Warum erdberührte Bauwerksabdichtung nur im System sicher funktioniert

Viele Abdichtungsschäden entstehen unter anderem durch nicht aufeinander abgestimmte Aufbauten. Dieser Beitrag zeigt, warum Systemdenken im Bautenschutz (mit)entscheidend ist – für die Qualität der Ausführung und für den Betrieb.

Abdichtungsschäden an erdberührten Bauteilen gehören zu den folgenreichsten Schadensfällen – und zeigen sich oft erst Jahre nach der Ausführung. Viele dieser Schäden entstehen nicht allein durch mangelnde Sorgfalt, sondern auch durch nicht aufeinander abgestimmte Aufbauten. Werden Produkte verschiedener Systeme kombiniert, die nicht füreinander konzipiert sind, kann das Folgen für die Qualität der Ausführung, die Gewährleistung und den dauerhaften Schutz des Bauwerks haben. Der Einsatz abgestimmter und bewährter Systeme schafft Planungssicherheit und reduziert Ausführungsfehler.

Wasserbeanspruchungsklasse entscheidet – und wird häufig unterschätzt

Welche Wasserbeanspruchungsklasse vorliegt, bestimmt den gesamten Systemaufbau – eine sorgfältige Einstufung nach DIN 18 533 ist daher unverzichtbar
Foto: Saint-Gobain Weber

Welche Wasserbeanspruchungsklasse vorliegt, bestimmt den gesamten Systemaufbau – eine sorgfältige Einstufung nach DIN 18 533 ist daher unverzichtbar
Foto: Saint-Gobain Weber
Die mögliche Abdichtungsbauart und das geeignete System werden anhand der Wasserbeanspruchung, der Einbindetiefe in den Baugrund sowie der Art, Tragfähigkeit und Feuchtegehalt des Untergrunds festgelegt. Insbesondere die Frage nach der Wasserbelastung wird dabei in der Praxis häufig zu schnell beantwortet. Die DIN 18 533 „Abdichtung von erdberührten Bauteilen“ definiert klare Wasserbeanspruchungsklassen – von Bodenfeuchte und nicht drückendem Wasser (W1-E) über drückendes Wasser (W2-E) bis hin zu Spritzwasser am Wandsockel (W4-E). Für eine korrekte Einstufung werden neben dem Bemessungswasserstand und Details zur Bodenart auch die Einbindetiefe sowie die Möglichkeit zur Dränung zugrunde gelegt. 

Fehlen diese Informationen, sollten Handwerksbetriebe im Zweifel ein Bodengutachten einfordern. Denn eine falsche Einstufung zieht zwangsläufig falsche Folgeentscheidungen nach sich. Aufeinander abgestimmte Abdichtungssysteme müssen für definierte Wasserbeanspruchungen geprüft sein und ihre Eignung durch Verwendbarkeitsnachweise, etwa Leistungserklärungen oder allgemeine bauaufsichtliche Prüfzeugnisse (AbP), belegen.  Dies kann die Planungs- sicherheit gegenüber einem individuell zusammen­gestellten Aufbau erhöhen.

Der Systemaufbau: Jede Schicht hat eine Funktion

Ein abgestimmter Systemaufbau berücksichtigt jeden Übergang – vom Sockelbereich bis zur Flächenabdichtung. Nur wenn alle Komponenten aufeinander abgestimmt sind, ist ein dauerhafter Schutz des Bauwerks gewährleistet 
Grafik: Saint-Gobain Weber

Ein abgestimmter Systemaufbau berücksichtigt jeden Übergang – vom Sockelbereich bis zur Flächenabdichtung. Nur wenn alle Komponenten aufeinander abgestimmt sind, ist ein dauerhafter Schutz des Bauwerks gewährleistet 
Grafik: Saint-Gobain Weber
Ein vollständiger Systemaufbau hat eine logische Abfolge. Auf eine fachgerechte Untergrundvorbereitung folgen Grundierung, Kratzspachtelung und Detailausbildung. Anschließend kommt die Abdichtung, auf die schließlich Schutz- und Folgelagen aufgebracht werden. Jede Schicht erfüllt eine definierte Aufgabe und ist auf die nächste abgestimmt. Daher ist beim Kombinieren von Produkten aus verschiedenen Systemen Vorsicht geboten. Innerhalb eines Systems übernehmen die einzelnen Produkte bestimmte Funktionen, wobei sich die Systemaufbauten je nach Hersteller unterscheiden können. Bei manchen Systemen ist die Haftbrücke bereits in der Abdichtungsmasse integriert, bei anderen ein separates Produkt. Wird dies nicht berücksichtigt, können Ausführungsfehler und daraus resultierende Schäden entstehen.

Die beschriebenen Grundsätze gelten nicht nur für den Neubau. Auch bei der nachträglichen Außenabdichtung im Sanierungsfall – geregelt durch das WTA-Merkblatt 4-6-24/D „Nachträgliches Abdichten erdberührter Bauteile“ – greifen dieselben Prinzipien. Je nach System können Abdichtungsprodukte auch auf vorhandenen Altabdichtungen eingesetzt werden. Die jeweiligen Vorgaben zur Untergrundprüfung und -vorbereitung müssen dabei beachtet werden.

Schnittstellen: Die kritischen Punkte im Aufbau

An Sockeln, Boden-/Wandanschlüssen, Durchdringungen und Fugen entstehen die meisten Schwachstellen – hier treffen unterschiedliche Untergründe, Produkte, Bewegungen und Belastungen aufeinander. Produkte aus verschiedenen Systemen passen an diesen Übergängen oft nicht zusammen, weil Haftung, Verformbarkeit und Verträglichkeit systemspezifisch aufeinander abgestimmt sind.

Als Hohlkehlenmörtel empfiehlt sich beispielsweise „weber.tec 933“
Foto: Saint-Gobain Weber

Als Hohlkehlenmörtel empfiehlt sich beispielsweise „weber.tec 933“
Foto: Saint-Gobain Weber
Ein typisches Beispiel ist der Boden-/Wandanschluss: Hier wird eine Hohlkehle ausgebildet, die verhindert, dass rückwärtige Feuchtigkeit die Flächenabdichtung in der Erhärtungsphase beschädigt. Je nach Systemvorgabe eignet sich hierfür beispielsweise ein mineralischer Hohlkehlenmörtel (Dichtspachtel) wie „weber.tec 933“. Der schwindkompensierte Werktrockenmörtel wird frisch in frisch in einer Haftbrücke aus schlämmfähig angerührtem Material hergestellt. 

Für die Flächenabdichtung selbst stehen je nach Systemaufbau und Lastfall unterschiedliche Abdichtungsstoffe zur Verfügung, darunter kunststoffmodifizierte Bitumendickbeschichtungen (PMBC) oder bitumenfreie Reaktivabdichtungen wie „weber.tec Superflex D 24“, die als geprüfte Systemprodukte die normativen Anforderungen erfüllen.

Wichtiges Detail: Sockelanschluss

Die Reaktivabdichtung „weber.tec Superflex D 24“ trocknet innerhalb von 24 Stunden
Foto: Saint-Gobain Weber

Die Reaktivabdichtung „weber.tec Superflex D 24“ trocknet innerhalb von 24 Stunden
Foto: Saint-Gobain Weber
Ein weiteres kritisches Detail ist der Sockelanschluss. Die Abdichtung muss die Bauteile am Übergang zur spritzwasserbeaufschlagten Sockelzone überlappend „unterfahren“, damit an der Fassade ablaufendes Wasser nur auf oder vor die Abdichtung gelangen kann. Je nach Wandaufbau ist dabei ein Materialwechsel erforderlich – etwa wegen geforderter Überputzbarkeit oder spezifischer Haftungseigenschaften. Ein systemerprobtes Produkt ist für genau diese Situation geprüft. Bei einschaligem Mauerwerk beispielsweise bildet PMBC keinen tragfähigen Untergrund für gängige Putzschichten. Hier empfiehlt sich eine bitumenfreie Reaktivabdichtung wie „weber.tec Superflex D 24“, die von etwa 20 cm unter bis etwa 30 cm über die Geländeoberkante direkt auf das Mauerwerk aufgetragen wird. Die Flächenabdichtung erfolgt anschließend mindestens 10 cm überlappend von unten bis zur Geländeoberkante beziehungsweise Unterkante des späteren Putzsystems.

Schutz, Dränung, Dämmung: Der Abschluss des Systems

Ohne geeignete Schutzlage kann die Abdichtung durch mechanische Belastungen beschädigt werden. Schutzlagen-Drainagematten und Perimeterdämmplatten sind daher keine optionalen Ergänzungen, sondern feste Bestandteile eines abgestimmten Systemaufbaus. Sie werden erst nach vollständiger Durchtrocknung der Abdichtung aufgebracht. Geeignet sind  mehrlagige bahnenförmige, vlieskaschierte Schutzmatten aus Kunststoff mit Lastverteilungsschicht und Filtervlies, die gleichzeitig als filterstabile Dränmatte nach DIN 4095 fungieren. 

Zugelassene Perimeterdämmplatten werden punktförmig, ab Wasserbeanspruchungsklasse W2.1-E vollflächig, auf der Abdichtung verklebt. Die anschließende scherspannungsfreie Verfüllung der Baugrube liegt außerhalb des eigentlichen Systemaufbaus, beeinflusst dessen Integrität aber direkt – eine enge Abstimmung zwischen den beteiligten Gewerken ist daher empfehlenswert.

Nutzen für den Betrieb

Geprüfte, aufeinander abgestimmte Systemaufbauten können das Risiko von Reklamationen und Gewährleistungsfällen reduzieren und die Planungs- und Ausführungssicherheit erhöhen. Im Kunden-
gespräch und insbesondere im Schadensfall erleichtert ein dokumentierter Systemaufbau zudem die Nachvollziehbarkeit der ausgeführten Abdichtung. Bauwerksabdichtung ist also mehr als die Summe ihrer Produkte. Wer im System denkt, plant und arbeitet, schützt nicht nur das Bauwerk – sondern auch den eigenen Betrieb.

Autor

Andy Bödecker ist Leiter der Anwendungstechnik Bauchemie bei der Saint-Gobain Weber GmbH in  Düsseldorf.

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