Endstation Zukunft
Sanierung und Umbau des Alten Bahnhof Warendorf zum modernen Geschäftshaus

126 Jahre ist das ehemalige Bahnhofsgebäude in Warendorf alt. Drei Jahrzehnte stand es leer. Seit März dieses Jahres ist es ein modernes Geschäftshaus mit einer 312 m2 großen zahnärztlichen Gemeinschaftspraxis mit angeschlossenem Dentallabor und 115 m2 weiterer Bürofläche.

Der Alte Bahnhof ist ein typischer ländlicher Bahnhof aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Die Form des zweigeschossigen Gebäudes mit seiner dreiteiligen Baugruppen aus gelb-rotem Backstein mit flach geneigten Dächern ist der einer Lokomotive nachempfunden. Der östliche Gebäudeteil ist um ein Attikageschoß erhöht. Die einzelnen Gebäudeteile sind durch reliefartige Backsteinverbände und unterschiedliche Färbungen der Backsteine, sowie Brüstungsgesimse aus Sandstein gegliedert. Mit seiner prägnanten Ziegelarchitektur und dem klassischen Rundbogenstil der Fenster ist der Bahnhof ein das Ortbild prägendes Gebäude.

Vom Bahnhof zum Geschäftshaus

Dabei diente das Gebäude nur 15 Jahre als Bahnhof. Danach war es Finanzamt und Wohnhaus und stand in den vergangenen drei Jahrzehnten leer. Nutzlos aber schön überdauerte der Bahnhof als Industriebrache. Über die Zeit wurde das Fugennetz der Backsteinfassade marode, die Wände durchfeuchteten und an eine höherwertige Nutzung war nicht mehr zu denken. Ein Abrissantrag der Alteigentümer wurde von der Denkmalbehörde glücklicher Weise abgelehnt. 1991 erfolgte die Eintragung in die Denkmalliste. Die Begründung: Der ehemalige Bahnhof ist ein „bedeutendes Denkmal der westfälischen Verkehrsgeschichte“.

Dieser Geschichte wurde nun ein neues Kapitel hinzugefügt. Das neue Nutzungskonzept der Elmer Immobiliengesellschaft als Investor sichert nach umfassender energetischer Sanierung und Umbau zu einem modernen Geschäftshaus mit zahnärztlicher Gemeinschaftspraxis mit angeschlossenem Dentallabor und weiteren Büroräumen den Bestand des Gebäudes. Dabei konnten alle Vorgaben der Denkmalbehörde umgesetzt werden. Dies lagunter anderem am Sanierungskonzept des mit der Planung beauftragten ortsansässigen Architekten Theo Altefrohne, der für den Bauherrn in Warendorf bereits zahlreiche Baudenkmale umgebaut hat. Unterstützung erhielt er was die Anwendung moderner Sanierungssysteme anbelangt durch Michael Papenbrock von der Remmers Fachvertretung aus Beelen. Mit der Umsetzung der Sanierungs- und Umbauarbeiten wurde das Bauunternehmen Oertker als Generalunternehmer und der Malerbetrieb Ahlemann beauftragt, die mit der historischen Substanz sehr behutsam umgingen.

Fugensanierung der Backsteinfassaden

„Positiv war, das die Dacheindeckung des Gebäudes trotz Leerstand weitgehend dicht war, so dass es nicht zu so gravierenden Feuchtschäden kam, wie dies sonst häufig bei leerstehenden Gebäuden der Fall ist“, sagt Theo Altefrohne. Auch deshalb hatte das Gebäude eine für sein Alter hervorragende Substanz. Trotzdem musste das Mauerwerk umfassend saniert werden, was zum einen an Einschusslöchern aus dem Zweiten Weltkrieg und zum anderen am Maroden Fugennetz lag. Außerdem musste die Backsteinfassade energetisch ertüchtigt werden, sollte aufgrund der Denkmalschutzauflagen aber steinsichtig bleiben. Daher wurde von innen gedämmt. Für die Sanierung der Fassade reinigten die Mitarbeiter des Malerbetriebs Ahlemann zunächst die Backsteinoberfläche gründlich mit dem Rotec-Verfahren der Firma Remmers. Mit dem Niederdruck-Wirbelstrahlverfahren wird mit feinem Glaspudermehl die Oberfläche der Ziegelsteine schonend gereinigt. Trotz Kriegsschäden mussten die Handwerker nur unter 5 Prozent der Backsteine austauschen. Hierfür stand ihnen Ziegelmaterial aus dem vorangegangenen Rückbau der zahlreichen Schornsteine zur Verfügung. Danach konnten sämtliche Fugen mit der Funcosil Schlämmverfugung geschlossen werden. Diese Ziegelschlämmverfugung besteht im Wesentlichen aus zwei Elementen: der Fugenerneuerung durch Einbringung eines hydraulisch härtenden Fugenmaterials und der wasserabweisenden Ausrüstung der Fassade mit der hydrophobierenden Imprägnierung Funcosil SNL. Das Fugenmaterial ist eine feinkörnige Schlämme mit sulfatbeständigem Bindemittel, die sich durch eine besonders hohe Flankenhaftung, bedingt durch die Qualität des Mörtels und die Einbringtechnik mit dem Schwammbrett, auszeichnet. Besonders wirtschaftlich ist das Verfahren für den Handwerksbetrieb, da Zeiten für das Ausstemmen und Ausschneiden der Fugen entfallen genauso wie eine eventuell damit verbundene Beschädigung der Steinkanten. Am Ende wird nur noch das überschüssige Fugenmaterial mit einem feuchten Schwammbrett von der Oberfläche der Backsteine abgewischt.

Natursteinrestaurierung der Sandsteingesimse

Die Steinvarietäten der Architekturelemente innerhalb der Backsteinfassade waren unterschiedlich stark verwittert. Die abschalenden oder absandenden Natursteinoberflächen erforderten den Einsatz spezieller Remmers-Produktsysteme für die Natursteinrestaurierung. Oberstes Ziel der Arbeiten war der Erhalt der Originalsubstanz. Die Reprofilierung, Restaurierung und Ergänzung führten die Mitarbeiter des Malerbetriebs Ahlemann mit Remmers Restauriermörtel weich aus. Um das hygrische Quellen der tonmineralhaltigen Natursteine zu vermindern, trugen die Maler im Flutverfahren ohne Druck mehrfach Antihygro von Remmers auf. Die Farbanpassung der Steinergänzung nahmen die Handwerker mit einer halblasierenden Beschichtung mit Remmers Historic Lasur vor.

Hydrophobierende Fassadenimprägnierung

Die anschließende hydrophobierende Imprägnierung der Backsteinfassade kombiniert mit der Schlämmverfugung des verwitterten Fugennetzes reduziert die Wasseraufnahme der frei bewitterten Fassadenflächen erheblich. Die Poren bleiben offen, der Baustoff behält seine „Atmungsaktivität“, das heißt die Wasserdampfdurchlässigkeit wird kaum beeinträchtigt. Da ein trockener Baustoff besser dämmt als ein nasser, wird durch die hydrophobierende Imprägnierung neben dem Schutz der Konstruktion ein zusätzliches Energiesparpotential erschlossen. Durch das „Fernhalten“ von Wasser gewinnt der imprägnierte Baustoff seinen ursprünglichen, niedrigeren Wärmeleitfähigkeitswert zurück.

Innendämmung mit dem iQ-Therm-System

Damit war die Backsteinfassade mit ihren mehrfarbigen, reliefartigen Backsteinverbänden und Sandsteingesimsen saniert und auf Dauer geschützt, jedoch noch nicht auf den energetischen Standard unserer Tage gebracht. Um die Anforderungen der EnEV und des Denkmalschutzes gleichermaßen zu berücksichtigen war der Einbau einer Innendämmung erforderlich. Zur Ausführung kam das Innendämmsystem iQ-Therm von Remmers, das speziell für die Anforderungen entwickelt wurde, die auch für den Bahnhof in Warendorf gelten. Hierzu stellten die Handwerker mit einem mineralischen Putz zunächst auf der Innenseite der Außenwände eine ebene Fläche her, auf der sie die 80 mm dicken Innendämmplatten mit einem darauf abgestimmten mineralischen Klebemörtel vollflächig verklebten. Abschließend wurden die Platten mit einem porosierten mineralischen Leichtmörtel überputzt, der mit einer Dicke von 10 bis 15 mm die Sorptions- und Installationsschicht darstellt.

Stuck sollte erhalten bleiben

Für die Denkmalpflege war es wichtig, die alten schadhaften Stuckdecken zu erhalten, was zunächst zu einem Konflikt mit der Innendämmung führte. Daher arbeiteten die Handwerker die Innendämmung schräg an die Stuckprofile heran, so dass diese in den Raumecken sitzen bleiben durften. „Damit es nicht zu Schäden durch Kondenswasser am Stuck kommt, bauten die Handwerker eine Heizschleife in den Stuck ein – eine bei denkmalgeschützten Gebäuden häufig angewandte Methode“, meint Architekt Altefrohne. Die für die neue Nutzung erforderlichen Innenwände bauten die Handwerker mit Oberlichtern ein, durch die hindurch man den Stuck in seiner räumlichen Gesamtwirkung wahrnehmen kann.

Bauwerksabdichtung im Keller

Zu den Grundvoraussetzungen einer energetisch wirksamen Gebäudesanierung zählt auch eine sichere Abdichtung im Keller- und Sockelbereich. Der Alte Bahnhof ist im mittleren und östlichen Gebäudeteil unterkellert. In diesem Teil sollten die Ziegelkappendecken freigelegt und die Kellerräume tiefer gelegt werden. Hierzu bauten die Handwerker die Geschosssohlen aus Ziegelsteinen und Betonestrich aus und legten die Streifenfundamente frei. Danach konnte sie die neue Betonbodenplatte einbauen. Die Abdichtung führten die Handwerker mit dem Kiesol-System von Remmers aus. Im einzelnen erforderte die Instandsetzung der Kellerräume eine Vertikalalabdichtung der Trennwände durch Bohrlockinjektage mit Kiesol gegen seitlich eindringende Kapillarfeuchte, eine Grundierung und Grundverkieselung der Wandflächen mit Kiesol sowie einen Flächenausgleich mit Grundputz, der in Teilflächen auch mit Dichtspachtel ausgeführt werden musste. Darüber hinaus brachten die Handwerker eine Haftbrücke und Dichtungsebene mit Sulfatexschlämme in zwei Schlämmlagen und eine Haftbrücke für den Putzauftrag mit Sulfatexschlämme und Vorspritzmörtel auf. Die Putzauflage erfolgte mit Grundputz WTA und Sanierputz WTA altweiß.

Abgerundet wurde das energetische Gesamtkonzept für den Alten Bahnhof in Warendorf durch eine mit Erdwärme gespeiste Fußbodenheizung und Fenstern sowie Türen nach neuestem energetischen Standard. Damit wird ein dem KfW-70 Effizienzhaus vergleichbares Niveau erreicht.

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