Spatenstich bei BASF in Lemförde: Hier beginnt die Zukunft der Dämmung

Mittlerweile gibt es eine ganze Menge guter High-Tech-Dämmstoffe, die eine Wärmeleitfähigkeit von unter 0,020 W/mK haben – mit einer Vakuumdämmung kommt man sogar auf 0,007 W/mK. Damit lassen sich extrem dünne Aufbauten mit ausgezeichneten Dämmwerten realisieren. Aufgrund des hohen Preises werden diese Dämmstoffe jedoch nicht in dem Umfang verbaut, wie es energetisch und ökologisch wünschenswert wäre. Das soll mit einem neuen bezahlbaren Aerogel-Dämmstoff aus Polyurethan in Zukunft anders werden. Hergestellt werden wird er im BASF-Werk in Lemförde, wo Mitte September der Spatenstich für eine Pilotproduktionsanlage stattgefunden hat. Aerogel ist zunächst einmal kein bestimmtes Material, sondern eine mikroporöse Struktur mit Poren im Nano-Bereich – ein Material also, das beinahe zu 100 Prozent aus Poren besteht (der Volumenanteil der Poren beläuft sich auf bis zu 99,98 Prozent). Meist werden Aerogele auf Silicatbasis hergestellt. Aber auch Kunststoffe sind für die Produktion von Aerogel geeignet. Den Herstellungsprozess der Aerogel-Synthese gezielt zu steuern, ist jedoch eine hohe Kunst. Logisch dass bei BASF in Lemförde ein Aerogel auf Basis von Polyurethan entwickelt wurde, gilt doch die 3000-Seelen-Gemeinde als das größte Polyurethan-Forschungs-
zentrum der Welt. Dr. Christian Fischer hat den unglaublich leichten Dämmstoff erfunden. Doch von der Erfindung bis zum Spatenstich für die Pilotproduktionsanlage war es ein langer und wie Fischer betonte auch harter Weg, der den Forschern viel Durchhaltevermögen abverlangte. Herausgekommen ist dabei ein dampfdiffusionsoffener, kapillaraktiver Dämmstoff mit einer Wärmeleitfähigkeit von unter 0,016 W/mK, bei einer Druckfestigkeit von mehr als 300 kPa – mit anderen Worten: eine Revolution. Die bahnbrechende Erfindung trägt den  Namen Slentite. Das Material lässt sich hervorragend handwerklich bearbeiten: man kann es leicht schneiden, bohren und kleben. Im kommenden Jahr werden die ersten Platten vom Band der Produktionsanlage rollen, aber man darf schon jetzt auf das Pilotprojekt mit der ultradünnen Dämmung gespannt sein, und hoffen, dass sich das Material dann tatsächlich zu einem vernünftigen Preis produzieren lässt.

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