Staubfrei sanieren

Auf Baustellen sind Handwerker bei vielen Arbeiten Stäuben ausgesetzt, die ihre Gesundheit empfind­licher schädigen als bisher vermutet. Feinstaub, Quarz und – leider wieder aktuell – Asbest sind drei baustellentypische Gefahrstoffe, die dringend neue Lösungen zur Staubminderung erfordern.

Feinstaub macht krank: Schon eine allgemeine Staubwirkung ohne spezifische Inhaltsstoffe kann zu Krankheiten der Atmungsorgane füh­ren. Es werden chronische, partikelbedingte Entzündungsprozesse in der Lunge beschrieben, an die pathologische Veränderungen gekoppelt sein können. Der Grenzwert für alveolengängigen (lungengängier) Staub (A-Staub) an Arbeitsplätzen wurde daher 2014 nochmals von 3,0 auf 1,25 mg/m³ deutlich abgesenkt. Die MAK-Kommission (MAK = maximale Arbeitsplatz-Konzentration) empfiehlt sogar einen MAK-Wert von 0,3 mg/m³ für A-Staub und stuft die so genannten Granulären Biobeständigen Stäube (GBS) als kanzerogen (krebserregend) ein. Bei Staubexposition in Höhe des bisherigen Grenzwertes gibt es Anhaltspunkte für erhöhte Tumorraten durch entzündliche Prozesse der Bronchialschleimhaut.

Quarzhaltige Stäube

Zusätzlich werden am Bau regelmäßig quarzhaltige Stäube freigesetzt. Tätigkeiten, bei denen Beschäftigte Quarzfeinstaub ausgesetzt sind, sind als krebserzeugend eingestuft (TRGS 906). Sowohl für die Silikose als auch für kanzerogene Wirkung (Lungenkrebs) werden dabei spezifische Entzündungsprozesse verantwortlich gemacht. Der AGS (Ausschuss für Gefahrstoffe) hat im August 2015 auf der Grundlage des im Begründungspapier dargelegten Sachstands einen erheblich abgesenkten gesundheitsbasierten Grenzwert für Quarz von 0,05 mg/m³ als Beurteilungsmaßstab (bisher: 0,15 mg/m³) beschlossen.

Asbest – weiterhin gefährlich

Auch über 20 Jahre nach dem Verwendungsverbot geht von der einst so geschätzten „Wunderfaser“ noch immer tödliche Gefahr aus. Weiterentwickelte Analyseverfahren zeigen aktuell, dass viele Fertigmischungen Asbest enthalten und damit gefährlicher sind als gedacht. Laut Gesamtverband Schadstoffsanierung sind asbesthaltige Putze, Spachtelmassen oder Fliesenkleber in einem Viertel der bis 1995 errichteten Gebäude vorhanden. Diese bislang kaum beachteten Gefahrenquellen stellen ein erhebliches Risiko dar. Bei Abbruch, Sanierung und bei staubenden Renovierungsarbeiten wie Schleifen von gespachtelten Gipskartonwänden oder Abschlagen von Putz und Fliesen werden erhebliche Mengen Asbestfasern freigesetzt und mit der Raumluft unwissentlich eingeatmet. Bereits ein einfacher Tapetenwechsel kann also unerkannt zu erhöhten Asbestfaserkonzentrationen in der Raumluft führen.

Bei der Sanierung und Renovierung kommen häufig weitere Gefährdungen durch Mineralfaserstäube, Schimmelpilzsporen, Schwermetall- und Hartholzstäube, Farbpartikel und sonstige toxische Staubinhaltsstoffe (PAK, PCB usw.) hinzu.

Staubgrenzwerte überschritten

Arbeitsplatzmessungen zeigen, dass schon die bisherigen hohen Staubgrenzwerte regelmäßig überschritten werden. Die Wirklichkeit sieht auf Baustellen leider oft so aus, dass das einfach hingenommen wird, allenfalls wird bei starker sichtbarer Staubentwicklung eine Atemschutzmaske getragen. Technische Schutzmaßnahmen werden kaum eingeplant. Umso dringender besteht Handlungsbedarf, die Gesundheit der Betroffenen wirksam zu schützen.  Technische Schutzmaßnahmen wirken kollektiv und damit wesentlich besser als personenbezogene Schutzmaßnahmen. Der wirksamste technische Schutz ist das Erfassen des Staubs am Entstehungsort. Wann immer möglich, sollten handgeführte Elektrowerkzeuge zum Schleifen, Trennen oder Fräsen in Kombination mit darauf abgestimmten Staubsaugern eingesetzt werden. Derart abgesaugte Werkzeuge sind zwar auf dem Vormarsch, aber längst noch nicht überall in Anwendung. Hinzu kommt, dass selbst mit guten Systemen der Staub nicht vollständig erfasst wird und für viele Tätigkeiten solche Systeme nicht verfügbar sind. Um die Beschäftigten dennoch wirksam zu schützen, sollten Bauluftreiniger eingesetzt werden. Mit geeigneten Hochleistungsluftreinigern werden die Aerosole und Stäube am Arbeitsplatz nicht nur zuverlässig und effektiv erfasst, sondern auch vollständig abgeschieden. Bereits im reinen Umluftbetrieb – als „Raumluftreiniger“ in den Arbeitsraum gestellt – sorgen die mobilen Geräte für hohe Luftwechselraten und eine erhebliche Staubreduktion.

Autor

Dipl.-Ing. Klemens Möcklinghoff ist Geschäftsführer bei der Möcklinghoff Lufttechnik GmbH in Gelsenkirchen.
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