Durchgängig entkoppelt

Im Innenausbau werden leichte Bauweisen favorisiert, so auch bei Installationswänden und -schächten. Mit Gipswandbauplatten, die vom Baukörper entkoppelt eingebaut werden, lassen sich Anforderungen an den Schallschutz sicher erfüllen. Die schalltechnische Entkopplung gilt aber auch für die Folgegewerke.

Installationswände haben aus Sicht des baulichen Schallschutzes die Aufgabe, die Übertragung von Installationsgeräuschen möglichst gering zu halten. Da diese Geräusche als besonders störend empfunden werden können, stellt die DIN 4109 (Schallschutz im Hochbau, 1989) zum Schutz der Bewohner baurechtlich eingeführte Anforderungen an den zulässigen Schalldruckpegel in schutzbedürftigen Räumen fremder Wohnbereiche (zum Beispiel dem Schlafzimmer). Zur Einhaltung dieser Anforderungen schreibt die Norm für Installationswände die Verwendung von Massivwand-Konstruktionen mit einer flächenbezogenen Masse von 220 kg/m² vor, typischerweise also 115 mm dickes verputztes Mauerwerk der Rohdichteklasse 2.0. Alternativ können aber auch andere Konstruktionen verwendet werden, wenn diese sich nachweislich nicht ungünstiger verhalten als eine Installationswand mit 220 kg/m².

Installationswand aus Gipswandbauplatten

Heutzutage wird allerdings tendenziell eine immer leichtere Bauweise, vor allem im Innenausbau favorisiert. So begegnet man zunehmend auch Installationswänden und -schächten aus massiven, aber vergleichsweise leichten Gipswandbauplatten nach DIN EN 12 859. Gipswandbauplatten haben bei der am häufigsten verwendeten Plattendicke von 100 mm bei mittlerer Rohdichte eine flächenbezogene Masse von etwa 85 kg/m² und bei hoher Rohdichte von etwa 120 kg/m² oder 140 kg/m². Ihre flächenbezogene Masse liegt damit also deutlich unter den Vorgaben der DIN 4109.

Trennwände aus Gipswandbauplatten werden jedoch nicht wie andere massive Wandbildner üblicherweise starr an den Baukörper angeschlossen, sondern durch systemeigene Randanschlussstreifen aus PE-Schwerschaum oder Bitumenfilz von den umgebenden Bauteilen entkoppelt eingebaut. Bei Trennwänden aus massiven Gipswandbauplatten konnte aufgrund dieser Entkopplung ein besseres schalltechnisches Verhalten nachgewiesen werden, als man es aufgrund der flächenbezogenen Masse erwarten würde. Dadurch stehen die leichten, aber massiven Gipskonstruktionen auch deutlich schwereren Massivwandkonstruktionen in schalltechnischer Leistungsfähigkeit und Eignung in nichts nach – vorausgesetzt, die Entkopplung als integraler Montageansatz wird konsequent auch bei der Ausführung der Vorwandinstallation fortgeführt.

Mustergültig installieren

In einem 2013 abgeschlossenen Forschungsprojekt wurden entkoppelte Gipsinstallationswände in einem zweigeschossigen Kombinationsprüfstand der Hochschule für Technik in Stuttgart schalltechnisch untersucht. Die Messergebnisse lieferten neben der generellen schalltechnischen Eignung der massiven Gipswände im Vergleich mit schwereren Varianten insbesondere Erkenntnisse darüber, wie die Befestigung von Vorwandinstallationen und ihren Sanitärobjekten ausgeführt werden muss. Dabei wurden der allgemeinen Baupraxis entsprechend die Sanitärinstallationen nicht direkt in der Gipsinstallationswand verlegt, sondern in einer vor der Wand angeordneten Installationsebene. Diese Vorwandkonstruktionen werden zwar in der Baupraxis teilweise noch aus Mauerwerk, meist jedoch aus mit Gipsplatten beplankten Metallunterkonstruktionen hergestellt. Die beplankten Metallständer bilden zusammen mit einer Installationswand aus Gipswandbauplatten eine schalltechnisch günstige baupraktische Einheit.

Ausgehend von den Untersuchungen in Stuttgart
lassen sich für den Einbau von Vorwandinstallationssystemen mit repräsentativen Sanitärobjekten wie Badewanne, Waschbecken und WC folgende Ausführungsempfehlungen zusammenfassen:

Die Vorwandinstallationssysteme, zumeist aus Metallprofilen bestehend, die mit Verbindern zu einem tragenden Rahmen zusammengefügt werden, werden mit Montagewinkeln am Boden und an der Installationswand angedübelt. Diese Winkel müssen ausnahmslos über eine Entkopplung verfügen.
Die Rahmen sowie auch die Zuschnitte aus Gipsplatten zur Beplankung sollten ebenso zwingend mit selbstklebenden PE-Trennbändern zur schalltechnischen Entkopplung des kompletten Vorwandinstallationssystems an alle umgebenden Bauteile elastisch angeschlossen werden.
Sanitärobjekte müssen mit einem Wannenanschlussband (Badewanne) beziehungsweise mit einem Schallschutzset (Waschbecken und WC) vom Vorwandinstallationssystem entkoppelt werden.
Insbesondere beim Einbau von Badewannen können die als besonders störend empfundenen Prallgeräusche (Anregung der Badewanne mit der Brause) dadurch erheblich gemindert werden, dass neben modifizierten Fußgestellen mit speziellen Ummantelungen zur Entkopplung von der Rohdecke ein zusätzliches Bedämpfungsmaterial auf dem Wannenkörper sowie ein elastischer Anschluss der Wannenverkleidung ausgeführt wird. In dieser Weise optimiert eingebaute Badewannen erreichen eine Pegelminderurıg von rund 10 dB gegenüber nicht entkoppelt eingebauten Badewannen – was in etwa als die doppelte Lautstärke eines Schallereignisses wahrgenommen werden kann.

Durchgängiger Schallschutz

Für Installationswände aus Gipswandbauplatten ist bei Auswahl geeigneter Sanitärobjekte und ihrem schalltechnisch optimiertem Einbau eine deutliche Minderung der Installationsgeräusche möglich. Weshalb auch abschließend festgehalten werden soll, dass bei der Erfüllung der Anforderungen des baulichen Schallschutzes nicht etwa die Installationswand isoliert zu betrachten ist, sondern dass stets ein komplettes Übertragungssystem, bestehend aus der eigentlichen Installationswand, dem Vorwandinstallationssystem mit den befestigten Sanitärobjekten sowie auch der Geschossdecke, herangezogen werden muss.

Mit fachgerecht ausgeführten, das heißt in allen Ebenen entkoppelten Installationswänden aus massiven Gipswandbauplatten und geeigneten Vorwandinstallationssystemen können die Anforderungen der DIN 4109, aber auch die der Schallschutzstufen I bis III nach VDI 4100 sicher eingehalten werden. Voraussetzung ist allerdings, dass auch die nachfolgenden Gewerke das wirkungsvolle Prinzip der bauakustischen Entkopplung beachten.

Autor

Hanns-Sebastian Mack ist Verkaufsleiter Süd beim Gipsspezialisten VG-Orth GmbH & Co. KG in Stadtoldendorf.

Auch die folgenden Gewerke müssen das wirkungsvolle
Prinzip der bauakustischen Entkopplung beachten

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 09/2015

Entkopplung im System

Holzwerkstoffe reagieren auf Änderungen des Umgebungsklimas mit Schwinden oder Quellen. Diese Eigenschaft macht sie zu kritischen Untergründen für die Fliesen- oder Natursteinplattenverlegung. Auch...

mehr
Ausgabe 12/2018

Erstmals Schallschutz für Innenwand-Schiebetüren

Schiebetüren haben einen großen Vorteil: Sie bieten mehr Platz und Freiraum in der Wohnung, da das Türblatt beim Öffnen in der Wandtasche verschwindet. Bisher war dieser Vorteil aber mit...

mehr
Ausgabe 03/2009

Entkoppelt? Schallschutz bei leichten Treppenkonstruktionen

Die Reizschwelle der Menschen gegenüber Lärm ist unterschiedlich – Geräusche aus Nachbarwohnungen werden jedoch beinahe grundsätzlich als störend empfunden. Kaum ein Bauherr ist daher noch...

mehr
Ausgabe 10/2010

Gipsplatte verbessert Schallschutz

Mit Silentboard bringt Knauf eine neue Gipsplatte auf den Markt, die gute Basiswerte für den Schallschutz erzielt – und dies auch im tieffrequenten Bereich. So erzielt zum Beispiel eine mit der...

mehr
Ausgabe 06/2018

Fußbodenaufbau: die richtige Entkopplungsmethode wählen

Klassische Dämm- und Entkopplungsplatten sind häufig Unterlagsplatten oder auch Bahnenware. Sie bestehen beispielsweise aus elastischen oder mehrschichtigen Aufbauten und können aus ganz...

mehr