Schwungvoll und klar: Kostengünstiger Bau eines Mehrfamilienhauses in Berlin

Matthias Gorenflos baute in Berlin ein geschwungenes Mehrfamilienhaus für einen gehobenen Wohnanspruch für nur 1359 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Wir zeigen, wie das geht und worauf vor allem die Maurer bei den runden Fensterstürzen und Fensteröffnungen der Ziegelschale achten mussten.

Eigentlich sieht das Mehrfamilienhaus, das der Berliner Architekt Matthias Gorenflos am Majakowskiring in Berlin-Niederschönhausen für sieben Familien entworfen hat, so aus, als wären es zwei Gebäude. Das liegt daran, dass auf dem verklinkerten Erdgeschoss wie auf einem Sockel auf der einen Seite zwei und auf der anderen drei verputzte Geschosse sitzen. Diese nehmen die Kurve der vorbeiführenden Straße auf, die gespiegelt zu Grundrissen in Form von Lindenblättern führt. „Zwei Gebäude, weil eines zu groß geworden wäre im Vergleich zur benachbarten Villenbebauung“, meint Matthias Gorenflos. Zudem musste das vordere der beiden Gebäude wegen einer Auflage der Denkmalpflege niedriger sein. „Wir wollten insgesamt ein Haus mit klarer Linie, ohne Balkone, Erker usw. Trotzdem sollte jede Wohnung eine Freifläche haben“, kommentiert Architekt Gorenflos seinen Entwurf. 

Wie man die Baukosten niedrig hält

Dafür, dass das Mehrfamilienhaus mit 1359 Euro
je m2 Wohnfläche vergleichsweise kostengünstig erbaut werden konnte, sorgte ein stringent geführter Planungs- und Bauprozess, der auf der langjährigen Erfahrung des Architekten im Wohnungsbau und der guten Zusammenarbeit mit den Handwerkern beruht. Es ist die sehr einfach gehaltene Konstruktion des Hauses auf der einen und die frühzeitige Einbindung der Handwerker in den Planungsprozess auf der anderen Seite, die Kosten sparen hilft.„Es gibt viele Punkte, bei denen wir die Erfahrung der Handwerker gerne einsetzen und ihre Hinweise aufnehmen. Bei Rohbaudetails frage ich zum Beispiel den Statiker und dann den Maurermeister, was er davon hält. Zudem arbeiten wir häufig mit den gleichen Betrieben zusammen – mit manchen schon seit 15 Jahren“, sagt Matthias Gorenflos.

Es handelt sich im Grunde genommen also um ein schlicht und einfach geplantes und gebautes Haus, in dem die fast 3 m hohen Räume jedoch mit allerlei gestalterischen Höhepunkten wie einem Kamin im Wohnzimmer, 2,5 m hohen Türen, schicken Bädern und Küchen sowie einem Garten oder einer Terrasse je Wohnung überraschen – Wohnungen also für einen durchaus gehobenen Anspruch.  „Es gibt bestimmte Punkte, wo wir Geld ausgegeben haben, zum Beispiel bei den Türen – aber immer mit Maß“, gibt Architekt Gorenflos zu. Die 2,5 m hohen Türen kann man aber im Gegensatz zu ihren nur wenige Zentimeter höheren, jedoch viel teureren Verwandten, noch an zwei Bändern mit putzbündiger Blockzarge montieren. „Das erzeugt schon eine hochwertige Qualität, ohne dass es gleich die Kosten in die Höhe treibt“, meint Matthias Gorenflos. Und auch bei der ovalen Öffnung im Flachdach über den ebenfalls ovalen Treppenhäusern ist dem Architekten ein gestalterischer Kunstgriff gelungen, der mit einfachen Mitteln die Kosten im Rahmen hält. Statt einer ovalen Sonderanfertigung sitzt über der ovalen Öffnung im Flachdach eine konventionelle rechteckige Lichtkuppel. Damit man das von unten nicht erkennt, verlängerten die Handwerker die Laibung des Deckenovals mit Gipskartonplatten in die Lichtkuppel hinein. Außerdem wurde wegen der in Berlin aufwendigen Wasserhaltung auf einen Keller verzichtet, was sich ebenfalls positiv auf die Baukosten auswirkte.

Runde Ziegelstürze mauern

„Rund zu Bauen ist immer schwieriger. Aber diese Schwierigkeit so zu konzipieren, dass man sie vernünftig bewältigen kann, das ist eine sehr spannende
Sache“, meint Matthias Gorenflos. Mit fähigen Handwerkern ist ihm dies gelungen. An der runden Ziegelschale bewies vor allem der Maurer sein handwerkliches Können und Geschick. Er mauerte die gebogenen Fensterstürze aus Wurfziegeln (Old Brucks). „Das können nur wenige Maurer“, lobt Matthias Groenflos das handwerkliche Geschick des Maurermeisters. „Im Werk ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man Ziegel aus einer anderen Charge bekommt, oder die Radien nicht exakt stimmen“, so der Architekt weiter. Um die runden Ziegelstürze vor Ort auf der Baustelle herzustellen, schnitt der Maurer zunächst in die unterste Lage der Sturzziegel mit der Flex eine Nut hinein. Diese Ziegel legte er auf ein vorab am Sturz der Stahlbetondecke befestigtes Schalbrett aus einer rund ausgeschnittenen OSB-Platte. In die durchgehende Nut der Ziegel legte er zwei Edelstahlstangen als Bewehrung hinein, an die schräg nach oben führende Zugstangen angeschweißt wurden. Diese dienen jedoch nur als zusätzliche Sicherung der Stürze, deren Hauptlast über an die Kalksandsteininnenschale geschraubte Konsolen abgeführt wird. Anschließend vermörtelte der Maurer die Fugen und mauerte auf den so gesicherten Sturz weitere Lagen der Ziegelvorsatzschale auf.

Schalungslehre für gebogene Fensteröffnungen

Ein vergleichbarer handwerklicher Aufwand musste für die runden Fensteröffnungen insgesamt betrieben werden. Zusammen mit dem oberen und einem unteren, ebenfalls aus einer OSB-Platte rund ausgeschnitten Schalbrett und zwei seitlichen geraden Schalbrettern baute der Tischler für die Fensteröffnungen eine Lehre, die er nach Abschluss der Rohbauarbeiten auf die Kalksandsteininnenschale schraubte. Die Lehre erleichterte den Tischlern nach Montage des WDVS an den Außenwänden der oberen Geschosse den präzisen und dampfdiffusionsdichten Einbau der nach außen öffnenden skandinavischen Fenster mit ihren sehr schmalen Metallprofilen. Zunächst mussten jedoch die Maurer nach Montage der Lehre ihre Arbeiten an der Ziegelschale und die Maler ihre Arbeiten am WDV-System beenden. „Für die Rundungen gibt es spezielle Mineralwollplatten, die auf der Rückseite alle 18 cm eingeschnitten sind“, sagt Architekt Gorenflos. Das erleichterte den Malern die Montage der Platten auf der überwiegend gebogenen Kalksandsteinwand. Anschließend trugen die Maler auf die Mineralwollplatten einen durchgefärbten Silikonharzputz mit Gewerbe auf.

Fuge zwischen Ziegel- und Putzschale

Besonders gestaltet ist auch der Übergang vom Ziegelmauerwerk im Erdgeschoss zur Putzfassade der darüberliegenden Geschosse. Hierbei handelt es sich um eine 15 cm hohe Fuge, die um 10 cm von der Fassadenoberfläche zurückspringt. Wegen des Versprungs verwendeten die Maler 10 cm dünne Polyurethanplatten der WLG 022, da weniger Platz im Vergleich zur Mineralfaserdämmung der WLG 035 des WDVS zur Verfügung stand. Damit sowohl die Ziegelschale als auch die WDVS-Fassade oberflächenbündig auf die Fuge stoßen, musste die Decke über 1.OG 12 cm über das Kalksandsteinmauerwerk der auf der Bodenplatte errichteten Außenwände auskragen. Bündig mit der Außenkante der Decke über 1.OG mauerten die Handwerker dann das aufgehende Kalksandsteinmauerwerk der darüber liegenden Geschosse auf.

Finish nach der Formel „Einfach und Edel“

Als Fußbodenbelag verlegten die Tischler in den Wohnungen Bambusparkett. Die Kamine bestehen aus Naturstein. Als Terrassenbelag verschraubten die Handwerker Tropenholzbretter. Auf die Terrassen führen ebenfalls nach außen öffnende Türen aus schmalen Metallprofilen. Auch hier half die exakte Detailplanung und gute Zusammenarbeit mit den Handwerkern, Kosten zu sparen.

Die Wände der Bäder sind nur im Spritzwasserbereich mit Mosa-Fliesen im Format 60 x 60 mit minimaler Fuge belegt. Die schmalen Fugen sind dank der sehr guten Kalibrierung der Fliesen möglich. Einzige „Extravaganz“ ist eine grüne Marmorplatte als Rückwand über der Badewanne. So entstehen Bäder für einen gehobenen Wohnanspruch, ohne dass gleich die Kosten aus dem Ruder laufen.

Autor

Dipl.-Ing. Thomas Wieckhorst ist Chefredakteur der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

Die langjährige Erfahrung des Architekten im Wohnungsbau und die gute Zusammenarbeit mit den Handwerkern halten die Kosten niedrig

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