Vom Sanierungsplan zum Auftrag
Wie Handwerksbetriebe von der energetischen Sanierung profitierenDie energetische Modernisierung von Gebäuden bietet Handwerkern ein großes Auftragspotenzial.
Doch Hauseigentümer müssen passende Betriebe finden und Fördermöglichkeiten kennen.
Eine Plattform zur Energiewende, Fördermittelservices und Energieberater können dabei unterstützen.
In einer YouGov-Umfrage im Auftrag des Bundesverbands Solarwirtschaft sprachen sich 68 Prozent dafür aus, dass die Bundesregierung die Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten und Speichern durch einen verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien reduziert. 78 Prozent empfanden die Importabhängigkeit sogar als bedrohlich.
Die Deutsche Sanierungsberatung (dsb) setzt genau dort an: Handwerksbetriebe und sanierungswillige Kunden werden direkt zusammengebracht. Das Start-up aus Berlin baut seit 2024 eine spezielle Plattform auf und bietet einen Rundum-Service. Sanierungsprojekte werden geplant, Fördermöglichkeiten ausgelotet und Handwerksbetriebe können sich direkt für Aufträge bewerben. „Die Realität sieht meistens so aus: Kunden holen mehrere Kostenvoranschläge ein und versuchen, geeignete Handwerker zu finden. Das kostet Zeit. Denn wenn einer den Zuschlag erhält, geht der andere Betrieb leer aus“, sagt Adrian Stürken, Head of Platform bei der Deutschen Sanierungsberatung.
Gewerbeoffen und herstellerunabhängig
Auf der Plattform hingegen finde eine gezielte Vermittlung statt. Die Vorarbeit, also die Beratung des Kunden und die Planung der Sanierung, übernimmt die Deutsche Sanierungsberatung. „Wir sind gewerkeoffen und herstellerunabhängig“, betont Adrian Stürken. Mittlerweile gehören 100 Berater zum Team, darunter Energieberater, Architekten und erfahrene Handwerker aus verschiedenen Gewerken.
Anhand von Grundrissen, Energieausweisen und Fördermöglichkeiten ergibt sich der Sanierungsfahrplan für ein Gebäude. Betriebe hinterlegen einmalig Preise und ihren Umkreis und nehmen automatisiert an der Vergabe von Aufträgen teil. Nach Zuschlag erhalten sie fertig geplante Projekte, inklusive Auftragsmanagement und Baustellentagebuch. Abgedeckt sind unter anderem PV, Wärmepumpe, Fassaden- und Dachdämmung, Einblasdämmung, Fenstertausch und Dämmung der obersten Geschossdecke.
Der komplette Auftrag im Dashboard
Die umgesetzten Aufträge haben sich bei der dsb nach eigenen Angaben über alle Maßnahmen hinweg seit Jahresbeginn verdoppelt. Über 250 Betriebe nutzen das Portal, über 10 000 Hausbesitzer sind beraten worden. Für Adrian Stürken ist das ein sehr gutes Ergebnis. Denn es zeige, dass Sanierungen trotz aller Bürokratie schnell laufen können. „Wir möchten den Zugang zu energieeffizienten Lösungen für jeden Hausbesitzer erleichtern. Und das geht am besten durch gezielte Vernetzung und Transparenz.“ Im Dashboard finden sich Kundenkontakte, terminierte Begehungen, der geplante Baubeginn und später dann die einzelnen Baufortschritte. Kunden und Handwerker haben jeweils eigene Zugänge und damit das komplette Projekt im Blick.
„Handwerksbetriebe erhalten zusätzliche Statistiken und können beispielsweise sehen, wie viele Aufträge sie gewonnen haben und welchen Gesamtwert sie erzielt haben. Außerdem wird sichtbar, wieviele Aufträge sie nicht bekommen haben“, erklärt Stürken. Bauherren zahlen für die Erstellung von individuellen Sanierungsfahrplänen (iSFP). Die Kosten hängen von der Größe und Komplexität der Immobilie ab, können aber teilweise über BAFA-Fördermittel gedeckt werden.
Wichtig für interessierte Betriebe ist, dass sie die Anforderungen der dsb erfüllen. Dazu gehören die Spezialisierung auf eine Leistung, beispielsweise Dämmung, Fenstertausch oder Wärmepumpe sowie Erfahrungsnachweise und eine Gewerbeanmeldung. Außerdem muss die Firma ein Meisterbetrieb sein. „Der Fokus liegt auf der Vermittlung lokaler Aufträge, um kurze Wege zu garantieren. Die Vergütung erfolgt zwischen dem Kunden und der Handwerksfirma. Da halten wir uns heraus“, so Stürken.
febis-Fördermittelservice
Den energetischen Sanierungsstau möchte auch der febis-Fördermittelservice abbauen. Seit 1999 beschäftigt sich die febis Service GmbH aus Hattersheim am Main mit Fördertöpfen. Der privatwirtschaftliche Fördermittel- und Informationsdienstleister unterstützt Hauseigentümer dabei, Modernisierungen wirtschaftlich sinnvoll umzusetzen. Auch Handwerksbetriebe nutzen die Hilfestellung, um ihre Kunden besser beraten zu können. Der Fördermittelservice bringt Handwerker und Kunden also nicht vorab zusammen. Diese müssen sich selbst finden. Er bietet aber die Erstellung von Sanierungsfahrplänen. Dafür zahlen die Bauherren. Die Energieberatung wird staatlich bezuschusst, so dass beim Eigentümer nur ein Eigenanteil verbleibt. Grundlage für die Förderberatung ist die unabhängige und lizenzierte Förderdatenbank foerderdata.de. Sie bündelt Informationen zu über 15 000 Förderprogrammen von Bund, Ländern, Kommunen und Energieversorgern in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
„Rund 19 Millionen Öl- und Gasheizungen sind noch im Betrieb. Knapp 18 Prozent der Heizungen wurden vor 1995 eingebaut und sind damit mindestens 30 Jahre alt“, machte Martin Kutschka, febis-Gründer und Energieeffizienz-Experte, auf dem Allgäuer Baufachkongress im Januar in Oberstdorf den Modernisierungs-Stau deutlich. Und dieser wird teuer. Beispiel: veraltete Heizung. Zusätzlich zu den Heizkosten steige die CO2-Abgabe kontinuierlich. Bei einem unsanierten Einfamilienhaus mit 160 Quadratmetern Wohnfläche, Baujahr 1969 und Ölheizung könnten sich die zusätzlichen CO2-Kosten nach einer von febis vorgestellten Beispielrechnung je nach Entwicklung des CO2-Preises bis 2030 auf bis zu 8200 Euro summieren. Bis 2044 könnten es im höchsten der betrachteten Preisszenarien insgesamt 48 000 Euro sein.
Für Handwerk und Handel ergebe sich ein riesiger Markt. Für Betriebe könne es sich daher lohnen, sich mit den Fördermöglichkeiten auseinanderzusetzen, um ihre Kunden entsprechend beraten zu können. Febis hilft bei der Kundenansprache und bietet eine Vertriebsunterstützung. Mit dem Energiesparrechner kann eine Sanierungsmaßnahme simuliert werden und Fördermöglichkeiten lassen sich online abrufen. „Kunden entscheiden sich dann gezielter für Investitionen. Im Kundengespräch lassen sich direkt mehrere Optionen durchspielen“, sagt Martin Kutschka.
Weiterbildung zum Energieberater
Wer noch einen Schritt weitergehen möchte und sich als entsprechend qualifizierter Handwerksmeister zum Energieberater weiterbilden lassen möchte, der kann sich an die bundesweite Interessenvertretung der Energieberatenden (GIH) in Berlin wenden. Die Landesverbände bieten eine Grundausbildung zum Gebäudeenergieberater (HWK-zertifiziert) an, die Prüfung erfolgt beispielsweise über eine Handwerkskammer. Die Energieeffizienz-Expertenliste wird von der dena geführt, ist aber auch über die GIH-Website abrufbar. Der GIH engagiert sich zudem nach eigenen Angaben auf politischer Ebene für klare Qualitätsstandards, einheitliche Förderprogramme und die offizielle Anerkennung des Berufs Energieberater.
Infos: www.deutsche-sanierungsberatung.de; www.fe-bis.de und www.gih.de
AutorinMichaela Podschun ist Redakteurin der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.
