Umnutzung eines Kottenheimer Grubenarbeiterhauses zur Ferienwohnung

In der Eifel entstand aus der Doppelhaushälfte eines um 1890 in Kottenheim bei Mayen aus Basalt erbauten Grubenarbeiterhäuschens ein Ferienhaus in modernem Design. Tageslicht gelangt durch neue Fensteröffnungen im Dach und in den Wänden ins Haus.

Kottenheim ist mit seinen nicht einmal 3000 Einwohnern ein nur fünf Kilometer von der Kleinstadt Mayen entferntes ruhiges Eifeldorf. Dominiert wird es vom Basalt­bergbau, der auch das Baumaterial für die meisten Häuser im Ort zu Tage förderte. Dazu gehören auch die vielen kleinen Doppelhäuser der Bergbauarbeiter.

Jedenfalls ist Kottenheim nicht der Ort, in dem man eine Designer-Ferienwohnung vermutet. Dass dem doch so ist, liegt an Corinna und Lars Behrendt, die die Doppelhaushälfte eines der Grubenarbeiterhäuschen zu einer exklusiven Ferienwohnung umbauten (www.rotes-bienenhaus.de).

Kernsanierung und Umbau zum Ferienhaus

Als das Ehepaar Behrendt die kleine Doppelhaushälfte 2013 für gerade mal 14 000 Euro kaufte, war das alles andere als klar. „Ein 50 m2 großes Grubenhaus zum ortsüblichen Preis von 5 Euro je m2 zu vermieten, brächte 250 Euro pro Monat. Das war uns angesichts der zu erwartenden Umbaukosten von 80 000 Euro zu wenig. Daher haben wir uns zur Nutzung als Ferienhaus entschieden“, so Lars Behrendt.

Aber es sollte nicht irgendeine Ferienwohnung werden, wie es sie lieblos eingerichtet in der Vulkaneifel zu Hauf gibt. Der um 1890 zweischalig aus Basalt gemauerte Bestand bot Potential für eine Nutzung als Ferienwohnung, die ihr besonderes Ambiente aus dem Kontrast zwischen historischen Oberflächen und modernen Einbauten schöpft. Hierzu musste der Bestand allerdings erst einmal kernsaniert werden. Das Holz des Dachstuhls war von Würmern und Hausschwamm befallen. Auch die Eindeckung aus Asbestschindeln musste verständlicherweise weg. Die Dachdecker entsorgten sie fachgerecht und bauten zusammen mit den Zimmerleuten einen komplett neuen gedämmten Dachstuhl, der eine Eindeckung mit schwarz engobierten Ziegeln erhielt. Einen ausführli­chen Beitrag über diese Arbeiten finden Sie in der zur bauhandwerk gehörenden Zeitschrift dach+holzbau.

Die geschädigten Innenwände aus Holzständerwerk mit Bimssteinausfachung sollten wegen der neuen Grundrissaufteilung des Ferienhauses weichen. „Alte Kunststofffenster, die verfaulte Dachverkleidung, Tapeten und bis zu vierschichtige Bodenbeläge mussten raus. Das war ein Haufen Arbeit. Mit den rund 20  Tonnen Abbruchmaterial aus dem kleinen Grubenhaus haben wir einige Bauschuttmulden gefüllt“, sagt Lars Behrendt, der es wissen muss, denn er hat die Abbrucharbeiten selbst erledigt.

Die neue Raumaufteilung übernehmen doppelt beplankte Leichtbauwände mit Metallständerwerk. Dass zwischen diesen und den massiven Außenwänden eine Unterscheidung optisch unmöglich ist, liegt daran, dass Lars Behrendt sämtliche Wände, also auch die in Trockenbauweise erstellten, mit Knauf Carrara verputzt hat – ein Material, auf das er unbedingt schwört: „Es lässt sich innen wie außen auf allen erdenklichen Untergründen gut verarbeiten. Abschließend verschlichte ich den Putz mit dem Quast, was zu einer groben handwerklichen Oberfläche führt. Für die Nutzung als Ferienwohnung besteht der Vorteil des Putzes darin, dass Schäden durch Feriengäste leicht und schnell während der Reinigungsarbeiten beim Gästewechsel behoben werden können.“

Neue Fenster und Türen

Weder im Dach- noch im Erdgeschoss war ausreichend Tageslicht vorhanden, um das kleine Grubenhaus vernünftig als Ferienwohnung zu nutzen. Mit dem Tageslicht sollten andererseits aber keine unerwünschten Blicke in die Räume gelangen: „Schmale Querformate bringen auf der Gebäuderückseite im Erdgeschoss und in der Giebelwand im Dachgeschoss zusätzliches Tageslicht ins Haus, schützen jedoch die Intimität der Feriengäste“, erklärt Lars Behrendt. Drei Fensteröffnungen waren im Bestand im Erdgeschoss vorhanden: Zwei Hochformatige auf der Gebäuderückseite und neben der Haustür ein weiteres auf der Straßenseite. In zwei der vorhandenen Fensteröffnungen setzten die Mitarbeiter der Glaserei Thomas Rörig aus Mayen neue auf Maß gefertigte Kunststofffenster aus Profilen von Gealan ein. Die Scheiben der neuen Fenster sind nur zweifach verglast, damit sich der Taupunkt nicht verschiebt, denn die Außenwände sind nach wie vor ungedämmt.

„Aus einem der Fenster auf der Gebäuderückseite haben wir ein schmales Querformat gemacht“, sagt Lars Behrendt. Das klingt einfacher, als es tatsächlich war. Die bis zu 50 cm dicken Basaltwände sind aus zwei Schalen mit einer losen Füllung aus Basaltschotter gemauert. Bei der nicht eben einfachen Öffnung der dicken Mauern musste der Sturz mit einem Brett abgefangen werden, damit während der Arbeiten nicht die ganze Füllung aus Basaltschotter zwischen den Mauerschalen herausfällt.

Als Hauseingangstür war eine Tür aus Metallprofilen aus den 1980er Jahren vorhanden, die mit ihrer Kunststofffüllung mit geschwungener Verglasung zwar irgendwie an den Jugendstil erinnerte, aber so gar nicht zum Grubenhaus passen wollte. „Die Füllung aus Styropor und Plastik haben die Glaser gegen eine Milchglasscheibe im vorhandenen Metallprofilrahmen ersetzt. Das hat gerade mal 200 Euro gekostet“, erklärt Behrendt den vergleichsweise kostengünstigen Umgang mit der vorhandenen Tür, der gleichwohl viel Tageslicht in den Flur mit Treppenhaus lässt.

Vier neue Fenster im Dach

„Im Dachgeschoss war auf der Gebäuderückseite eine kleine Gaube und auf der Straßenseite ein kleines Dachfenster vorhanden, das aber schon ziemlich alt und undicht war“, erinnert sich Lars Behrendt. Durch diese Öffnungen gelangte nur wenig Tageslicht ins Dachgeschoss. Daher bauten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma Dachtechnik Schwindenhammer aus Mendig vier neue Dachfenster von Roto in das komplett neu aufgebaute Dach: drei zur Straßenseite hin und eines auf der Gebäuderückseite zur Belüftung und Belichtung der Toilette. „Besonders sorgfältig mussten die Handwerker hier beim Anschluss der Dampfbremse und der Metallschürzen sein“, so Behrendt. Die beiden übereinander angeordneten Dachfenster auf der Straßenseite passen mit ihren schmalen Formaten zwischen die Sparren. Für das große quer liegende Dachfenster mussten die Zimmerleute einen der Sparren auf  Wechsel zapfen. Dieses Dachfenster und das kleine im Spitzboden zur Belüftung und Belichtung der dort vorhandenen Schlaf­koje, die man über eine Treppenleiter vom Schlafzimmer im Dachgeschoss aus erreicht, lassen sich elektrisch öffnen und schließen. Zudem schraubten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Dachtechnik Schwindenhammer auf diese beiden Dachfenster außen Rollladenkästen auf, die sich ebenfalls elektrisch steuern lassen.

Eine Dusche als „Alleinstellungsmerkmal“

Im Schlafzimmer stellten die Glaser eine frei stehende Dusche aus Stahl und Glas auf. Die besondere Art der Konstruktion, die auf Silikon vollkommen verzichtet, ist im wahrsten Sinne des Wortes in der Aufstellfläche begründet, denn Holzbalkendecken neigen dazu, sich zu bewegen. „Es ist die dritte Wanne, die wir in dieser Art haben bauen lassen, und es funktioniert gut“, sagt Lars Behrendt. Bei der Dusche handelt es sich um eine vom Bestand entkoppelte Konstruktion: Die 180 cm x 90 cm große Edelstahlwanne steht auf Edelstahlfüßen „lose im Raum“. Die Glasscheiben sind nach innen versetzt über Abstandhalter am Wannenrand befestigt, ohne ihn zu berühren. Die Eckausbildung erfolgt zur Wand hin mit Edelstahl-Winkeln, die mit Kompriband hinterlegt sind, an das sich die Scheiben „drücken“. „Das Wasser kann sogar hinter die Winkel laufen und landet trotzdem in der Wanne“, erklärt Behrendt das Konstruktionsprinzip.

Neue Böden im ganzen Haus

Die Edelstahlfüße der Dusche stehen leicht versenkt lose auf 2 cm dicken Eiche-Vollholzdielen, die im ganzen Haus verlegt wurden. Darunter befinden sich OSB-Platten, eine Granulatschüttung und darunter die gleiche weiß lasierte Nut- und Federschalung aus Fichtenholzbrettern auf die alten Deckenbalken geschraubt, die schon für die Dachschrägen Verwendung fand. „Zwei Tage lang habe ich mit einer auf die Flex gespannten Drahtbürste die Deckenbalken geschrubbt“, erinnert sich Lars Behrendt, denn die Deckenbalken waren überwiegend gut erhalten. Nur zwei mussten gegen ausgetauscht werden. Sie waren aufgrund eines undichten Badezimmers im Obergeschoss verfault. Ersatz beschaffte Lars Behrendt mit zwie alten Balken, damit die Optik der bestehtenden Holzbalendecke stimmt.

Auch im Wohnzimmer im Erdgeschoss wurden die Eiche-Vollholzdielen verlegt. Darunter befinden sich wieder OSB-Platten, die diesmal allerdings auf ein Ständerwerk aus imprägnierten Latten geschraubt sind, das in den Außenwänden befestigt ist, damit es von Holzklötzen unterstützt die Kuppe der gewölbten Kellerdecke aus Naturstein überspannen kann. „Ursprünglich war der Hohlraum zwischen der Kellerdecke und dem Fußboden mit Sand gefüllt. Davon haben wir etwa 20 cm abgegraben und den verbleibenden Raum bis zum neuen Fußboden mit Stopfsteinwolle als Dämmung gegen den kalten Keller gefüllt“, erzählt Lars Behrendt. Von diesem Aufbau ist er bauphysikalisch überzeugt, bleibt er doch insgesamt dampfdiffusionsoffen. „Wenn genügend Belüftung vorhanden ist, kann die Feuchtigkeit nach oben in den Raum entweichen. Dies entspricht dem ursprünglichen Aufbau, bei dem der Holzfußboden auf 10 cm x 10 cm Kanthölzer genagelt war, die direkt auf der Sandschüttung über der Gewölbedecke lagen. Bei Sanierungen in den 1970er und 1980er Jahren hat man auf die Holzfußböden Dünnestrich und dichte Fußbodenbeläge gebracht, was die Konstruktion dampfdicht gemacht und zum Verfaulen der Kanthölzer geführt hat“, erklärt Behrendt. In der Küche und im Treppenhaus verlegte er bis zu 5 cm dicke Basaltplatten auf den noch erdfeuchten Estrich, die er im Außenbereich zusammengesammelt hatte. „Verfugt habe ich mit Trassmörtel, damit später nichts ausblühen kann“, so Lars Behrendt. Den Übergang zwischen dem Stein- und dem Holzfußboden bildet eine Fuge aus Spritzkork von Bostik, was sich laut Behrendt ausgesprochen gut verarbeiten lässt.

Eine Treppe, die hält was sie verspricht

Die Treppe, die ins Obergeschoss führt, kommt mit ihren Trittstufen aus Edelstahl vergleichsweise neu daher. Dabei befindet sich unter der Metallabdeckung die alte Holzkonstruktion. „Wie bei einem kaputten Zahn haben wir mit Montagekleber neue Edelstahlkronen inklusive Blechkante auf die alten Treppenstufen geklebt. Ein Stück je Stufe. Dies war aus statischen Gründen erforderlich, da die Konstruktion der Treppe nicht mehr die erforderliche Tragfähigkeit hatte, die sie auf lange Sicht für eine Nutzung durch die Feriengäste haben muss“, erklärt Lars Behrendt.

Alles in allem bestätigt die Auslastung der Ferienwohnung nach mittlerweile zwei Jahren die Entscheidung des Ehepaars Behrendt: „Mit 180 bis 200 belegten Nächten pro Jahr sind wir sehr zufrieden.“

Einen weiteren Beitrag zum Umbau des Kottenheimer Grubenarbeiterhauses in eine Ferienwohnung, der sich im Schwerpunkt mit dem Dach beschäftigt, finden Sie auf der Website der zur bauhandwerk gehörenden Zeitschrift dach+holzbau.

Autor
Dipl.-Ing. Thomas Wieckhorst ist Chefredakteur der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

Baubeteiligte (Auswahl)

Bauherren und Planung Corinna und Lars Behrendt,

Kottenheim

Fenster- und Duschenbau Glaserei Thomas Rörig, Mayen

Dachfenstermontage Dachtechnik

Schwindenhammer, Mendig

Herstellerindex (Auswahl)

Dachfenster Roto Frank, Leinfelden-Echterdingen, www.roto.de

Fensterprofile Gealan, Oberkotzau, www.gealan.de

Fensterbeschläge Siegenia Aubi, Wilnsdorf,

www.siegenia.com

Stopfsteinwolle Deutsche Rockwool, Gladbeck,

www.rockwool.de

Gipskartonplatten Saint-Gobain Rigips,

Düsseldorf, www.rigips.de

Carrara Putz Knauf Gips, Iphofen, www.knauf.de

Spritzkork Bostik, Borgholzhausen,

www.bostik.de

Fassadenfarbe Dinova, Königswinter, www.dinova.de

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