Topmanager macht Handwerksbetriebe fit für die Zukunft

Der Fachkräftemangel gilt in der Handwerksbranche als die größte Herausforderung der kommenden Jahre. Wie die Betriebe mit eigenen Ressourcen dieser Misere entgegenwirken und dank mehr Effizienz die ausgeschriebenen Positionen gar nicht neu besetzen müssen, weiß Hermann-J. Kreitmeir. Seit 13 Jahren berät und begleitet der ehemalige Topmanager die Chefs von Handwerksbetrieben in ganz Deutschland. Mit großem Erfolg, wie er per Pressemitteilung berichtet: „Wir sprechen hier von Effizienzsteigerungen von bis zu 35 Prozent – hinsichtlich gewonnener produktiver Arbeitszeit pro Mitarbeiter.“

Die Auftragsbücher seien voll und etliche neue Projekte müssten verschoben werden, weil es vielen Handwerksbetrieben am nötigen Personal fehle. Gründe gibt es viele: Ein leergefegter Arbeitsmarkt, Vorurteile hinsichtlich des lmages handwerklicher Berufe und des vermeintlich niedrigeren Einkommensniveaus. Somit laufen viele Bemühungen der Handwerksbetriebe, neue Mitarbeitende zu finden, ins Leere.

Hermann-J. Kreitmeir, Berater und Experte für Veränderungsmanagement in mittelständischen Handwerksbetrieben, berät deutschlandweit.
Foto: Sabine Braungart

Hermann-J. Kreitmeir, Berater und Experte für Veränderungsmanagement in mittelständischen Handwerksbetrieben, berät deutschlandweit.
Foto: Sabine Braungart
„In dieser Situation kann ich nur jedem Handwerksbetrieb raten, ungenutztes Optimierungspotential zu nutzen, um sich zukunftssicher aufzustellen“, führt Kreitmeir aus. Der 62-Jährige ist in seinem zweiten beruflichen Leben als Coach für Unternehmer im Einsatz. In seinem früheren Arbeitsleben war der Unternehmensberater aus Kirchdorf am Inn zuletzt als Geschäftsführer in einem großen Mischkonzern für mehrere tausend Mitarbeitende verantwortlich. Dann die Kehrtwende: Als erfolgreicher Topmanager hat Kreitmeir sich bewusst für einen Ausstieg aus den Zentren der wirtschaftlichen Macht entschieden.

Sparringspartner für das Handwerk

In seiner Arbeit fehlte ihm zuletzt, was er nun als „Sparringspartner“ für das Handwerk sehr sinnerfüllt erlebe: Ergebnisse erzielen und etwas Positives für die Menschen bewirken. „Mit meiner Arbeit in den Konzernen stiftete ich nicht wirklich mehr Nutzen, ich wollte meinen Einsatz nicht wiederholt als Spielball politischer Entscheidungen zunichte gemacht sehen.“ Kreitmeir habe sein geballtes Wissen genommen, in ein Konzept für mittelständische Betriebe gebündelt und dieses insbesondere auf das Handwerk übersetzt. „Denn diese Firmenchefs sind oft begnadete Handwerker oder Ingenieure. Aber sie lernen nirgends, weder in der Meisterausbildung noch in den technischen Studiengängen, das Rüstzeug, wie sie zum Beispiel mit Kennzahlen ihr Unternehmen steuern oder wie man mit Mitarbeitern umgeht. Und man wird eben nicht als Chef geboren. Da ist ganz viel Bauchgefühl und Blindflug im Spiel.“

Ein Co-Pilot mit Feingefühl

Am Anfang steht oft eine große Portion Überzeugungsarbeit – dass das Invest in Unterstützung sich mehrfach auszahlen wird. „Sich von draußen Unterstützung zu holen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern zeugt von Stärke und die braucht man, um massive Veränderungen anzugehen. Und genau darauf läuft es fast immer hinaus: Die Missstände im Betrieb finden, auch die beim Chef, und bereit sein, es anders, besser zu machen.“

Als Topmanager erfolgreich in der Handwerkszene? Kreitmeir bringt, so spiegeln es seine Kunden, das nötige Feingefühl mit. Sowohl für die Gespräche mit den Inhabern, als auch für die Gespräche mit den Mitarbeitenden. Ganz deutlich grenzt er sich von den üblichen Vorgehensweisen vieler Unternehmensberater ab und sieht sich als Co-Pilot für Veränderungsprozesse, auch für Generations-wechsel in den Betrieben. Die Chefs lernen komprimiert die wichtigsten Management-Tools für eine Unternehmensführung auf höchstem Niveau.

Der Mensch und sein Wohlbefinden im Mittelpunkt

Aber vor allem kommen auch die vermeintlich „weichen“ Faktoren auf den Tisch, wie das Betriebsklima, die Unternehmenskultur, Umgangsformen und etwaige Konflikte. Denn neben der wirtschaftlich-finanziellen Basis geht es Kreitmeir in erster Linie um den Menschen. Zu seinen Einstiegsfragen an den Inhaber gehört: „Sei ehrlich: Welchen Preis zahlst Du selber? In welchem Hamsterrad steckst Du?“. „Und ich mache in der Ist-Analyse Dinge, die andere eben nicht machen. Ich spreche zum Beispiel mit jedem einzelnen Mitarbeiter, und zwar zwei Stunden lang“, so Kreitmeir. So komme offen zutage, was als Problem in vielen Betriebe zu beobachten sei: Häufig gebe es keine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Chefs und seiner Mannschaft.

Talente entdecken – Verantwortung übertragen

Hermann-J. Kreitmeir (Mitte) mit den Geschäftsführern Thomas Klarmann (links) und Marc Böckmann (rechts) in ihrem SHK-Betrieb in Neuenkirchen-Vörden. Im Hintergrund sind die Mitarbeiter beim werktäglichen „Feierabend-Feedback-Gespräch.“
Foto: Sabine Braungart

Hermann-J. Kreitmeir (Mitte) mit den Geschäftsführern Thomas Klarmann (links) und Marc Böckmann (rechts) in ihrem SHK-Betrieb in Neuenkirchen-Vörden. Im Hintergrund sind die Mitarbeiter beim werktäglichen „Feierabend-Feedback-Gespräch.“
Foto: Sabine Braungart
Kreitmeir bringt dann auf den Weg, was die Inhaber der Handwerksbetriebe allein nicht schaffen und in Summe eine Herkulesaufgabe ist. Er entwickelt mit ihnen ein authentisches Wertekorsett für ihr Unternehmen. Es werden Regeln für den Umgang miteinander vereinbart, die verbindlich für alle gelten und bei denen Wertschätzung und Respekt an erster Stelle stehen. Mithilfe einer neuen Organisationsstruktur werden Verantwortlichkeiten an Mitarbeiter übergeben. Denn dank seiner intensiven Gespräche erfährt Kreitmeir ziemlich gut, wo Talente schlummern, von denen keiner etwas wusste. Die Chefs erhalten neue Freiräume und können sich ihrer eigentlichen Aufgabe zuwenden: das Unternehmen steuern. Die Veränderungen ziehen sich von den Betriebsabläufen über die Besprechungskultur bis hin zu neuen Arbeitsverträgen mit leistungsgerechter Bezahlung.

Finanzielles Wachstum durch mehr Effizienz

Kreitmeir unterstützt die Führung bei der Umsetzung der Veränderungsprozesse, die bei konsequenter Durchführung etwa neun Monate dauern. Natürlich bringt dies zunächst Unruhe in den Betrieb und nicht immer möchten alle Mitarbeiter die neuen Wege mitgehen. Dies hat letztendlich aber bereinigende Wirkung, so die Erfahrung aus vielen erfolgreichen Neuausrichtungen. Und der Lohn der Mühen bringe auch finanzielles Wachstum: Kreitmeir spricht von einer Effizienzsteigerung je Mitarbeiter von zwei bis drei Stunden pro Tag. Gerechnet für einen Betrieb mit 20 Mitarbeitern bedeutet das ein Optimierungspotential von 240.000 bis 290.000 Euro pro Jahr.

Ganz nebenbei hebe Kreitmeir betriebsinterne „Schätze“, sprich produktive Arbeitszeit, die unbesetzte Positionen mehr als ausgleichen. Hinzu kommt, dass die Handwerksbetriebe durch die neue Unternehmenskultur häufig einen starken Imagegewinn erleben – sowohl in der Belegschaft als auch nach außen. Sie strahlen als attraktive Arbeitgeber und haben es viel leichter, bei Bedarf neues Personal zu finden. „Wer es richtig macht, kann sich vor Bewerbungen nicht retten“, hat Kreitmeir in der Praxis beobachtet. Er kennt die Unternehmerlandschaft nicht nur durch seine zahlreichen Beratungskunden, sondern auch aus ungezählten Gesprächen und Diskussionen rund um seine Vorträge. Ausführlich berichtet der Experte in einer Videoreihe über seine Praxiserfahrungen aus zahlreichen begleiteten Handwerksbetrieben in ganz Deutschland.   (bhw/ela)

Zu finden sind diese „Kamingespräche“ auf www.kreitmeir-partner.de

 

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