Reinigungskonzept für historische Brunnen Reinigung und Reparatur der Brunnenanlage im Nymphenburger Schlosspark

Bei Naturgewässern sind Algenbefall und Kalkablagerungen an Brunnenanlagen sowie Parkskulpturen aus Marmor unvermeidlich. Sie müssen regelmäßig entfernt werden, um die historische Bausubstanz nicht zu gefährden. Als schonend und effektiv erweist sich hierbei der Einsatz von Hochdruck- und Dampfreinigern.

Sie zählt zu den Höhepunkten des Besuchs im Nymphenburger Schlosspark: die Große Kaskade. Das mehrstufige Wasserspiel geht auf einen Plan von Joseph Effner zurück und ist Teil des vom französischen Gartenarchitekten Dominique Girard konzipierten barocken Hofgartens in München. Anfang des 19. Jahrhunderts gestaltete Friedrich Ludwig von Sckell ihn in eine natürlich wirkende Landschaft um; behielt dabei jedoch einige Elemente des barocken Parkteils bei. Auch die Große Kaskade besteht als zentrale Brunnenanlage des Parks weiter. Die zwei 1800 und 1400 m2 großen Becken sind über zwei Kaskaden mit einem dazwischen liegenden kleineren ovalen Bassin verbunden und werden durch die Würm mit Wasser versorgt. Der Brunnen wird von acht Skulpturen eingerahmt. Die zwei Liegefiguren im Zentrum stellen den Flussgott der Donau und die Quellnymphe Isar dar. Roter und grauer Marmor akzentuiert die senkrechten Flächen des wasserbautechnischen Denkmals, das mit Tuffstein eingefasst ist. Die werterhaltende Instandsetzung der verschiedenen Gesteinsarten erforderte einen besonders sensiblen Umgang mit der vorhandenen Bausubstanz.

Heißes Wasser und hoher Druck

Um dieses kulturelle Erbe zu bewahren und zugleich ein zeit- und kostensparendes Reinigungskonzept für die Zukunft zu entwickeln, stellte der Reinigungsgerätehersteller Kärcher in Zusammenarbeit mit Denkmalschützern Maschinen und Personal für bestandsschonende Reinigungsarbeiten zur Verfügung. Neben der denkmalgerechten Aufbereitung der zentralen Liegefiguren wurden auch die Tuffsteinplatten sowie die senkrechten Marmorwände von ihren Verschmutzungen befreit und so die historische Farbgebung wieder sichtbar. Sowohl die Wände als auch die einzelnen Details der Figuren galt es oberflächenschonend zu behandeln. Zum Entfernen der teils tiefsitzenden Schmutzschichten kamen Heißwasser-Hochdruckreiniger von Kärcher (HDS 8/18-4 C) zum Einsatz. Sie beseitigten zunächst mit heißem Wasser und Hochdruck groben Schmutz und in einem zweiten Schritt mit Dampf tiefsitzende Ablagerungen in den Poren des Gesteins. Diese Methode eignet sich sowohl zur Reinigung von großen Flächen als auch von filigranen Elementen, da sich die Geräte hinsichtlich Druck, Temperatur und Wassermenge genau an die Anforderungen des Reinigungsprojektes anpassen lassen. Um die restauratorisch fachgerechte Anwendung zu gewährleisten, wurden die Verfahren vorab an den unterschiedlichen Gesteinsarten des Brunnens getestet.

Bunter Marmor zum Leuchten gebracht

Die hellen Kalksteineinfassung und die roten Marmorflächen wurden bisher regelmäßig mit Kaltwasserhochdruckreinigern gesäubert und anschließend gewachst und poliert – die glatte Wachsschicht sollte das schnelle Anhaften von Algen und Schmutz verhindern. Auf den seitlichen, offenen Flächen, die nicht vom Wasser überflossen werden, bildeten sich aufgrund der Sonneneinwirkung und in Verbindung mit dem Wachs immer wieder weißliche Wolken auf dem Marmor. Das Säubern mit kaltem Wasser war sehr zeitaufwendig und nur mit hohem Druck möglich und erzielte darüber hinaus ein unzureichendes Ergebnis. Außerdem bestand bei hohem Druck die Gefahr, dass die historische Bausubstanz beschädigt wurde. Ein neues, effektives Reinigungskonzept war daher gefragt.

Die Projektverantwortlichen entschieden sich für den beheizten Hochdruckreiniger, der – ganz ohne den Einsatz von chemischen Reinigungsmitteln – grobe Verschmutzungen entfernte: Druck und Temperatur wurden so eingestellt, dass sie eine schonende und zugleich gründliche Reinigung an den jeweiligen Gesteinsarten gewährleisteten. Rund vier Mal musste die Fläche im wasserführenden Bereich mit dem heißen Wasserstrahl bearbeitet werden. Im zweiten Schritt setzte das Team die Dampfstufe ein. So konnten die verbliebenen Wachsschichten entfernt werden. Die natürliche Gesteinsoberfläche trat wieder zutage und erschien in ihrer ursprünglichen Farbgebung. Zur nachhaltigen Bewahrung des Reinigungserfolgs war eine erneute Nachbehandlung des Marmors in den wasserführenden Bereichen notwendig, um ein direktes Anhaften von Algen und Schmutz zu vermindern. Als Alternative zum Wachsen und Polieren entschied man sich, Probeflächen anzulegen, bei denen eine neue Methode Anwendung fand: Mit unterschiedlich feinkörnigen Diamantpads wurden die Steinoberflächen verdichtet, um dem Entstehen von Versinterungen entgegen zu wirken. Dies geschah in vier Arbeitsschritten, bei denen zunächst grobe, dann immer feinstrukturiertere Pads eingesetzt wurden. Je glatter der Marmor ist, desto weniger Schmutz kann haften bleiben. Die Probefläche wurde mit einer kompakten Handscheuermaschine (BD 17/5 C) angelegt.

„Donau“ und „Isar“ erstrahlen wieder in alter Schönheit und Würde

Die Reinigung der Marmorskulpturen „Donau“ und „Isar“ auf der ersten Kaskade stellte eine besondere Herausforderung dar: Der Schutz der Oberfläche der Figuren stand im Vordergrund. Außerdem durften auch ausgebesserte Stellen nicht gefährdet werden. Gereinigt wurde daher ausschließlich mit Wasser, um die Skulpturen zu schonen.

Das Team in München arbeitete hierbei auch mit Heißwasser-Hochdruckgeräten aus dem Kompaktbereich. Die oberen Schmutzkrusten wurden zunächst mit heißem Wasser, geringer Wassermenge und einem Abstand von mindestens 30 bis 40 cm abgelöst. Das Hochdruckdampfstrahl-Gerät war hierbei auf volle Heizleistung eingestellt. Im System herrschen so Temperaturen von rund 145 °C. Der Wasserstrahl, der letztlich an der Düse heraustritt, ist etwa 100 °C heiß. Um einen sehr geringen Aufpralldruck zu erzeugen, reinigten die Experten hier mit einer 40 Grad-Düse. Sie ist besonders geeignet für empfindliche Oberflächen. Die Wassermenge wurde direkt am Gerät auf 400 Liter in der Stunde reduziert. Mit der Kombination aus Wassertemperatur, breitem Spritzwinkel und geringem Druck durchweichte die Schmutzschicht langsam, quoll auf und fiel nach und nach ab. An besonders empfindlichen Stellen und feingliedrigen Elementen wie Nase und Fingern der Figuren kam ein Kärcher Dampfreiniger (DE 4002) zum Einsatz. Das handliche Gerät erzeugt mit insgesamt 4,6 Litern Wasser im Dampfkessel und Reservetank rund 6000 Liter Wasserdampf, mit dem bis zu fünf Stunden ununterbrochen gearbeitet werden kann. Da sowohl die Menge als auch die Feuchtigkeit des Dampfes stufenlos reguliert werden können, ist eine Anpassung an die jeweilige Verschmutzung problemlos möglich. Der sehr lange Dampfschlauch gestattet einfaches Arbeiten auch über Kopf, ohne das Gerät anheben zu müssen. Mit dieser Kombination aus beheiztem Hochdruck- und Dampfreiniger ließ sich die bereichsweise sehr raue Struktur der Marmorfiguren schonend und zugleich effektiv von Verschmutzungen befreien. Kleine Risse und die grobe, kristalline Oberfläche, die nach der Reinigung zu erkennen waren, dichtete das Restaurierungsteam ab. Damit wird der Wiederanschmutzung vorgebeugt.

Humusbildung an der Tuffsteineinfassung

Eingefasst ist der Brunnen mit Tuffstein. Seine offenporige Struktur macht den Stein unempfindlicher gegen Frost. Zugleich ist er aber besonders anfällig für Humusbildung. Wachsen Pflanzen mit ausgeprägten Wurzeln, können diese zu Abplatzungen führen. Moos, Unkraut und Humus ließen sich mit 80 °C heißem Wasser sowie einem Druck von 120 Bar aus der Struktur des Steins lösen. In einem zweiten Schritt war die Dampfstufe notwendig, um tiefsitzende Ablagerungen in den Poren zu beseitigen und den Wiederbewuchs zu vermindern. Alle losen Bestandteile wurden dabei abgetragen. Dieser Arbeitsschritt bereitet die nachfolgende Schlämmung mit einem Kalkgemisch vor, die kleine Risse im Gestein schließt.

Durch die enge Zusammenarbeit der beteiligten Projektverantwortlichen mit dem Reinigungsgerätehersteller wurde ein Reinigungskonzept entwickelt, das sich zukünftig sowohl an der Großen Kaskade in Nymphenburg einsetzen als auch für andere, vergleichbare Anlagen adaptieren lässt.

Autorin

Mareike Quassowski ist Mitinhaberin der Presseagentur Kommunikation2B. Sie lebt und arbeitet in Dortmund.

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