 1906 geplanten Gartenstadtsiedlung in der heutigen Richard-Dehmel-Straße in Bremen-Schwachhausen hat mit den neuen Eigentümern, dem Ehepaar Melanie und Matthias Wobbe, eine Zukunft bekommen. Belohnt wurde dies in Bremen mit einem zweiten Preis. Denn mit großer Sensibilität hat das Ehepaar die künstlerischen Besonderheiten und Details des Hauses recherchiert und wiederentdeckt. In enger Abstimmung mit der Denkmalpflege haben die Eigentümer gute und denkmalverträgliche Lösungen für ihre Nutzungsideen gefunden und dabei das Gebäude auch intelligent energetisch instand gesetzt.

 

2. Preis in Bremen: Historisches Haus im Schnoor-Viertel

Ein weiterer zweiter Preis ging für die Sanierung eines 1780 erbauten Hauses im historischen Schnoor-Viertel an Ulla Norbäck und Carl Johann Öholm. Trotz mehrfacher An- und Umbauten sowie der Umgestaltung der Fassade gehört es zu den wertvollsten Gebäuden des Straßenzugs. Die neuen Eigentümer haben den Wert des Baus erkannt und seine historische Nutzung als Geschäfts- und Wohnhaus wiederbelebt. Mit der behutsamen Wiederherstellung mit gelungenen Detaillösungen sowie hoher handwerklicher und planerischer Qualität wurde nicht nur ein wichtiges Denkmal erhalten, sondern erhielt auch das historische Viertel einen entscheidenden Impuls für seine Revitalisierung.

 

3. Preis in Bremen: Reihenhaus von 1868

Der dritte Preis ging für das Haus Nummer 9 in der Mathildenstraße in Bremen an Silvia Machura und Timo Götz. Ihr 1868 erbautes Haus ist eines der typischen Altbremer Reihenhäuser, wie sie die Viertel des 19. Jahrhunderts bis heute prägen. Den ursprünglichen Charakter des Hauses haben die neuen Eigentümer in vorbildlicher Weise wiederhergestellt. Die handwerklich qualitätvolle Instandsetzung und denkmalgerechte Materialauswahl für Fassade, Treppenvorbau, Treppe und Zuwegung in enger Absparche mit der Denkmalpflege hat Vorbildcharakter.

 

Sonderpreise in Bremen:
Villa Waldwiese und „Der Schütting“ 

Sonderpreise gingen in Bremen für die Sanierung der Villa Waldwiese an die Bau- und Möbeltischlerei Lothar Schmiede und für das Gebäude „Der Schütting“ am Bremer Markt an den Malermeister Hans Horr und an die Zimmerei und Holzbau Hocke.

Preisträger

Hier finden Sie eine Liste der beim Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege in Baden-Württemberg und Bremen ausgezeichnenten Handwerker, Architekten und Bauherren.

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