Verarbeitung von Wärmedämmputz

Wärmedämmputzmörtel sind Putzmörtel nach DIN EN 998-1 mit einer Wärmeleitfähigkeit von ≤ 0,2 W/mK. Sie werden üblicherweise in einem Putzsystem bestehend aus Unterputz (Wärmedämmputz), einem Armierungsputz mit Gewebeeinlage als Zwischenlage und einem Oberputz angewendet.

Wärmedämmputzmörtel (abgekürzt: T) enthalten bislang überwiegend expandiertes Polystyrol als Leichtzuschlag. Inzwischen werden mehr und mehr auch mineralische Leichtzuschläge wie Perlite, Blähglas, Calsilite usw. eingesetzt. Leichtzuschläge dienen dazu, die Wärmeleitfähigkeit der Wärmedämmputzmörtel zu senken beziehungsweise umgekehrt die Dämmwirkung zu erhöhen. Neue Hochleistungsdämmputze, die unter Verwendung von so genanntem „Aerogel“ hergestellt werden, weisen jedoch Wärmeleitfähigkeiten auf, mit denen die Dämmwirkung üblicher Dämmplatten sogar übertroffen werden kann.

Gemäß DIN EN 998-1 werden die Wärmeleitfähigkeitsgruppen T 1 ≤ 0,1 W/mK und T 2 ≤ 0,2 W/mK unterschieden. Nach DIN 18 550 ergeben sich als Bemessungswerte für T 1 λB = 0,12 W/mK und für T 2 λB = 0,24 W/mK.

Wärmedämmputzmörtel können zum Beispiel mit bestimmten Zuschlägen auch geringere Wärmeleitfähigkeiten (unter 0,03 W/mK) erreichen. Der konkrete Bemessungswert ist daher vorrangig der Herstellererklärung zu entnehmen.

Anwendungsgebiete

Wärmedämmputzmörtel kommen in der Regel außen als Zusatzdämmung von wärmedämmendem Mauerwerk (Porenbeton, Ziegel) zum Einsatz – auch im Neubau.

Wärmedämmputzmörtel sind eine bauphysikalisch sichere Alternative vor allem für denkmalgeschützte Fassaden, Fachwerk, das sichtbarbleiben soll, und Fassaden mit Ausbauten, Erkern, Gesimsen und Rundungen. In der erforderlichen Dicke lassen sie sich bei entsprechender Vorbereitung auf fast alle Untergründe aufbringen. Die Putze eignen sich dabei auch zum Ausgleichen von unebenen Untergründen. Da Wärmedämmputzsysteme diffusionsoffen sind, wird die bei Bestandsbauten besonders wichtige Austrocknung der darunterliegenden Wände gefördert.

Zweites Anwendungsgebiet ist die Innendämmung. Hier punkten Wärmedämmputzmörtel mit ihren diffusionsoffenen und kapillaraktiven Eigenschaften, so dass nicht zwingend eine innenseitige Dampfsperre verwendet werden muss. Wärmedämmputzmörtel eignen sich innen auch zum Dämmen von Fachwerkwänden. Einige Hersteller empfehlen im Innenbereich die Durchführung einer Tauwasserberechnung.

Produkteigenschaften

Wärmedämmputzmörtel sind je nach Zusammensetzung nicht brennbar oder schwer entflammbar, sehr ergiebig und sehr spannungsarm. Sie sorgen für eine wirksame Entkopplung des Oberputzes und reduzieren damit die Anfälligkeit für Rissbildung. Mit Wärmedämmputzmörtel lassen sich fugenlose Dämmschichten herstellen, die sich allen geometrischen Formen des Untergrunds anpassen. Auftragsdicken bis 100 mm sind problemlos möglich. Bei größeren Bauvorhaben können durch die Möglichkeit maschineller Verarbeitung eine hohe Wirtschaftlichkeit und schneller Baufortschritt erzielt werden.

Verarbeitung

Im Allgemeinen wird Dämmputz in Lagen bis etwa 50 mm einlagig und bis 100 mm zweilagig, vornehmlich maschinell aufgetragen. Bei größeren Dicken sind besondere Maßnahmen, zum Beispiel ein Putzträger, erforderlich. Als Untergründe sind alle Arten von Wandbildnern geeignet wie Ziegel, Kalksandstein, Porenbeton, Leicht- oder Normalbeton. Saugende Untergründe müssen in der Regel vorbehandelt (grundiert) oder mit speziellem Spritzbewurf versehen werden. Hier muss man die Herstellerangaben unbedingt beachten.

Bei nicht tragfähigen und bei nicht oder mangelhaft saugenden Altputzen oder bei solchen Putzgründen, die bereits mit Anstrichen versehen sind, sind für Wärmedämmputzsysteme wellenförmige oder ebene Putzträger aus geschweißtem Drahtnetz mit jeweils besonderen Befestigungselementen erforderlich.

Der eigentliche Wärmedämmputz auf der Gebäudeaußenseite bildet den Unterputz. Er muss mindestens 20 mm und soll in der Regel höchstens 100 mm dick sein. Empfehlenswert ist als Zwischenlage ein Armierungsputz (Schichtdicke: 4 bis 6 mm) mit Gewebeeinlage (auch als „Ausgleichsputz“ bezeichnet). Um den weichen Dämmputz vor mechanischer Beanspruchung und Durchfeuchtung zu schützen, wird abschließend ein wasserabweisender Oberputz (Druckfestigkeit 0,8 bis 3,0 N/mm²) aufgetragen. Die Gesamtschichtdicke von Oberputz (mit/ohne Armierungsputz) beträgt 6 bis 12 mm, im Mittel 8 mm. Dabei muss der Ausgleichsputz mindestens 4 mm dick sein. Bei Wärmedämmputzen mit anderen leichten Zuschlägen sind für die Dicke des Oberputzes die Herstellervorschriften zu beachten.

Wärmedämmputze sollten nicht bei direkter Sonneneinwirkung, Regen oder starkem Wind verarbeitet werden. Ein Fassadenschutz per Gerüstnetz bis zur vollständigen Aushärtung des Putzes kann je nach Gebäudelage und Wettersituation sinnvoll sein. Die Abbindezeit wird durch hohe Luftfeuchtigkeit und niedriges Temperaturniveau verlängert.

 

Autor

Ludger Egen-Gödde arbeitet als freier Fachjournalist in Kaufe­ring unter anderem für den VDPM Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel e.V mit Sitz in Berlin.

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