Wohnen im Kloster

Liebe Leserinnen,

Liebe Leser,

Klöster wuchsen über die Jahrhunderte häufig zu kleinen Ortschaften heran. Zur Grundausstattung gehörten in der Regel die Kirche, ein Schlafsaal (Dormitorium), ein Versammlungsraum (Kapitelsaal) und ein Speisesaal (Refektorium) sowie ein Kreuzgang, der alles miteinander verband. Je nach Größe und Auftrag des Ordens kamen Gebäude für Laienbrüder (Konversen), ein Gästehaus oder Hospital sowie Werkstätten, Lagerhäuser, Brau- und Backhäuser hinzu. Die Tradition des Brauens ist noch heute in den Namen der Biermarken Paulaner und Franziskaner lebendig. Weniger bekannt – weil ohne Brau-tradition – ist der Orden der Zisterzienser. Deren Ursprungskloster ist das 1098 von Robert von Molesme und etwa 20 weiteren Mönchen gegründete Kloster Cîteaux. 1113 entstand in Frankreich bereits das erste Frauenkloster, das mit Cîteaux in Verbindung stand und die Lebensweise der Zisterzienser übernahm. Die Entwicklung der Frauenklöster war rasant: Anfang des 13. Jahrhunderts gab es bereits über 800 Frauenklöster, welche die Gebräuche von Cîteaux befolgten.

Das erste Zisterzienserkloster in Deutschland war das 1123 erbaute Kloster Kamp. Dieses gründete 1214 die ersten beiden Frauenklöster des Zisterzienserordens am Niederrhein in Saar bei Mühlheim und Mariensaal in Kaarst, das wenige Jahre später nach Eppinghoven bei Neuss verlegt wurde. Zu den am Niederrhein entstandenen Zisterzienserinnenklöstern gehört ebenfalls das 1238 erbaute Kloster Schweinheim bei Euskirchen.

Typisch für die Zisterzienser ist ihre asketische Strenge. Diese fand nicht nur in den Klosterregeln, sondern auch in der Architektur ihren Ausdruck. Daher sind Zisterzienserklöster an ihrem schmucklos-schlichten Erscheinungsbild leicht zu erkennen. Auch finden sich in den Klöstern in der Regel keine Wandbilder, Statuen oder aufwendige Verzierungen. Die Kirchen sind schlicht; oft wurde sogar auf Türme verzichtet; es findet sich zumeist nur ein Dachreiter zur Aufnahme einer kleinen Glocke.

Mit der Säkularisierung (1803) wurden viele der Zisterzienser- und Zisterzienserinnen-klöster aufgelöst und anschließend landwirtschaftlich (als Domäne) oder anderweitig privat genutzt. Man kann von Glück sagen, wenn im Zuge dieser Veränderungen zumindest die Kirche stehen gelassen wurde. Beim Zisterzienserinnenkloster Eppinghoven bei Neuss war dies seinerzeit leider nicht der Fall – so glaubte man zumindest zunächst. Wie ab Seite 18 in dieser Ausgabe der BAUHANDWERK in allen Einzelheiten zu sehen, war die Überraschung perfekt, als die Handwerker, Denkmalpfleger und Architekten beim Umbau des Südflügel einen Teil der verloren geglaubten Kirche entdeckten: Das ehemalige Seitenschiff hatte in Gestalt des Südflügels die Zeit überdauert. Die ursprünglich für diesen Flügel geplante Wohnnutzung bauten die Handwerker nach Plänen des Büros Bernhard Bramlage Architekten in den Westflügel ein. Auch im Zisterzienserinnenkloster Schweinheim in Euskirchen wird heute wieder gearbeitet und demnächst auch wieder gewohnt. Wie ab Seite 28 in diesem Heft im Detail zu sehen, passen die Handwerker momentan nach Plänen des Architekten und Bauherrn Frank Zurawski die Bausubstanz den heutigen Anforderungen an ein zeitgemäßes Wohnen an. Beide Zisterzienserinnenklöster zeigen, dass es sich sehr wohl im historischen Gemäuer hervorragend wohnen und arbeiten lässt – zum Glück nicht mehr unter den asketischen Bedingungen aus der Zeit der Zisterzienser.

 

Viel Erfolg bei der Arbeit wünscht Ihnen

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