Teil 2: Schornsteinabbruch am Stück

Auch heute noch steckt in vielen Handwerkern das Zeug zum Erfinder. Im zweiten Teil unserer Serie „Erfinder im Handwerk“ stellen wir eine Hebevorrichtung vor, die Maurermeister Siegfried Müller eigens für den Abbruch alter Schornsteine erfand.

Maurermeister Siegfried Müller führt die Müller Schornsteinbau GmbH seit 30 Jahren gemeinsam mit seiner Frau Monika bereits in zweiter Generation. 1948 gründete sein Vater Bruno Müller das Bauunternehmen in Bielefeld. Derweil steht schon die dritte Generation mit Sohn Marco – ebenfalls Maurermeister – und Tochter Simone in der Buchhaltung für die Fortführung des Familienbetriebs bereit.

Für den Inhalt dieser Seite ist eine neuere Version von Adobe Flash Player erforderlich.

Adobe Flash Player herunterladen


Da jeder Auftrag für Siegfried Müller Chefsache ist, kam er auch mit einer Aufgabenstellung seiner Kunden intensiv in Kontakt: Wie lässt sich der alte defekte Schornstein schnell entfernen, wenn ein neuer Schornstein erforderlich wird? Dank seines Einfallsreichtums hat Siegfried Müller für den Abbruch und die Erneuerung eines Schornsteins eine patentierte Lösung parat: „Wird ein alter Schornstein Stein für Stein demontiert, so ist dies aufwendig und es muß ein Gerüst erstellt werden. Bei dieser Arbeitsweise können Steinbrocken in die Schornsteinzüge fallen“, erzählt Siegfried Müller und hat aus diesem Grund eine Hebevorrichtung erfunden, die es erlaubt, den alten Schornstein in bis zu zwei Tonnen schweren Stücken mit Hilfe eines Krans aus dem Dach zu heben. Die hierfür erforderlichen modernen Hydraulikkräne sind das Markenzeichen des Betriebs. Diese Arbeitsweise ist neu und einmalig in Deutschland.

Schornsteindemontage dank Hebevorrichtung

Bei der patentierten Hebevorrichtung, die auch das GS-Zeichen der Berufsgenossenschaft für Bauwirtschaft erhielt, handelt es sich um eine Scherenkonstruktion, die so aufgebaut ist, dass ihre Haupttragefunktion über Winkel in die Schornsteinmitte greift. Dadurch wird ein Durchbiegen des Schornsteinteils vermieden. Diese Winkelstücke in der Mitte sind stramm mit den vier Winkeln an den Schornsteinecken verbunden. Danach wird die Hebevorrichtung mit Spanngurten kraftschlüssig mit dem alten Schornstein verbunden. Anschließend wird die Lagerfuge, in welche die Winkel der Hebevorrichtung eingeschlagen wurden, aufgestemmt und das Schornsteinteil am Stück mit dem Kran abgehoben und in einen Container gehievt. Vor einer Schornsteindemontage werden unterhalb des Daches stabile Auffanggitter befestigt. Ein Auffangnetz unterhalb dieses Schornsteinteils sorgt dafür, dass beim Transport keine Stücke davon abfallen können.

Weitere Informationen erhalten Sie im Internet unter www.mueller-schornsteinbau.de

Ausführliche Beschreibung des Systems

Hier finden Sie einen ausfürhlichen Beitrag, der eine Schornsteinsanierung unter Verwendung der von Maurermeister Siegfried Müller erfundenen Hebevorrichtung beschreibt.

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 2011-01-02

Teil 1: Siegfried Piskes Balkenschuh

Viele noch heute auf dem Bau gebräuchliche Konstruktionen gehen auf Erfinder im Handwerk zurück: Maurermeister Carl Rabitz erfand 1864 die nach ihm benannte Rabitzbauweise aus Hasendraht und Putz,...

mehr
Ausgabe 2011-03

Ein Maurermeister sorgt für Spannung

„Ich habe immer wieder festgestellt, dass die exakte Platzierung der Maurerschnur nicht nur ungelernten Arbeitern sondern auch Profis viel Mühe bereiten kann. Ich sah, wie viel Zeit benötigt wurde,...

mehr
Ausgabe 2009-7-8

Holzfassade: Freie Schule Anne-Sophie in Künzelsau

Beim Bau der neuen Ganztagseinrichtung Freie Schule Anne-Sophie für die Firma Adolf Würth in Künzelsau, Ortsteil Taläcker, wollten die Architekten S. Müller und M. Djordjevic-Müller aus...

mehr
Ausgabe 2014-11

11. tubag Sanierungsforum in Weimar

Das 11. tubag Sanierungsforum findet in diesem Jahr am 28. November in Weimar statt. Zur Veranstaltungsreihe lädt tubag einmal im Jahr Denkmalschützer, Architekten, Planer und Handwerker sowie...

mehr
Ausgabe 2015-06

Erweiterung des ehemaligen Kreishauses in Bielefeld

Das Mitte der 1950er Jahre nach Entwürfen des ortsansässigen Architekten Thiele in Bielefeld erbaute Kreishaus weist typische Gestaltungsmerkmale seiner Zeit auf. Nach zweijähriger Umbauzeit wurde...

mehr