Caparol verhilft der Malerbranche dank Roboter-Technologie zu mehr Effizienz

Nach Pinsel, Rolle und dem Airlessverfahren hält die Robotik Einzug ins Malerhandwerk. Erstmals präsentiert wurde der aktuelle Stand der Entwicklungsarbeiten von Caparol und dem israelischen Roboterhersteller Okibo auf der Messe BAU 2023 im April in München.

Zu den Pionierunternehmen der Branche, die den Concept-Roboter zum Laufen bringen und sich die Vorzüge der neuen Technologie zu Nutze machen, gehört die temps GmbH Malereibetriebe im niedersächsischen Neustadt. Mit ihren Standorten in Norddeutschland und den neuen Bundesländern zählt temps zu den größten Malerunternehmen Deutschlands. „Der Roboter ist noch in der Lehre. Die Probezeit hat er aber schon bestanden“, freut sich der geschäftsführende Gesellschafter Ulrich Temps über den bisherigen Verlauf der Testphase: „Die Effizienz lässt sich sicher noch weiter erhöhen, in der Summe ist das alles sehr vielversprechend.“ Seit rund fünf Monaten ist der Roboter im Einsatz – wie Pinsel, Rolle, die Airless-Spritz- und andere Maschinentechnik, derer sich das Familienunternehmen bedient. „Der Mensch im Handwerk ist durch nichts zu ersetzen. Schon gar nicht durch einen Roboter“, betont Ulrich Temps: „Doch manchmal kann er helfen.“ 

Mehr Zeit für neue Aufträge

Pilotphase gestartet: Das renommierte Malerunternehmen temps setzt den Beschichtungsroboter bereits auf seinen Baustellen ein Pilotphase gestartet: Das renommierte Malerunternehmen temps setzt den Beschichtungsroboter bereits auf seinen Baustellen ein
Foto: Caparol / Emanuel A. Klempa

Pilotphase gestartet: Das renommierte Malerunternehmen temps setzt den Beschichtungsroboter bereits auf seinen Baustellen ein
Foto: Caparol / Emanuel A. Klempa
Die Vorzüge sind offenkundig. Ob früh morgens oder spät am Nachmittag: Wenn die menschlichen Kräfte nachlassen, arbeitet das neue Teammitglied verlässlich, gleichbleibend exakt im gewählten Verfahren, stets verfügbar in konstant hoher Qualität – automatisch gesteuert von einem Operator. Wenn Arbeiten mit der neuen Technologie schneller verrichtet werden können, bleibt mehr Zeit für neue Aufträge. Während früher drei Mitarbeitende auf einer Baustelle tätig waren, soll es schon bald umgekehrt und damit wesentlich produktiver zugehen: Jeweils ein Mitarbeiter ist auf drei Baustellen mit Hilfe des Roboters zeitgleich im Einsatz – also maximale Effizienz.

So kann sich Robotik auch als hilfreich erweisen, um den Fachkräftemangel zu kompensieren, der sich noch verschärfen dürfte: Maler sind im Schnitt älter als 40 Jahre. In 17 Jahren geht die Hälfte der Beschäftigten in Rente. Als Operator oder „Malertroniker“ tätig zu werden, kann den Beruf indes attraktiver und so für Nachwuchskräfte interessant machen. Dass mühevolles Arbeiten über Kopf zu einem großen Teil vom Concept-Roboter ausgeführt werden kann, dient zudem der Gesundheit der Beschäftigten und gehört zu den weiteren Vorzügen der neuen Technologie.

Das Zusammenspiel aus Robotikarm und Sensorik verspricht einen konstanten Farbauftrag und eine hohe Präzision der Beschichtung ? und das auch am Ende eines langen Arbeitstages Der Roboter erreicht eine hohe Präzision der Beschichtung – und das auch am Ende eines langen Arbeitstages
Foto: Caparol / Emanuel A. Klempa

Der Roboter erreicht eine hohe Präzision der Beschichtung – und das auch am Ende eines langen Arbeitstages
Foto: Caparol / Emanuel A. Klempa
Damit tritt ein, was eine unlängst durchgeführte Befragung von Forsa im Auftrag des Bundesverbandes Farbe Gestaltung Bautenschutz ergeben hat. In der Studie äußerten sich mehr als 600 Maler und Lackierer über die Zukunft der Branche. Dabei waren 70 Prozent der Auffassung, dass im Jahr 2040 Roboter den Maler bei der Arbeit unterstützen und seine Leistung erhöhen. Ein Drittel der Befragten gab beim Zukunftsdialog an, dass Robotik bereits vor 2040 relevant wird. „Nicht zuletzt diese Resultate haben uns veranlasst, uns intensiver mit der Thematik zu befassen“, sagt Caparol-Geschäftsführer Guido Kuphal: „Wir wollen dem Maler helfen und gemeinsam mit dem Handwerk die Zukunft gestalten.“ 

Nach dem Nespri-Spritzverfahren kommt der Concept-Roboter

Für Nespri-TEC zum rationellen Beschichten im Spritzverfahren erhielten Caparol und der Spritzgerätehersteller Wagner 2005 den Bundesinnovationspreis. Nespri ist die erste und bis heute einzige Applikationstechnik, die im Spritzverfahren nebelfreies Arbeiten ohne Overspray ermöglicht. Nun ist mit dem Concept-Roboter der nächste Quantensprung in der Beschichtungstechnologie gelungen.

„Die Notwendigkeit zur Rationalisierung und Effizienzsteigerung in Handwerk und Industrie ist angesichts des ökonomischen Umfelds evident. Wenn man in einem solchen Umfeld als Hersteller und Handwerk bestehen will, bleibt einem keine andere Wahl, als seine Produktivität deutlich und kontinuierlich zu erhöhen“, weiß Caparol-Geschäftsführer Stefan Weyer: „Als enger Partner des Handwerks sehen wir eine unserer wichtigen Aufgaben darin, Handwerksbetriebe mit Produkten, Dienstleistungen und Innovationen zu den besten und effizientesten Unternehmen zu machen und sie auf dem Weg in die Zukunft zu begleiten.“ 

Mehr Freiraum für filigrane Handwerkskunst

Diesem Ziel dient auch der Concept-Roboter, der Malern monotone und kraftzehrende Tätigkeiten erleichtert und mehr Freiraum für filigrane, hochwertige Handwerkskunst bietet. Arbeit gibt es genug. Und nicht für jede kommt der Roboter gleichermaßen in Frage. Zudem gibt es Rahmenbedingungen, die erfüllt sein müssen, damit die Technologie genutzt werden kann. Dazu gehören zum Beispiel Höhenmaße, die 4 m nicht überschreiten dürfen. Auch hier gilt: Handwerkliche Arbeit gelingt nur mit Menschenhand, und genau die steuert die Aktivitäten des Roboters, der seine Stärken idealerweise auf großen und zusammenhängenden Flächen unter Beweis stellen kann. Prädestiniert sind nicht nur Tiefgaragen, Parkhäuser, Serverräume und Rechenzentren, Shopping-Center, Einzel- und Großhandelsflächen, Lager und Fabrikhallen sowie Tunnel und Unterführungen bis 4 m Höhe. Auch auf Teilflächen in Bürogebäuden, Hotels oder Krankenhäuser kann der Roboter zum Einsatz kommen, der sein Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft hat. Seine Fähigkeiten werden kontinuierlich verbessert, die Basisversion regelmäßig um neue Updates erweitert. Heute noch schwierige Geometrien wie Rundsäulen oder Unterzüge sollen schon bald zum festen Repertoire des Roboters zählen. 

Gemeinsame Projekte: Praxiserfahrung zählt

Gemeinsame Projekte mit dem Malerhandwerk sollen die Technologie nun vorantreiben und bei Tests weiterentwickeln. Dabei gehören die Koordination und Betreuung rund um den Einsatz des Roboters genauso zu den Aufgaben von Caparol wie die Logistik zu und von der Baustelle sowie Beschichtungen mit diversen Farben aus seinem Sortiment. Die Ausführung der Beschichtungsarbeiten erfolgt mit neuester Robotertechnik, bedient durch geschultes Personal von Okibo.

Das Zusammenspiel aus Robotikarm und Sensorik verspricht einen konstanten Farbauftrag und eine hohe Präzision der Beschichtung ? und das auch am Ende eines langen Arbeitstages Das Zusammenspiel aus Robotikarm und Sensorik verspricht einen konstanten Farbauftrag
Foto: Caparol / Emanuel A. Klempa

Das Zusammenspiel aus Robotikarm und Sensorik verspricht einen konstanten Farbauftrag
Foto: Caparol / Emanuel A. Klempa
Für den Malerbetrieb heißt es, ein Objekt mit mindestens 5000 m2 Wand- und Deckenfläche zu nennen, den Einsatz des Roboters mit allen Beteiligten (Auftraggeber) abzustimmen, die Materialien festzulegen und eine robotertauglich vorbereitete Baustelle inklusive Abdeck- und Abklebearbeiten zur Verfügung zu stellen. Der Aufwand dafür ist vergleichbar mit dem Einsatz von Airlessgeräten. Mitarbeiter des Malerbetriebs sorgen zudem dafür, die Flächen zu beschichten, die der Roboter heute noch nicht erreichen kann. Es ist also Teamwork gefragt, um voneinander zu lernen, und die Bereitschaft, Zeit in gemeinsame Projekte zu investieren. Sie dienen zunächst nicht der Umsatzsteigerung, sondern sollen den Weg ebnen, später von einer dann ausgereiften effizienten Technik zu profitieren.

 

Autor

Dr. Franz Dörner ist in der Presseabteilung der Firma Caparol in Ober-Ramstadt tätig.

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