Wiederbelebt
Umnutzung des Zentralumspannwerks in Ludwigshafen zu Wohnraum

Der Gebäudekomplex am Lutherplatz wurde 1927/28 als Zentralumspannwerk für die Elektrizitätsversorgung der Stadt Ludwigshafen erbaut und steht unter Denkmalschutz. Er wurde als dena-Modellvorhaben „Niedrigenergiehaus im Bestand“ energetisch saniert und dabei von innen gedämmt.

Der ursprüngliche reine Funktionsbau als Zentralumspannwerk für die Elektrizitätsversorgung der Stadt Ludwigshafen wurde im Zuge der Stadtentwicklung zur Wohnanlage „Stadthaus am Lutherplatz“ umgebaut. Dabei entstanden Ende vergangenen Jahres auf rund 4800 m2 43 Wohneinheiten, sechs Penthäuser, ein Gemeinschaftshaus und ein Sportraum mit großzügiger Freiraumgestaltung. Der Umbau gilt als Leuchtturmprojekt und soll innerstädtisches, familiengerechtes Wohnen fördern.

Bauzustand und Fassadenschutz

Der viergeschossige Baukubus mit Flachdach ist eine mit roten Klinkern verkleidete Eisenbetonkonstruktion. Das Gebäude befand sich in einem schlechten Zustand; Regenwasser konnte ungehindert eindringen und auch die Außenwände waren in Mitleidenschaft gezogen. Der U-Wert war mit 1,06 W/m2K viel zu hoch. An kalten Tagen stellte sich eine Oberflächentemperatur auf der Innenseite der Außenwände von etwa 15 °Celsius ein, in rechtwinkligen Außenecken waren es nur noch 10,7 °C. Die Energieeinsparverordnung gestattet aber nur einen U-Wert von 0,35 W/m2K im Altbau.

Vor dem Aufbringen der Dämmungen war eine ausreichende Trocknung des Mauerwerks und ein Schlagregenschutz für die steinsichtige Fassade unverzichtbar. Da sie unter Denkmalschutz stand, kam hierfür nur eine hydrophobierende Imprägnierung mit Funcosil SNL infrage, um die Wasseraufnahme der bewitterten Fassadenflächen zu reduzieren. Hierbei bleibt die Wasserdampfdiffusionsfähigkeit des Klinkers erhalten.

Da ein trockener Baustoff besser dämmt als ein nasser, wird durch die Hydrophobierung neben dem Feuchteschutz der Konstruktion ein zusätzliches Energiesparpotential erschlossen. Durch das Fernhalten von Wasser gewinnt der imprägnierte Baustoff seinen ursprünglichen, niedrigen Wärmeleitfähigkeitswert zurück.

Innendämmung statt Vorsatzschale

Zielvorgabe war der Umbau zum KfW Effizienzhaus – aber ohne Außendämmung. Mit der Konzepterstellung beauftragte man das erfahrene Energieberatungsbüro Preiß. Die bereits vorliegende Planung der Architekten wurde von Preiß verworfen. Sie basierte auf einer Vorsatzschale mit Dampfsperre und 10 cm Mineralwolledämmung. Seine Begründung: So ein System funktioniert nur rechnerisch durch den hohen Widerstand der Dampfsperre, praktisch sind jedoch erhebliche Risiken vorhanden. Ein absolut dichter Einbau ist nicht machbar und würde er gelingen, müsste er während der gesamten Nutzungsphase dauerhaft intakt bleiben. Durch das unverputzte Ziegelmauerwerk wird zudem ein Feuchtigkeitseintrag erfolgen, der laut Gutachten des Fraunhofer Instituts ein Schimmelpilzwachstum möglich macht.

Das war für den Energieberater Preiß nicht tolerierbar. Er untersuchte und verglich unterschiedliche kapillaraktive Innendämmsysteme, unter anderem Kalzium-Silikatplatten und Mineralschaumplatten, die aber seinen Eignungstest nicht bestanden. Ausschlaggebend waren zwei Hauptgründe: Zur Erreichung des Effizienzhausstandards wären hohe Dämmstoffdicken erforderlich gewesen, die zur Verkleinerung des Wohnraumangebots und Problemen bei den Anschlüssen geführt hätten. Das war weder architektonisch noch aus Sicht des Denkmalschutzes tolerierbar. Gefordert war eine schlanke Konstruktion.

Insgesamt wurden 135 Wärmebrückendetails erarbeitet, um alle Anschlüsse sicher nachzuweisen. Dann stand fest, dass das iQ-Therm-System von Remmers für die Außenwände eine überzeugende Lösung bietet, die Denkmalschutz und Energieeffizienz in Übereinstimmung bringt. Ausschlaggebend waren die hohe Kapillaraktivität, der Einbau ohne Dampfsperre und die geringe Aufbauhöhe dank einer Wärmeleitfähigkeit von nur 0,031 W/mK. Zudem benötigt man keine Dämmkeile an den Decken und einbindenden Wänden und die Fensteranschlüsse können mit schlanker Dämmung ausgeführt werden. Insgesamt entstehen ein geringerer Raumverbrauch und damit eine größere Fläche für den Verkauf der Wohnungen. Die Innenwände an unbeheizten beziehungsweise schwach geheizten Räumen, die Böden gegen Erdreich, Kellerdecke und Dach erhielten eine Dämmung mit PU-Hartschaumplatten, PS-Dämmplatten und Mineralwolle in angepasster Dicke und Qualität.

Effizienzsteigerung durch energetische Sanierung

Durch die energetische Sanierung verbesserte sich der U-Wert des Wandaufbaus auf  0,29 W/m2K. Dadurch stellt sich auch an kalten Tagen eine Oberflächentemperatur auf der Innenseite der Außenwände von etwa 18,9 °C ein. Nach Abschluss der Sanierung beträgt der Endenergiebedarf etwa 209 000 kWh/Jahr beim Bauabschnitt 1. Der spezifische Transmissionswärmeverlust H‘T des Gebäudes liegt nach Umsetzung aller vorgeschlagenen Maßnahmen bei 0,388 W/m2K; der Primärenergiebedarf Qp bei 2,002 kWh/m2a.

Damit wird ein Wert erreicht, der die heutigen Anforderungen an ein KfW-Effizienzhaus (aktuelle EnEV) erfüllt. Dafür darf der Primärenergiebedarf des Gebäudes im Vergleich zum Referenzgebäude maximal 70 Prozent, der Transmissionswärmeverlust maximal 85 Prozent betragen.

Aufgrund des Energiekonzeptes war es möglich, pro bestehender Wohneinheit ein KfW-Darlehen von bis zu 75 000 Euro mit einem Zinssatz von derzeit 1 Prozent effektiv zu erhalten. Darauf kann ein Teilschulderlass von 10 Prozent beziehungsweise 7500 Euro pro Einheit gewährt werden. Darüber hinaus sind Förderungen für altersgerechtes Umbauen möglich.


Autor

Dipl.-Ing. Jens Engel ist Produktmanager Fassadenschutz, Baudenkmalpflege und Energetische Instandsetzung bei der Firma Remmers Baustofftechnik in Löningen.

Durch das Fernhalten von Wasser gewinnt der imprägnierte Baustoff seinen ursprünglichen, niedrigen Wärmeleitfähigkeitswert zurück

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