Befestigung von WDV-Systemen

Für die Befestigung von Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS) stellen die Allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen dem Handwerker drei Möglichkeiten zur Auswahl: Die mechanische Befestigung, die geklebte Befestigung sowie eine Kombination beider Systeme.

Die rasante Entwicklung von Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS) für Fassaden ist nicht erst mit Inkrafttreten der EnEV 2009 im Gange: Bereits vor über 50 Jahren wurde das erste Gebäude mit einem WDV-System gedämmt. Im grundsätzlichen Prinzip haben sich WDV-Systeme bis heute kaum verändert. Das Herzstück ist immer ein Dämmstoff, welcher an einer Fassade befestigt und im Anschluss mit einer Armierungslage als Unterputz und meist einem Oberputz belegt wird. Dabei lässt sich nicht nur Energie sparen, sondern es ergibt sich weiterhin auch eine thermische Beruhigung des Baukörpers.

WDV-Systeme können auf fast allen Fassaden eingesetzt werden. Entscheidend ist hier die Art und Dauerhaftigkeit der Befestigung im Untergrund. Grundsätzlich unterscheiden die Allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen (ABZ) drei Prinzipien der Befestigung: geklebt, geklebt und gedübelt sowie mechanisch befestigt. Neben der DIN 55699 „Verarbeitung von Wärmedämm-Verbundsystemen“ muss der Handwerker besonders die Verarbeitungsrichtlinien des jeweiligen Herstellers beachten.

Mechanische Befestigung

Die mechanische Befestigung spielt, gemessen an der Gesamtzahl der jährlich verarbeiteten WDV-Systeme, nur eine untergeordnete Rolle. Diese Befestigungstechnik kommt immer dann zum Einsatz, wenn der Untergrund eine Verklebung großflächig nicht zulässt, starke Risse überbrückt werden müssen oder ein schwieriger Mischuntergrund vorliegt. Bei der mechanischen Befestigung wird der Dämmstoff aus  EPS-Platten oder Mineralwolleplatten mit Hilfe von umlaufenden Kunststoff- oder Aluminiumprofilen an die Fassade gedübelt. Aus Schall-, Konvektions- und Brandschutzgründen sollte der Handwerker trotzdem jede Platte mit einem Batzen Klebemörtel versehen. Dieser dient hier jedoch nicht der Befestigung.

Bei der Verdübelung von WDV-Systemen unterscheidet man grundsätzlich zwei Arten: Zum einen die konstruktive Verdübelung bei grundsätzlich ausreichender Mindestabreißfestigkeit. Sie dient als zusätzliche Sicherheit für den Fall punktueller Haftungsstörungen im Laufe der Nutzung, wie zum Beispiel bei der Gefahr einer Verseifung von Altbeschichtungen. Zum anderen gibt es die statisch relevante Verdübelung für alle Untergründe, bei denen eine sachkundige Prüfung und Beurteilung zeigt, dass keine ausreichende Abreißfestigkeit gegeben ist, oder der Dämmstoff diese verlangt.  Hierfür dürfen ausschließlich zugelassene WDVS-Dübel eingesetzt werden. Die Anzahl der Dübel muss individuell für jedes Gebäude gemäß den Vorgaben aus der DIN 1055-4 ermittelt werden. Entscheidend ist in beiden Fällen, den zum Wandbildner passenden Dübel in ausreichender Zahl und Länge einzusetzen.

Bei einer klassischen Verdübelung muss der Dämmstoff durchdrungen werden, um einen Anpressdruck zu erzeugen. So werden Kräfte auch im Bereich von am Untergrund geschwächten Klebeverbindungen mechanisch – über Scherkräfte – auf den Wandbildner abgleitet. Herkömmliche Dübel stellen allerdings auch eine Wärmebrücke dar. Dies kann mit Dämmstoffkappen über dem versenkten Dübelteller zwar gemindert, nicht aber unterbunden werden.

Mit der Einführung eines Klebeankers stellt Baumit allerdings seit kurzem einen „Dübel“ zur Verfügung, der nicht durch den EPS-Dämmstoff dringt. Er stellt vielmehr einen mechanisch sicher verankerten Klebepunkt hinter der Dämmebene dar.  Somit ist eine konstruktive und dennoch wärmebrückenfreie Kraftableitung in den Untergrund möglich.

Geklebte Befestigung

Rein geklebte Systeme können immer dann zur Anwendung kommen, wenn ein stabiler, dauerhaft tragfähiger Untergrund vorliegt und der Dämmstoff an sich keine Verdübelung notwendig macht. Dabei muss das Substrat eine Abreißfestigkeit ≥ 0,08 N/mm² aufweisen. Diese Parameter sind meist nur bei Neubauten gegeben. Welcher Klebertyp zum Einsatz kommt, hängt vom gewählten WDV-System ab.

Geklebte Systeme sind generell Systeme, bei denen der Kleber eine wichtige Rolle für die Befestigung der Dämmplatten an der Wand spielt. Er kann auf den Platten, auf dem Klebegrund oder auf beidem aufgetragen werden.

Als Kleber kommen dabei zementgebundene Mörtel, gefüllte Dispersionsklebstoffe oder neuerdings auch PU-Schäume zum Einsatz. Dabei muss der Handwerker in Abhängigkeit von Dämmstoff- und Auftragsart einen Klebeflächenanteil von mindestens 40 bis 60 Prozent sicherstellen. Eine vollflächige Verklebung ist generell zulässig.

Die Verklebung muss einen gewissen Halt der Systeme an der Wand gewährleisten und eine Luftzirkulation hinter der Dämmung zuverlässig verhindern. Aus diesem Grund erfolgt der Kleberauftrag bis an die Plattenränder.

Da sich der Kleber hinter der Dämmebene befindet, ergeben sich hier keine negativen Auswirkungen auf die Dämmleistung des Systems.

Klebemörtel ...

... auf Zementbasis bilden den weitaus größten Flächenanteil am Markt. Mit diesem Klebertyp gibt es auch die längsten Erfahrungswerte. Klebemörtel werden als Sack- oder Siloware auf die Baustelle geliefert und dort mit Wasser verarbeitungsfertig angemischt. Er kann problemlos für alle WDVS-Dämmstoffe eingesetzt werden. Aufgrund des Bindemittels Zement erfolgt die Aushärtung im Wesentlichen chemisch – eine schnelle Aushärtung ist damit generell gewährleistet.

Dispersionsklebstoffe ...

... werden zum Verkleben von EPS-Platten, hauptsächlich auf Holzuntergründen, eingesetzt. Sie sind im Eimer oder in speziellen Silos erhältlich. Diese Kleber erhärten durch rein physikalische Trocknung. Bei gut saugenden Untergründen und günstigen Witterungsbedingungen funktioniert die Klebkraft der Dispersionsanteile ebenfalls zuverlässig. Vorteilhaft ist, dass Schläuche auch bei längeren Arbeitspausen nicht gereinigt, sondern nur verschlossen werden müssen. Die Verklebung erfolgt hier in der Regel vollflächig mit einer Zahntraufel.

PU-Schaum ...

... als Klebstoff für EPS-Platten und Resolharzplatten ist erst seit wenigen Jahren auf dem Markt. Der unkomplizierte Auftrag aus Kartuschen und eine extrem schnelle Trocknung durch die Aufnahme von Umgebungsfeuchte sind deutliche Vorteile. Allerdings ist aufgrund des Nachquellverhaltens und der geringen Korrekturmöglichkeiten besondere Sorgfalt bei der Plattenverlegung erforderlich. Die Dauerhaftigkeit und Umweltaspekte des PU-Schaums befinden sich derzeit noch in der Diskussion.

Geklebte  und gedübelte Befestigung

Die an ein WDV-System gestellten Anforderungen wachsen stetig. Der absolute Schwerpunkt liegt heute bei der energetischen Sanierung von Fassaden. Die Dämmstoffdicken erhöhen sich dabei ständig. Somit spielen Untergrundbeschaffenheit, hygrothermische Einflüsse und Windbelastung an der Oberfläche von Dämmsystemen eine zunehmend größere Rolle. Dübel können hier – zusätzlich zur Verklebung – für einen dauerhaften, mechanischen Lastabtrag in den Untergrund sorgen.

Geklebte und gedübelte Systeme kommen zum Einsatz, wenn der Untergrund die Mindestabreißfestigkeit nicht aufweist. Unabhängig vom Untergrund sind Dübel derzeit immer dann erforderlich, wenn Mineralwoll- und Resolharzplatten verarbeitet werden sollen. Diese Dämmstoffe haben nämlich einen parallel zur Wand laufenden, mehrschichtigen Aufbau. Um ein Abscheren einzelner Schichten zuverlässig auszuschließen, ist hier ergänzend zur Verklebung eine statisch wirksame Verdübelung vorgeschrieben.

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