Verarbeitung von Tadelakt Erfahrungsbericht über das Verarbeiten von wasserfestem Kalkputz

Tadelakt ist ein wasserfester Kalkputz. Um Tadelakt-Oberflächen herzustellen, sind eine Reihe von Verarbeitungsschritten nötig. Nach der Devise „Probieren geht über Studieren“ hat die Redaktion der BAUHANDWERK ein Seminar des Herstellers Kreidezeit Naturfarben besucht, um die Verarbeitung zu lernen. Der folgende Erfah­rungsbericht zeigt in allen Einzelheiten, wie die Verarbeitung von Tadelakt in der Praxis funktioniert.

„Wir machen im Grunde genommen nichts anderes als das, was Maler und Stuckateure schon vor Jahrhunderten gemacht haben“, sagt Kreidezeit-Geschäftsführer Gerd Ziesemann und meint damit, dass alle Produkte des Unternehmens wie früher aus natürlichen mineralischen Bestandteilen gemischt werden. In Marokko entdeckte Gerd Ziesemann gemeinsam mit Ulrich Bettentrup Mitte der 1990er Jahre einen Kalkputz, den die dortigen Handwerker mit einem kleinen Stein und Seife so sehr verdichteten, dass er wasserfest wurde.

Lesen Sie hier, wie die Kreidezeit Naturfarben gegründet wurde

Marokkanischer Kalkputz



Wieder zurück in Deutschland sahen sich die beiden Handwerker Baustellen an, auf denen der Kalkputz Tadelakt bereits verarbeitet wurde. „Das war eine Katastrophe. Der Putz fiel großflächig wieder von der Wand“, erinnert sich Gerd Ziesemann. Selbst bei korrekter Verarbeitung konnte man mit der in Marokko abgebauten Putzmischung damals keine Qualität erzielen, die hierzulande akzeptiert werden würde. Also experimentierte man am Firmensitz in Sehlem mit eigenen Mischungen. Herausgekommen ist dabei ein Putz, der verarbeitungsfreundlich den hiesigen Ansprüchen und der hierzulande geforderten Gewährleistung entspricht. „Unser Tadelakt ist bewusst nicht das marokkanische Original“, resümiert Gerd Ziesemann den Entwicklungsprozess selbstbewusst.


Verarbeitung von Tadelakt


Abtönen von Tadelakt mit Pigmenten

Tadelakt ist von Natur aus hellbeige. Es lässt sich jedoch in vielen Farben mit kalkechten Pigmenten abtönen. Hierzu nimmt man bis zu 10 Gewichtsprozent Pigmentpulver auf die zu verarbeitende Tadelaktmenge und rührt dieses mit wenig Wasser zu einer klumpenfreien Masse an. Bei Titanweiß und reinen Eisenoxidpigmenten sollte man nicht mehr als 5 Gewichtsprozent verwenden. Bei Titanweiß erleichtert ein Tropfen Spülmittel die Benetzung des feinen Pigmentpulvers mit dem Wasser.

Anmischen des Tadelakts mit Pigmentpulver

Die Pigmentpaste wird direkt ins Anmachwasser für den Putz gegeben. Für den Kalkputz berechnet man auf 1 kg Tadelaktpulver 0,3 bis 0,35 Liter Wasser. Das Tadelaktpulver wird dem Anmachwasser nach und nach zugegeben. Die Masse mit einem auf die Bohrmaschine gesteckten Rührquirl oder besser noch mit einem Rührgerät von Collomix durchrühren. Danach muss die Tadelaktmasse eine halbe Stunde lang sumpfen. Vor dem Auftragen wird sie noch einmal durchgerührt und sollte dann innerhalb von 8 bis 10 Stunden verarbeitet werden.

Auftragen des Tadelakt-Kalkputzes

Der Putzauftrag erfolgt in zwei Schichten mit der Venezianerkelle. Hierzu wird die Tadelaktmasse in Korndicke (je Schicht etwa 1 mm) glatt aufgezogen. Der Auftrag der zweiten Schicht erfolgt, nachdem die erste angezogen ist. Man verbraucht dabei etwa 2,5 kg pro Quadratmeter. Die zweite Schicht sollte mit der Kelle bereits gut vorverdichtet werden, damit der nachfolgen­de Arbeitsgang nicht so mühe­voll ist. Zum Verdichten wird die Kelle leicht gekantet unter hohem Druck in langen, leicht geschwungenen Bewegungen über den Putz geführt.

Verdichten des Tadelakts mit Stein

Die Verdichtung der Putzoberfläche verleiht dem Tadelakt die besondere Wirkung und Haptik und ist der wichtigste Arbeitsschritt. Im Gegensatz zum Stuccolustro, bei dem man zur Verdichtung die Kelle verwendet, nimmt man beim Tadelakt einen Stein. Auch die Berber in Marrakesch verwenden Steine, die mit der Zeit durch die Benutzung immer glatter, besser und wertvoller werden. Hierzulande kann man glatte Kieselsteine mit einem Durchmesser von etwa 8 cm nehmen, die aus einem möglichst harten Gestein, zum Beispiel Basalt oder Achat, bestehen sollten. Besser geeignet ist jedoch ein von Kreidezeit entwickelter Polierstein aus Hartkeramik, mit dem sich der Druck auf die Putzoberfläche mit kleinen kreisenden Bewegungen gut übertragen lässt.

Verdichten, bis Polierstein einen hellen Ton erzeugt


Die Verdichtung mit dem Polierstein sollte allerdings erst dann erfolgen, wenn die zweite Putzschicht bereits angezogen ist. Gleitet der Polierstein noch wie auf Glatteis über die Oberfläche und hinterlässt dabei Schlieren, ist der Putz für die Verdichtung noch nicht bereit. Erst wenn die Oberfläche der kreisenden Handbewegung einen allmählich wachsenden Widerstand entgegen setzt, kann das Tadelakt und damit die kleinen Poren in der Oberfläche verdichtet werden. Hierzu sollte man einige Zeit einplanen. Erst wenn die Bewegung des Poliersteins auf der Tadelaktoberfläche einen hellen Ton erzeugt, ist das Tadelakt ausreichend verdichtet. Man sieht es (vor allem seitlich unter Streiflicht) auch an der nun hoffentlich spiegelnden Oberfläche.


Seifen

Im letzten Arbeitsgang wird Glättseife mit einem weichen Pinsel aufgetragen und anschließend mit dem Polierstein in die Putzoberfläche eingerieben. Es dauert eine Weile, bis eine spiegelglatte Oberfläche entsteht. Aber die Arbeit lohnt sich: Mit diesem abschließenden Arbeitsgang hat das Tadelakt seine besondere Wirkung und Haptik be­kommen und ist Dank der Reaktion der Seife mit dem Kalk zudem vollkommen wasser­dicht geworden. Seine endgültige Härte und B­e­last­bar­keit erreicht Tadelakt aller­­dings erst nach etwa vier Wochen.

Tadelakt auf Kalk- und Kalk-Zementputz

Da das bei Kreidezeit hergestellte Tadelakt neben korn­abgestuftem Quarzsand, Marmor­mehl, Ton, Asche, Diatomeen­erde und Cellulose natürlichen hydraulischen Kalk als Bindemittel enthält, empfiehlt sich die Verarbeitung auf Kalk- und Kalk-Zementputz. Auf Putzschienen sollte man dabei verzichten. Die Oberfläche der Putze sollte nicht zu glatt ausgeführt werden, sondern scharf mit der Kelle oder der Kartätsche abgezogen oder mit dem Rabot abgehobelt sein. Der Putz muss nicht unbedingt, wie hierzulande üblich, mit der Kartätsche eingeebnet sein. Zum häufig durchaus gewollten marokkanischen Ambiente passen leicht wellige, nur mit der Kelle bearbeitete Putze. Zudem sollten alle Ecken möglichst abgerundet werden, da sich die spätere Verdichtung des Tadelakts an spitzen Kanten recht schwierig gestaltet. Bei einer Sanierung sollte ein nicht tragfähiger Altputz abge­schlagen oder mit der Sanierungsfräse entfernt und durch einen neuen Kalk- oder Kalkzementputz ersetzt werden.

 

Tadelakt auf Holzwolleplatten, Porenbetonsteinen und Ton

Anstatt im Trockenbau den Untergrund aus Gipskarton- oder Gipsfaserplatten herzustellen, sollte der Handwerker mit magnesitgebundenen Holzwolleplatten (Heraklith) als Putzträger arbeiten. Hierauf wird zweilagig Kalkputz 15 bis 20 mm dick aufgetragen, der vollflächig mit Ge­webe armiert werden sollte. Gleiches gilt für Porenbeton­steine, aus denen man auch Waschbecken oder sogar Badewannen herausschneiden und -raspeln und anschließend mit Tadelakt wasserdicht beschichten kann. Hier wird als vorbereitende Arbeit neben dem zuvor beschriebenen Kalkputzaufbau möglicherweise eine Aufbrennsperre erforderlich. Auf Tongegenstände wie Schalen kann Tadelakt nach dem Wässern direkt aufgebracht werden.

Tadelakt auf Gipskarton-, Gipsfaser- und Zementbauplatten

Sind bereits Gipsfaser-, Gipskarton- oder Zementbauplatten vorhanden, kann auch auf diesen Tadelakt verarbeitet werden. Allerdings sind folgende Vorarbeiten notwendig:

Zunächst wird auf Gipskarton- und Gipsfaserplatten mit einem breiten Pinsel eine Kaseingrundierung gestrichen. Diese kann bei Zementbauplatten und zementbeschichteten Polystyrol Hartschaumplatten (wedi) entfallen. Danach werden zwei Schichten Kalkhaftputz mit der Glättkelle in Korndicke (also jeweils etwa 2 mm) glatt aufgezogen. In die erste Schicht wird im noch feuchten Putz ein feinmaschiges Armierungsgewebe eingedrückt. Auf den getrockneten Kalkhaftputz kann Tadelakt wie auf anderen Kalkputzen nach dem Vornässen aufgetragen werden. Alternativ kann (vor allem im Bad) auch Fliesenkleber als Haftgrund aufgekämmt und rau stehen gelassen werden. Auf Haftgründen lässt sich Tadelakt mangels Feuchtigkeitspuffer allerdings schlechter glätten und polieren. Deshalb trägt man auf den durchgetrockneten Fliesenkleber eine Schicht Tadelakt auf, die über Nacht trocknen soll. Darauf wird am nächsten Tag wie auf neuem Putz gearbeitet.

 

Tadelakt auf alten Fliesen verarbeiten


Selbst auf alte Fliesen lässt sich nach Vorbehandlung Tadelakt auftragen. Hierzu müssen die Fliesen zunächst gründlich mit Alkohol oder Sodalauge gereinigt werden. Dann wird entweder GekkkoSOL Vollkorn von Kreidezeit oder ein Flexfliesenkleber als Haftgrund auftragen. Letztere muss horizontal aufgekämmt werden. Wenn diese Schicht vollständig durchgetrocknet ist, wird eine Schicht Kalkhaftputz mit vollflächiger Armierung aufgezogen, die ebenfalls mehrere Tage durchtrocknen soll. Darauf kann Tadelakt direkt aufgetragen werden.

Vorbereitende Arbeiten im Bad


Soll Tadelakt im Bad verarbeitet werden, was sich wegen der wasserfesten Putzoberfläche anbietet, muss im Spritzwasserbereich von Dusche und Badewanne auf Gipskartonplatten zuvor zusätzlich eine wasserdichte Grundabdichtung hergestellt werden. Dies kann beispielsweise mit PCI Seccoral 1K als Abdichtung erfolgen: Diese wird zunächst mit einer Zahnkelle (6 x 6 mm) aufgetragen und eingeglättet. Nach Trocknung er­folgt mit dem gleichen Material ein Schlämmanstrich. Solange dieser nass ist, wird mit Bayosan MultiContakt MC 55W von Baumit verputzt. Nach Trocknung kann hierauf Tadelakt aufgetragen werden.

 

Anschlusspunkte

 

Nach der Untergrundvorbereitung muss man sich vor allem im Bad hinsichtlich der Anschlusspunkte der Tadelaktflächen an andere Bauteile (zum Beispiel Dusch- oder Badewanne und Fliesen) Gedanken machen. Damit an dem mit viel Arbeit hergestellten Tadelakt später keine Risse entstehen, sollte der Anschluss der Putzfläche an andere Materialien konstruktiv entkoppelt werden. Dies erreicht man zum Beispiel mit einer Fliesenabschlussschiene aus Kunststoff oder besser Edelstahl, die man vor Beginn der Tadelaktarbeiten im Abstand von etwa 8 mm zum Bauteil mit Fliesenkleber befestigt. Die Fuge zwischen der Schiene und dem Dusch-, Badewannen- oder Fliesenrand kann dann mit üblichem Sani­tärsilikon geschlossen werden. Kann oder soll keine solche Abschluss­schiene verwendet werden, sollte für den dauer-elastischen Anschluss Natursteinsilikon genommen werden, damit es nicht zu Ver­­­färbungen des Tadelakts kommt.



Verarbeitung von Tadelakt: Fazit

Insbesondere dann, wenn in einem Bad wasserdichte Wandf­lächen ohne Fliesen hergestellt werden sollen, bietet sich Tadelakt als natürliche, dampfdiffusionsoffene Abdichtung an. Auch Waschbecken lassen sich damit erstellen. Nicht nur das Material selbst, sondern auch die Optik und Haptik sind natürlich: Die Wand wirkt wie eine von fließendem Wasser glatt gewaschene Stein­ober­fläche mit leichter Wellung und Marmorierung aufgrund der unterschiedlichen Verdichtung im Material. Hierzulande wurden bereits rund 150 000 m2 in der ursprünglich marokkani­schen Putztechnik ausgeführt. Es bleibt zu hoffen, dass es Dank qualifizierter Handwerker noch weitaus mehr werden.

Autor

Dipl.-Ing. Thomas Wieckhorst ist Chefredakteur der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau in Gütersloh.

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