Eine Wanne voller Dämmstoff
Folienabdichtung unter Dämmung in einem 400 Jahre alten Haus in Simonswald

Das Schwarzwaldhaus in Simonswald an der Wilden Gutach wurde um 1600 erbaut. Heute ist es beinahe ein Passivhaus. Übermorgen wird es ein Plusenergiehaus sein. Dann wird es, ausgerüstet mit einer Photovoltaikanlage, die Energie für die Wärmepumpen selbst erzeugen.

Bauherren und Planer zugleich sind die Ingenieure des Simonswalder Büros Zero-Therm, die sich auf die energetische Sanierung alter Gebäude spezialisiert haben und hier noch im Jahr 2012 ihre zweite Niederlassung eröffnen wollen.

Das Schwarzwaldhaus ist neue Büroadresse und Referenz zugleich: Das Gebäude erhielt an den Wänden ein 18 cm dickes WDVS auf Mineralwollebasis, am Fundament eine 18 cm dicke Perimeterdämmung aus XPS und in den Decken eine 26 cm dicke Zelluloseschüttung. Das große Dach ist durch die stark dimensionierte Geschossdeckendämmung vorerst von den beheizten Wohn- und Büroräumen getrennt.

Aufgeständerte Bodendämmung

Für den großflächigen Boden des Hauses sahen die Planer eine spezielle Dämmkonstruktion vor. Im ersten Schritt wurde der alte Holzboden entfernt, das Erdreich bis auf das unterste Niveau des Streifenfundaments ausgegraben und eine 18 cm dicke Betonplatte eingebaut. Die Absenkung des Bodens bis fast auf Fundamentunterkante ermöglicht im nächsten Schritt den Einbau einer großzügigen Fußbodendämmung. Die Bauherren entschieden sich für eine Zelluloseschüttung zwischen 25 cm hohen Doppel-T-Trägern. Darauf liegen 22 mm dicke OSB-Platten und abschließend 35 mm dicke Holzfaserträgerplatten für eine Fußbodenheizung. Dieser Bodenaufbau weist einen U-Wert von 0,14 W/m²K auf.

Feuchtigkeitssperre als Wanne für Zelluloseschüttung

Das komplexe Boden-Dämmpaket, in dem verschiedene elektrische Leitungen, Warmluftsysteme und Heizungsrohre verbaut sind, musste vor etwaiger aufsteigender Bodenfeuchtigkeit geschützt werden. Die hier eingesetzte Feuchtigkeitssperre Gefitas 3/300 rollten die Handwerker auf der Betonplatte aus, verklebten sie untereinander mit den integrierten Selbstklebestreifen und führten sie rund 40 cm an den Wänden wannenartig hoch. Die leichte und flexible Gefitas konnte mit geringem Aufwand an die verschiedenen Oberflächen des alten Hauses angepasst und fachlich korrekt im System mit speziellen Klebebändern und Kartuschen-Klebstoffen verbunden werden. Auch kleinteilige „Fummelarbeiten“ an Fenstern und Nischen ließen sich in zuverlässiger Qualität ausführen.

Widerstandfähiges Material

Die vorhandene oder bereits vormontierte Haustechnik hoben die Handwerker bei der Verlegung kurzzeitig an und verlegten die leichten Bahnen darunter. Die verschiedenen Verklebungen wurden ohne Flamme oder beispielsweise Heißbitumen schnell und geruchsfrei ausgeführt. Für den Lastfall Bodenfeuchtigkeit gemäß DIN 18195 Teil 4 hat sich die Gefitas 3/300 bewährt und zählt zu den meistgenutzten Bahnen ihrer Art. Sie ist durch ihren 3 mm dicken Schaumrücken widerstandsfähig gegen mechanische Verletzungen und eignet sich daher auch für die Verlegung auf rauem, unebenem Betonuntergrund, wie im vorgestellten Schwarzwaldhaus.

Autor


Gerard Halama betreibt ein Büro für Fachpublizistik in Bremen. Er ist als Fachjournalist unter anderem für die Zeitschriften dach+holzbau und bauhandwerk tätig.

Feuchtigkeitssperre zum Schutz der Bodendämmung

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