„Das Studium verliert seinen Reiz“: Handwerk punktet mit Sicherheit und Perspektiven

„Das Handwerk symbolisiert Sicherheit. Betriebe haben derzeit gute Chancen, junge Leute anzuziehen. Denn das Studium verliert seinen Reiz“, ist Alexander Thieme, Mitgründer der A&M Unternehmerberatung in Hannover, überzeugt. Die Agentur hat sich auf die Handwerks- und Industriebranche spezialisiert und unterstützt Betriebe bei der Suche nach Fachkräften. Zudem setzt sie sich für eine bessere Vernetzung zwischen Firmen und Schulen ein.

„Wir erleben seit rund fünf Jahren einen Wandel. Immer mehr junge Menschen stellen das klassische Studium infrage. Unsichere Berufsaussichten, KI-Veränderungen und der Wunsch nach Sicherheit sorgen dafür, dass Ausbildungen im Handwerk wieder attraktiver werden“, so Alexander Thieme. Wer morgen schon von der Künstlichen Intelligenz ersetzt werden könnte, der suche eine stabile Zukunft mit klaren Perspektiven.

Handwerker: Beruf mit Sinnhaftigkeit

Alexander Thieme, Mitgründer der A&M Unternehmerberatung in Hannover, rät Handwerksbetrieben, Nachwuchskräfte über Social Media zu suchen
Foto: A&M Unternehmerberatung

Alexander Thieme, Mitgründer der A&M Unternehmerberatung in Hannover, rät Handwerksbetrieben, Nachwuchskräfte über Social Media zu suchen
Foto: A&M Unternehmerberatung
„Das Handwerk verkauft heute nicht mehr nur einen Beruf, sondern Sinnhaftigkeit und die Möglichkeit, schnell mit den eigenen Händen etwas aufzubauen“,  betont Thieme. Daher sei es jetzt umso wichtiger, als Handwerksbetrieb präsent zu sein. Aber weniger über klassische Jobbörsen als vielmehr über Social Media. „Handwerker müssen auffallen. Sie müssen zeigen, welche Projekte sie umsetzen, welche Persönlichkeiten im Team sind und was sie Azubis bieten“, fasst der Unternehmensberater zusammen.

Auf Job-Messen und in Schulen, beispielsweise bei der Berufsberatung, können Handwerkerinnen und Handwerker ihren Beruf vorstellen. Insbesondere Praktika sollten genutzt werden, um junge Menschen kennenzulernen und ihnen Einblicke in den Handwerksalltag zu geben. In diesem Punkt erlebe er noch sehr viel Zurückhaltung in manchen Gewerken.

Handwerksbetriebe müssen jetzt aktiv werden

Handwerkliche Berufe punkten mit Sinnhaftigkeit und Sicherheit. Das Studium verliert seinen Reiz
Foto: Los Muertos Crew, Cristian Rojas / Pixabay

Handwerkliche Berufe punkten mit Sinnhaftigkeit und Sicherheit. Das Studium verliert seinen Reiz
Foto: Los Muertos Crew, Cristian Rojas / Pixabay
Während es mittlerweile viele Influencerinnen und Influencer bei den Dachdeckern gebe und dort etliche Betriebe in junge Hände übergegangen seien, sieht Thieme starken Nachholbedarf bei Fassadenbauern und Maurern. „Diesen Bereichen hängt leider der Ruf nach, dass dort weniger Fachwissen erforderlich sei. Wohingegen Schreiner, Tischler und Fliesenleger ein höheres Ansehen genießen. Solche Vorurteile müssen Handwerker jetzt aktiv angehen!“

Laut Dekra-Arbeitsmarktreport 2026 sind Maler, Lackierer, Schreiner, Trockenbauer, Fliesenleger und Fußbodenleger die Top-5-Berufe im Bereich Ausbau. In diesen Tätigkeitsbereichen suchen Arbeitgeber derzeit die meisten Fachkräfte. Mehr als sieben von zehn Jobangebote entfallen auf Maler und Schreiner. 

Der Dekra-Arbeitsmarktreport 2026 zeigt die 5-Top-Jobs im Handwerk im Bereich Bau

Grafik: Dekra Akademie

Der Dekra-Arbeitsmarktreport 2026 zeigt die 5-Top-Jobs im Handwerk im Bereich Bau
Grafik: Dekra Akademie
In der Sparte Bau liegen Bauhelfer, Maurer, Betonbauer, Dachdecker und Bauklempner an den ersten 5 Plätzen. Für den Arbeitsmarktreport hat die Dekra 9.301 Stellenangebote ausgewertet.

Handwerk ist größter Ausbildungsbereich

Ein Blick in den Berufsbildungsbericht 2026 der Bundesregierung zeigt: Im Handwerk wurden 2025 bundesweit 135.540 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das war ein leichter Anstieg um 488 gegenüber 2024 (plus 0,4 Prozent). Das Handwerk stellt damit knapp 29 Prozent aller neuen Ausbildungsverträge und ist nach wie vor einer der größten Ausbildungsbereiche Deutschlands. 

Allerdings klafft im Handwerk immer noch eine große Lücke. 16.000 Lehrstellen im Handwerk blieben zum 30. September 2025 unbesetzt. „Das sind zu viele Bildungs- und Karrierechancen, die ungenutzt bleiben“, kommentiert Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), diese Entwicklung. Er fordert Maßnahmen, um diese Passungsprobleme zu beheben, etwa durch eine Ausweitung der Berufsorientierung auf alle Klassen der Sekundarstufe I und eine stärkere Ausrichtung auf die Praxis im Handwerk. Gleichzeitig müssten Grundkompetenzen gestärkt werden: „Lerndefizite junger Menschen gefährden immer häufiger die Aufnahme einer Ausbildung und den Prüfungserfolg“, so Schwannecke.

Autorin

Michaela Podschun ist Redakteurin der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

Die Ergebnisse des Dekra-Arbeitsmarktreports 2026 finden sich unter www.dekra-arbeitsmarktreport.de

Mehr Infos zur A&M Unternehmerberatung GmbH: www.am-beratung.de

Den Berufsbildungsbericht 2026 gibt es hier !

 

 

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