Umbau eines Siedlerhauses in der Uckermark mit Erschließungskern aus Ziegeln
In einer kleinen Ortschaft im Nordosten der Uckermark baute das Berliner Büro Klöpfel Zeimer Architekten ein Siedlerhaus aus den frühen 1950er Jahren um. Im Zentrum des Hauses befindet sich nun ein Erschließungskern aus Ziegeln, der die Geschosse gliedert.
Die Gartenseite des Hauses nach Abschluss der Umbauarbeiten
Foto: Schnepp Renou
Die Bauherren stießen bei der Suche nach einem Zweitwohnsitz im Brüssower Ortsteil Battin, einer kleinen Ortschaft im Nordosten der Uckermark, auf ein Siedlerhaus aus den frühen 1950er Jahren. Das Haus wirkte von außen recht verbaut. Und auch im Inneren wurde schnell klar, dass angesichts der in kleine Räume aufgeteilten Grundrisse einiges geschehen müsste.
Die Bauherren beauftragten das in Berlin neu gegründete Büro Klöpfel Zeimer Architekten mit der Planung. „Der Umbau legt den Fokus auf das Innere des zierlichen, zweigeschossigen Siedlerhauses“, sagt Architekt Robert Zeimer. Um das Innere des Hauses komplett neu zu gestalten, wurden die meisten Innenwände rückgebaut. Auch eine Treppe, die an einer Außenwand empor führte und auf dieser Gebäudeseite den Ausblick versperrte, wurde entfernt. Sie bildete für die Architekten den Anstoß, die Erschließung des Hauses neu zu denken. So entwarfen sie einen Erschließungskern aus Ziegeln für das Zentrum des Hauses, der die Grundrisse gliedert. In den Ziegelkern sind auch ein offener Kamin und der Schornstein integriert.
Aus- und Einblicke
Vom Essplatz im Erdgeschoss gelangt man durch eine in drei Teilen faltbare Schiebetür direkt in den Garten
Foto: Schnepp Renou
Aber auch von außen hat sich einiges verändert. Bestehende Fensteröffnungen wurden der neuen Innenraumstruktur entsprechend versetzt oder vergrößert. Nach dem Umbau befindet sich der Hauseingang nicht mehr an der Giebelseite, sondern an der Traufseite des Gebäudes. Er ist mit einem Faltgitter ausgestattet, so dass man nachts die Haustür zum Lüften offenlassen kann. Die Tür auf der Gartenseite wurde durch ein großes, fast quadratisches Fenster aus Stahlprofilen mit Dreifachverglasung ersetzt. Ein baugleiches Fenster fasst die beiden schmalen kleinen Fenster im Obergeschoss darüber zusammen. Von dort aus hat man einen schönen Ausblick auf die Äcker und Wiesen. Die Stahlrahmen der Fenster zeigen an, dass es sich hierbei um neu in die Fassade gesetzte Bauelemente handelt. Trotzdem gelangt man vom Essplatz im Erdgeschoss durch eine in drei Teilen faltbare Schiebetür nach wie vor direkt in den Garten. Auch diese Tür ist mit einem Faltgitter ausgestattet.
Offener Grundriss
Nahezu alle Innenwände wurden abgebrochen, um die vormals hermetischen Innenräume zu einem offenen Grundriss umzugestalten. Im Erdgeschoss blieb nur eine tragende Wand stehen, bei der es sich um eine ehemalige Außenwand handelt, die durch einen Umbau in den 1990er Jahren zu einer Innenwand wurde. So wird beinahe das gesamte Erdgeschoss zu einem großen Wohn- und Essbereich, der vom Erschließungskern gegliedert wird. Im ganzen Haus gibt es daher nur drei rahmenlose Innentüren.
Da es keine weiteren tragenden Innenwände gibt, lagern die Balken der Decke im Mauerwerk des neu errichteten Ziegelkerns und in den Außenwänden auf. Etwa ein Fünftel der grau gestrichenen Holzbalkendecke blieb offen, so dass im Obergeschoss beim Elternschlafzimmer eine Galerie mit Arbeitsplatz entstand. Ansonsten befindet sich unterm Dach nur noch das Kinderzimmer.
Erschließungskern aus Ziegeln
Die Ziegel vermauerten die Handwerkerinnen und Handwerker in einer Art Kreuzverband, so dass ein 24 cm dickes Mauerwerk entstand
Foto: Klöpfel Zeimer Architekten
Den Erschließungskern mauerten die Handwerkerinnen und Handwerker aus Ziegelsteinen vom Keller bis unters Dach. Dabei vermauerten sie die Ziegel in einer Art Kreuzverband, so dass ein 24 cm dickes Sichtmauerwerk entstand. An den Mauerecken überlappen die Ziegelsteine im Verband, was dem Ziegelkörper einen expressiven Ausdruck verleiht. An manchen Stellen ragen auch einzelne Ziegelsteine aus der Wand heraus, auf denen man kleine Objekte ausstellen kann.
„Die Wahl des Ziegelformates und dessen Fügung folgt der Steigung der hölzernen Treppenstufen, die präzise in das Mauerwerk einbinden“, erklärt Robert Zeimer. Die Architekten wählten für die Ziegelsteine ein Dünnformat, das zum Steigungsformat und zum Querschnitt der Treppenstufen passt. Der Kreuzverband wurde um eine zusätzliche Binderlage ergänzt, so dass der Abstand der Läuferlagen der Treppensteigung entspricht. So konnte man auch auf eine Treppenwange verzichten. Die Handwerker ließen beim Mauern dort, wo ein Läufer liegen würde, Steintaschen im Mauerwerk frei, in die sie die Trittstufen aus rötlicher Douglasie einbinden konnten.
Energetische Ertüchtigung und neues Dach
Die alte Styropordämmung wurde rückgebaut. Die neue Dämmung des alten Ziegelmauerwerks der Außenwände besteht aus einem Wärmedämmverbundsystem aus Holzfaserdämmplatten, auf dem die Handwerkerinnen und Handwerker einen Besenstrichputz ausführten. So bleibt das Gebäude auch nach dem Umbau ein Putzbau. Innen brachten die Handwerkerinnen und Handwerker auf die Wände einen Lehmputz auf. Der Fußboden mit Fußbodenheizung besteht aus grauem Sichtestrich. Im Obergeschoss konnte die vorhandene Zwischensparrendämmung erhalten werden. Hier wurde lediglich die poröse Unterspannbahn ausgetauscht. Die Dachkonstruktion wurde auf der Innenseite mit einer Holzschalung aus sägerauen Fichtenbrettern geschlossen.
Alte Tegalit-Dachsteine, die die Vorbesitzer im Zuge eines Umbaus in den 1990er Jahren auf dem Dach verlegt hatten, mussten heruntergenommen werden. Sie waren zum einen vermoost und zum anderen für den vorhandenen Dachstuhl viel zu schwer, was zu Verformungen der Dachhaut geführt hatte. Die Betondachsteine wurden gegen grau engobierte Dachziegel ersetzt, in die man eine Photovoltaikanlage flächenbündig integrieren konnte. Die Entwässerung des Daches funktioniert über vier Speier als Verlängerung der Traufen, die in vier Betonsteinringe im Boden entwässern.
Fazit
Erschließungskern aus Ziegeln im Obergeschoss und Arbeitsplatz an der Galerie zum Luftraum über dem Erdgeschoss
Foto: Schnepp Renou
Mit dem Umbau des Siedlerhauses in Battin hat das Büro Klöpfel Zeimer Architekten die Erschließung und die Gliederung der Grundrisse neu gedacht. Der mit einfachen Materialien und hoher handwerklicher Präzision gefertigte Umbau schafft prägnante und gleichzeitig flexible Wohnräume. Das Haus wird in der Ausstellung „da! Architektur in Berlin“ gezeigt und ist für den Preis „Häuser des Jahres 2026“ nominiert.
Autor
Dipl.-Ing. Thomas Wieckhorst ist Chefredakteur der Zeitschrift bauhandwerk.
Baubeteiligte (Auswahl)
Architektur Klöpfel Zeimer Architekten, Berlin, kloepfelzeimer.de
Statik BauART, Berlin
Rohbauarbeiten Zarow Baugesellschaft, Ferdinandshof, zarow-bau.de
Maurerarbeiten K&R Klinkersanierung, Berlin, www.klinkersanierung.de
Fensterbauarbeiten Schmidt & Block, Krebsow, www.tischlerei-schmidt-block.de
Metallbauarbeiten Brüssower Metallbau, Brüssow, www.bruessower-metallbau.de
Herstellerindex (Auswahl)
Ziegel Klinker Luca DF, Hagemeister, www.hagemeister.de
Mauermörtel Zementmörtel ZM 72, Baumit, Bad Hindelang, baumit.de
Holzfaser-WDVS Steico Protect Dry, Steico, Feldkirchen, www.steico.com
Bodenflächen Weber.Floor, Saint-Gobain Weber, Düsseldorf, www.de.weber
Lehmputz ClayTec, Viersen, claytec.de
Fenster Mira contour, Gutmann, Weißenburg, gutmann.de
