Dachgeschossausbau in der Scheune eines  Vierseithofs in Forchheim

Viel Idealismus investierte Bauherr Pedro Kiesewetter in die Sanierung eines Vierseithofs in Forchheim und rettete mit Unterstützung engagierter Architekten und Handwerker so ein einzigartiges Baudenkmal vor dem Verfall. Den Innenumbau des ältesten Gebäudeteils übernahm die Merkel Trockenbau GmbH.

Die historische Innenstadt Forchheims ist geprägt von Bauwerken mit eindrucksvollen Barock- und Fachwerkfassaden – eine deutsche Altstadt wie aus dem Bilderbuch, bestaunt von Touristen aus der ganzen Welt und Heimat von Pedro Kiesewetter, für den der zentral gelegene Vierseithof bereits das dritte historische Sanierungsprojekt in Forchheim war. „Ich liebe alte Gebäude und war überzeugt davon, dass dieser Hof zu einem echten Schmuckstück werden kann“, so der Bauherr. Gemeinsam mit den in der Denkmalpflege erfahrenen Architekten Dirk Raffegerst aus Scheßlitz bei Bamberg und Oliver Reiss aus Nürnberg machte sich Kiesewetter zunächst an die genaue Analyse der Gebäudeteile und der notwendigen Sanierungsschritte. Eine wesentliche Forderung des Bauherrn: Die Geschlossenheit des alten Vierseit-Bauernhofs – alle Seiten sind genau bis auf die Grundstücksgrenze bebaut – sollte auf jeden Fall erhalten bleiben und der „autofreie“ Innenhof als Aufenthaltsort genutzt werden können.

Mehr als vier Jahrhunderte Bauhistorie

Nach einer dendrochronologischen Untersuchung der Balken erwies sich die Scheune an der südöstlichen Grundstücksgrenze als ältester Gebäudeteil. Durch die Holzalterbestimmung konnte dieser Teil des Hofes auf das Jahr 1555 datiert werden. „Das lang gestreckte Nebengebäude, das im 20. Jahrhundert eine Art Waschhaus und eine Limonadenproduktion beherbergte, hat einen gut erhaltenen Kellereingang aus Sandsteinbögen, in deren Quader deutlich erkennbar die Jahreszahl 1579 eingemeißelt ist. All­seitig geschlossen wird der Hof durch ein Wohnhaus aus dem 17. Jahrhundert sowie einen daran angebauten Hausschenkel aus den 1950er-Jahren. Dies war aufgrund der schlechten Bausubstanz der einzige Gebäudeteil, der durch einen modernen Neubau ersetzt wurde“, berichtet Dirk Raffegerst.

Die 1555 errichtete Scheune mit ihrem Riegelfachwerk und einem Krüppelwalmdach stellte für alle Baubeteiligten eine besondere Herausforderung dar. Auf den insgesamt 460 m2 Geschossfläche – verteilt auf Erd- und zwei Dachgeschosse – sollten sowohl Wohn- als auch Büroflächen entstehen. Die historischen Balken in den durch zwei Stützenreihen dreizonig aufgeteilten Obergeschossen sollten, sofern in gutem und trockenem Zustand, erhalten und im fertig ausgebauten Zustand sichtbar bleiben. „Im Erdgeschoss wurde der Ausbau einer Wohnung mit großzügigem Wohn-Essbereich auf etwa der Hälfte der Grundrissfläche geplant. In den etwas schlechter belichteten hinteren Bereichen der Scheune entstanden alle notwendigen Nebenräume“, erläutert Christian Kempe, der als Technischer Leiter der Merkel Trockenbau GmbH mit seinem Team für den kompletten Innenausbau der historischen Scheue verantwortlich war. „Das gesamte neu verschalte und eingedeckte Dach wurde durch reversible Einbauten für die gewerbliche Nutzung vorbereitet und erhielt zusätzlich durchlaufende Gaubenbänder, in Anlehnung an so genannte Hopfen- oder Dörrgauben, die für viel natürlichen Lichteinfall sorgen. Offene Galeriebereiche im zweiten Dachgeschoss bis zum First, bewährte Scheunentore und kleinere Fachwerköffnungen machen im fertig ausgebauten Zustand nach wie vor deutlich den historischen Scheunencharakter erfahrbar.“

 

Holz, Stahl, Glas, Trockenbau

Moderne Kontrastpunkte zu den historischen Baumaterialien sollten unter anderem hochwertig ausgeführte Trockenbaukonstruktionen bilden: Insgesamt wurden etwa 400 m2 Trennwände errichtet, knapp 400 m2 Decken abgehängt und gut 500 m2 Dachschrägen beplankt – mit allen Herausforderungen, die solch alte Bausubstanz mit sich bringt: „Man darf nicht mit exakt rechten Winkeln rechnen, die Anarbeitung der Beplankungen an die Holzbalken muss sehr detailliert erfolgen, viele bauteilspezifische Lösungen etwa für Öffnungen und Einbauten müssen regelmäßig vor Ort mit den Architekten und dem Bauherrn entwickelt und abgestimmt werden“, so Christian Kempe.

Im Erdgeschoss mit einer Raumhöhe von etwa 3,70 m sowie in den etwa 1m niedrigeren Obergeschossen erstellte das Merkel-Ausbauteam nichttragende Trennwände aus „Rigips CW“-Profilen (125, 100 und 75) mit einer eingelegten Mineralwolledämmung und einer beidseitig doppelten Beplankung mit „Rigips Bauplatten RB“ (2 x 12,5 mm). „Um das geforderte bewertete Schalldämmmaß von mindestens 41 dB zu erreichen, haben wir alle Wände umlaufend mit dauerelastischem Trennwandkitt angeschlossen. Alle Anschlüsse an Holzbalkendecken wurden mit Profilleisten und einer 10 mm breiten Schattenfuge erstellt. Sämtliche Trennwände entsprechen F 30-A“, so Trockenbauspezialist Kempe. 

Viele kleine Beplankungsflächen

Die Unterdecken aus den „Bauplatten RB“ und einer 50 mm dicken Dämmstoffauflage brachten die Handwerker mit einer Metallunterkonstruktion in weiten Teilen direkt an der bestehenden Holzbalkendecke an. Sämtliche Dachschrägen erhielten eine Zwischensparrendämmung und ebenfalls eine einlagige Beplankung mit Rigips-Platten. „In den Schrägdachbereichen gestaltete sich unter anderem das Anarbeiten an die durchgängigen Gaubenbänder aufwendig. Zusammen mit der teilweise recht komplexen Balkengeometrie ergaben sich dort viele kleine Beplankungsflächen, die manchmal kaum größer als eine Handfläche waren.“

Wer heute die Wohnräume im Erdgeschoss der Scheune und die Büroräume in den über eine neu eingebrachte Holztreppe erschlossenen oberen Geschossen begeht, wird die umfassenden Detailarbeiten im Einzelnen kaum noch wahrnehmen können. Doch die Atmosphäre in den Räumen und ihr erhaltener Bauern­hof-/Scheunen-Charakter sind der beste Beweis, dass die Bauherrn, Architekten und das Ausbauteams ein weiteres historisches Kleinod im Herzen von Forchheim gerettet haben.

 

Autoren

Martin Büsch ist Leiter Kommunikation und Marketing, Karin Melder Projektmanagerin für Messen, Events und Promotion bei der Saint-Gobain Rigips GmbH in Düsseldorf.

Durch die komplexe Balkengeometrie ergaben sich Beplankungsflächen, die kaum größer als eine Handfläche waren

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