Sanierung der Waschbetonfassade der denkmalgeschützten Braunschweiger Stadthalle

Bis zu ihrer Wiedereröffnung im Jahr 2028 stellt die Sanierung der Stadthalle Braunschweig die beteiligten Gewerke vor enorme Herausforderungen. Besonders die denkmalgerechte Instandsetzung der Waschbetonfassade im Stil des Brutalismus ist von zentraler Bedeutung für den Gesamteindruck.

Seit vergangenem Jahr herrscht Baustellenbetrieb auf dem Gelände der Braunschweiger Stadthalle. Bis 2028 wird das denkmalgeschützte Multifunktionsgebäude im Brutalismus-Stil zu einer „State-of-the-Art“-Kongress- und Veranstaltungshalle, die höchste Ansprüche an Zukunftsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz mit denkmalgerechter Modernisierung und erhöhter Wirtschaftlichkeit vereinen soll. Eine der zentralen Herausforderungen des Denkmalschutzes ist dabei die Sanierung der Waschbetonfassade. Für die wurden die Architekten Woelk Wilkens von hochspezialisierten Betontechnologen des Braunschweiger Start-ups Lowke Schiessl Ingenieure unterstützt.

Stück für Stück wird die Waschbetonfassade der denkmalgeschützten Stadthalle in Braunschweig mit Hilfe eines Krans demontiert
Foto: Struktur-Förderung Braunschweig

Stück für Stück wird die Waschbetonfassade der denkmalgeschützten Stadthalle in Braunschweig mit Hilfe eines Krans demontiert
Foto: Struktur-Förderung Braunschweig
Anfang Mai 2025 wurden die ersten Waschbetonplatten von der Fassade abgenommen. Eine der größten Herausforderungen sind die mit PCB-belasteten Fugen. Diese werden vor der Demontage und Reinigung aufwendig per Hand unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen entfernt, um die Platten nicht zu beschädigen. Der straffe Zeitplan sieht vor, bis zu 20 der großformatigen maßgefertigten Platten pro Tag abzunehmen. Dazu werden zunächst die Fugen streifenweise herausgeschnitten, um danach die Platten von oben nach unten aus den Verankerungen zu heben und auf speziell angefertigte Lagerböcke zu verladen. Um sie nach der Sanierung wieder an die exakt gleiche Position bringen zu können, muss jede Platte seitlich nummeriert werden.

Lagerung der Platten in der „Feldfabrik“

Die weitere Bearbeitung der Platten erfolgt direkt neben der Stadthalle. Dort entsteht unterhalb des Parkdecks der Stadthalle eine „Feldfabrik“ zur Lagerung der Platten. So entsteht ein effizienter Prozess, der Zeit und vor allem Transportwege spart und beispielhaft für die nachhaltige Sanierung eines besonders dauerhaften Materials ist.

Aufarbeitung wie bei Fresken

Hannes Stangl von der Firma Betonretusche bereitet die Mörtelmischung für die Instandsetzung der Waschbetonplatten vor
Foto: Struktur-Förderung Braunschweig

Hannes Stangl von der Firma Betonretusche bereitet die Mörtelmischung für die Instandsetzung der Waschbetonplatten vor
Foto: Struktur-Förderung Braunschweig
Sind die Fugenreste entfernt, steht die umfassende Aufarbeitung an. Dazu werden die Platten mit einem fein abgestimmten Wasserdruck gereinigt, der den optischen Originaleindruck im Sinne des Denkmalschutzes nicht beeinträchtigt. Sollten Platten beschädigt sein, werden die Spezialisten für Betonkosmetik der Firma Betonretusche aus Langenbach aktiv: Bei der Sanierung der Waschbetonplatten stehen Farbe, Körnung, Siebung, möglichst ähnlicher Ausgangskies, Aufbau der Platten und Witterungsbeständigkeit im Fokus. Ähnlich vorsichtig wie bei der Restaurierung von Wandbildern in einer Kirche wird in Freskotechnik mit einer eigens entwickelten Farbmischung aus spezifischen anorganischen Pigmenten gearbeitet. Dabei werden Alterungs- und Witterungseffekte behutsam berücksichtigt.

Auch die enthaltenen Kiesel, die mit ihren zwei unterschiedlichen Farbtönen in Hellgrau und Ocker das typische Erscheinungsbild der Stadthalle prägten, müssen in Farbe, Herkunft, Siebgrad und Steinstruktur passen. Dazu wurden Kieselsteine ähnlicher Herkunft recherchiert, die allen Kriterien entsprechen und dem ursprünglichen „Frechener Quarz“ sehr ähnlich sind.

Nachhaltig ertüchtigt, denkmalgerecht saniert

Der Mörtel wird sorgfältig in die Oberfläche eingearbeitet, damit sich die ergänzten Bereiche möglichst unauffällig in den Bestand einfügen
Foto: Struktur-Förderung Braunschweig

Der Mörtel wird sorgfältig in die Oberfläche eingearbeitet, damit sich die ergänzten Bereiche möglichst unauffällig in den Bestand einfügen
Foto: Struktur-Förderung Braunschweig
Der aufwendige Sanierungsprozess bietet gleichzeitig die Chance, die Stadthalle an aktuelle Energieeffizienzanforderungen anzupassen. Hinter den abgenommenen Platten kann die bisher ungedämmte Halle dann umfassend energetisch ertüchtigt werden.

Geleitet wird das Projekt von Natascha Wessling, Geschäftsführerin der Hochbau-Sparte der Struktur-Förderung Braunschweig GmbH, die mit ihrem Team aus Expertinnen und Experten die Arbeit der verschiedenen, hochspezialisierten Partnerunternehmen koordiniert. „Die Sanierung der Waschbetonplatten ist ein 3D-Puzzle, das aber neben allen Herausforderungen auch große Chancen bietet. Die Stadthalle wird zu einem Modellbeispiel, das zeigt, wie nachhaltige Instandsetzung, wirtschaftlicher Betrieb und denkmalgerechte Sanierung in der heutigen Zeit zusammengehen können“, so Wessling.

Autor

Jens Müller arbeitet im Bereich Consulting & Communication für das PR-Büro „Profil PR“ in Braunschweig.

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