Putzfassaden des neuen Chemiepraktikums Aachen nach historischem Vorbild

Ende März fand die offizielle Übergabe des neuen Chemiepraktikums an die Fachgruppe Chemie der RWTH Aachen statt. Das Kölner Büro kister scheithauer gross architekten und stadtplaner (ksg) entwarf die neuen Laborflächen im Auftrag des BLB NRW. Die im Sommer 2012 begonnenen Bauarbeiten kosteten insgesamt 12,5 Millionen Euro. Seit April experimentieren hier rund 160 Studierende. „Das Gebäude ist nur auf den ersten Blick ein Solitär“, sagt Architekt Johannes Kister. „In seiner polygonen Form reagiert es präzise auf die städtebauliche Situation und führt das bis in die Detailgestaltung der Materialität und Farbe der Fassade fort. Vom Stadtraum plastisch angeschnitten zeigt die Putzfassade eine Struktur und bündige Lochfenster in großen Metallrahmen im Gegensatz zu der Seitenfassade“. Die Differenzierung der Gebäudeseiten gelingt durch die unterschiedliche Oberflächenbearbeitung des 6 mm dicken Putzes auf dem WDV-System. „Der Architekt hat uns ein Foto von einer historischen Putzfassade zur Verfügung gestellt, das zeigte, wie er sich die Oberflächenbearbeitung vorstellte“, sagt Projektleiter Rico Pietsch von der mit den Putzarbeiten beauftragten R+S Raum und Schrift GmbH aus Chemnitz. Vor 150 oder 200 Jahren hatte man natürlich andere Baustoffe und Handwerkstechniken zur Verfügung als heute im genormten Bauen. Bei der R+S Raum und Schrift GmbH musste man sich also etwas einfallen lassen. „Erstmal haben wir eine Holzlehre gebaut, damit wir die Struktur im Winkel von etwa 45 Grad aufbringen können. Dann haben wir die gewünschten Rillen mit Holzstückchen und Fugenkellen in den noch frischen mineralischen Oberputz hineingedrückt beziehungsweise hineingekratzt“, erzählt Rico Pietsch. Das bei 14 Mitarbeitern auf der Baustelle auch 14 unterschiedliche „Putz-Handschriften“ entstehen, versteht sich von selbst und sorgt für die besondere Lebendigkeit der Putzoberfläche. Andere Teilflächen führten die Handwerker wiederum klassisch als Kratzputz aus.

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