Transporter mit Lkw-Genen

Der Iveco „Daily“ im bauhandwerk-Praxistest: Lkw-Technik und moderne Ausstattung

Der Iveco „Daily“ gehört seit Jahren zu den robustesten Transportern seiner Klasse und orientiert sich stark am Lkw. In der aktuellen Generation hat der Hersteller Assistenzsysteme und Ausstattung deutlich aufgewertet. Wir haben den 3,5-Tonner auf Fahrverhalten, Verbrauch und Praxistauglichkeit getestet.

Der „Daily“ gilt seit jeher als der Lkw unter den Transportern. Daran hat sich auch in der aktuellen Generation nichts geändert – allerdings bietet das Fahrzeug heute deutlich mehr Komfort, moderne Assistenzsysteme und eine zeitgemäße Ausstattung. Der Wagen ist inzwischen in der siebten Generation auf der Straße. Er wird  seit 1978 in Italien gebaut und ist von der 3,5- bis zur 7-Tonnen-Klasse erhältlich. Für unsere Testfahrt stand der Kastenwagen der 3,5-Tonnen-Klasse zur Verfügung.

Iveco baut schwere Lkw, die mittelschweren „Eurocargo“-Modelle und den „Daily“. Entsprechend orientiert sich der Transporter stärker am klassischen Nutzfahrzeug als an einem Pkw oder einem leichten Lieferwagen. Die robuste Verarbeitung, die blattgefederte Hinterachse des Hecktrieblers, der hohe Einstieg und die erhöhte Sitzposition verleihen ihm einen eigenständigen Charakter. Haltegriffe an Heck und Schiebetür erleichtern den Einstieg und unterstreichen den konsequenten Nutzfahrzeugansatz.

Kräftiger Motor für den Arbeitsalltag

Angetrieben wurde das Testfahrzeug von einem 3,0-Liter-Reihenvierzylinder-Turbodiesel mit 129 kW (175 PS). Zur Ausstattung gehören eine Common-Rail-Einspritzung, die Abgasnachbehandlung mit AdBlue sowie das Achtgang-Automatikgetriebe „Hi-Matic“. Das maximale Drehmoment beträgt 430 Nm, die Höchstgeschwindigkeit ist auf 160 km/h begrenzt.

Schon bei niedrigen Drehzahlen stellt der Motor seine Kraft zur Verfügung. Vor allem mit Beladung oder an Steigungen macht sich das hohe Drehmoment positiv bemerkbar. Die Leistungsentfaltung wirkt gleichmäßig und souverän, wodurch auch längere Autobahnfahrten angenehm bleiben. Trotz seiner Größe fährt sich der „Daily“ im Stadtverkehr überraschend handlich. Die Lenkung arbeitet präzise, der Wendekreis von 12,7 m ist für diese Fahrzeugklasse angemessen.

Auch bei höheren Geschwindigkeiten hinterlässt der Transporter einen sicheren Eindruck. Selbst Seitenwind bringt ihn kaum aus der Ruhe. Das straff abgestimmte Fahrwerk sorgt für eine hohe Fahrstabilität und kommt der Ladungssicherheit zugute. Auf schlechten Straßen oder unebenem Untergrund macht sich diese Abstimmung allerdings durch etwas geringeren Federungskomfort bemerkbar.

Mehr Komfort als früher

Im Innenraum setzt der „Daily“ weniger auf  hochwertige Materialien als auf Robustheit und Alltagstauglichkeit. Die Verarbeitung wirkt solide und auf den gewerblichen Einsatz ausgelegt. Dank der erhöhten Sitzposition behält der Fahrer das Verkehrsgeschehen jederzeit gut im Blick.

Im Vergleich zu früheren Modellgenerationen hat Iveco die Ausstattung deutlich erweitert. Zum Testfahrzeug gehörten unter anderem ein Infotainmentsystem mit Touchscreen, Bluetooth-Konnektivität, induktive Ladeschale für Smartphones sowie zahlreiche Assistenzsysteme. Dazu zählen Müdigkeitswarnsystem, Spurhalte-
assistent,Verkehrszeichenerkennung, Abstandsregeltempomat, intelligenter Stauassistent, Fahrspurzentrierung, Spurwechselassistent mit Türöffnungswarner, Querverkehrswarner, Abbiegeassistent und Notbremsfunktion. Praktische Ablagen, USB-Anschlüsse und eine übersichtlich gestaltete Armaturentafel erleichtern den Arbeitsalltag zusätzlich.

Verbrauch im erwartbaren Rahmen

Auf den Teststrecken lag der Dieselverbrauch zwischen 8,5 und 9,5 Litern pro 100 Kilometer. Für ein Fahrzeug dieser Größe und Leistungsklasse ist das ein guter Wert. Im Stadtverkehr steigt der Verbrauch erwartungsgemäß an, während auf  längeren Überland- oder Autobahnfahrten auch Werte unter acht Litern möglich sind.

Die Abgasnorm Euro VI E erfüllt der Motor mithilfe der AdBlue-Abgasnachbehandlung. Außerdem kann der „Daily“ unter bestimmten Voraussetzungen auch mit den alternativen Kraftstoffen HVO und GTL betrieben werden.

Im Alltag zahlt sich vor allem das hohe Drehmoment aus. Da häufig mit niedrigen Drehzahlen gefahren werden kann, wirkt sich dies positiv auf den Kraftstoffverbrauch aus. Gleichzeitig reduziert die moderne Motorentechnik die Emissionen.

Großer Laderaum

Der Iveco „Daily 35S18HA8 V“ (3,5 t) darf mit dem Pkw-Führerschein der Klasse B gefahren werden. Unterschiedliche Radstände, Aufbauvarianten und Ausbaumöglichkeiten machen ihn für zahlreiche Einsatzzwecke interessant.

Das Testfahrzeug bietet ein Ladevolumen von 12 m³ bei einer Laderaumlänge von 3,5 m, einer Breite von 1,8 m und einer Höhe von 1,9 m. Die Nutzlast gibt Iveco mit 901 kg an. Dank der nahezu rechteckigen Ladefläche lässt sich der Laderaum gut nutzen. Verzurrösen und optionale Schienensysteme erleichtern die Ladungssicherung.

Fazit

Der Iveco „Daily“ bleibt seiner Linie treu. Er fährt sich eher wie ein leichter Lkw als wie ein klassischer Transporter und spielt seine Stärken überall dort aus, wo Robustheit, Zuladung und Haltbarkeit gefragt sind. Gleichzeitig hat Iveco Komfort und Ausstattung deutlich verbessert. Moderne Assistenzsysteme, ein kräftiger Motor und das gut abgestimmte Automatikgetriebe sorgen für angenehmes Fahren.

Mit einem Einstiegspreis ab 44 328 Euro brutto (je nach Motorisierung und Ausstattung) positioniert sich der „Daily“ im Wettbewerbsumfeld. Das umfangreich ausgestattete Testfahrzeug lag bei knapp 90 000 Euro brutto. Gewerbekunden erhalten beim Kauf üblicherweise deutliche Nachlässe.

Autor

Dipl.-Betriebswirt (FH) Jens Kathmann ist freier Journalist, lebt und arbeitet in Karlsruhe und führt regelmäßig Nutzfahrzeugetests für die Redaktionen bauhandwerk und dach+holzbau durch.

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