Öffentliche Beschaffung als Schlüssel für kreislauffähiges Bauen

Beim „Tag der Mineralik – Zukunft Bauen im Kreislauf“ haben der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft e. V. (BDE) und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e. V. gemeinsam betont: Kreislauffähiges Bauen ist technisch möglich und wirtschaftlich darstellbar – entscheidend ist nun eine konsequente öffentliche Beschaffung.

Vor Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Bauwirtschaft, öffentlicher Hand, Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft sowie Wissenschaft diskutierten die beiden Verbände, wie Green Public Procurement (GPP) und eine praxistaugliche Weiterentwicklung der Ersatzbaustoffverordnung (EBV) dazu beitragen können, mineralische Sekundärrohstoffe stärker in die Anwendung zu bringen.

Laut der heimischen Bauverbände ist kreislauffähiges Bauen marktreif und braucht politische Umsetzung.
Foto: Line Riedel /Pexels

Laut der heimischen Bauverbände ist kreislauffähiges Bauen marktreif und braucht politische Umsetzung.
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„2026 muss das Jahr werden, in dem nachhaltige öffentliche Beschaffung vom politischen Anspruch zur gelebten Praxis wird“, erklärte Anja Siegesmund, Geschäftsführende Präsidentin des BDE. „Unsere Analysen zeigen klar: Weder Verfügbarkeit noch Kosten sind das Problem. Was fehlt, sind Rechtssicherheit und klare Vorgaben in der Vergabepraxis. Öffentliche Auftraggeber müssen Kreislaufwirtschaft gezielt nachfragen.“
Grundlage der Diskussion war unter anderem ein vom BDE beauftragtes Kurzgutachten zu Green Public Procurement, das konkrete Handlungsoptionen für eine ressourcenschonende Beschaffung aufzeigt. Daniel Imhäuser, Vorstandsmitglied des BDE und Geschäftsführer der Blasius Schuster GmbH & Co. KG, betonte aus Sicht der Praxis: „Die Recycling- und Entsorgungswirtschaft kann liefern. Mineralische Recyclingrohstoffe stehen vielerorts in ausreichender Qualität und Menge zur Verfügung. Entscheidend ist, dass öffentliche Auftraggeber diese Materialien auch konsequent nachfragen, rechtssicher einsetzen und bei Rückbau gezielt zur Verwertung abgeben können. Dann wird Kreislaufwirtschaft im Bauwesen vom Ausnahmefall zur Regel.“

Auch die Bauindustrie sieht dringenden Handlungsbedarf. Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller betonte: „Kreislauffähiges Bauen braucht verlässliche und praxistaugliche Rahmenbedingungen. Die Unternehmen sind bereit, Recyclingbaustoffe einzusetzen. Jetzt kommt es darauf an, dass Regulierung und Beschaffung diese Lösungen ermöglichen und nicht ausbremsen.“

Im Rahmen der Veranstaltung stellte die Bauindustrie ihr Positionspapier zur Weiterentwicklung der Ersatzbaustoffverordnung vor. In den Diskussionen wurde deutlich: Kreislaufwirtschaft im Bauwesen ist marktreif – jetzt braucht es politische Umsetzung und klare Signale aus der öffentlichen Hand. (bhw/ela)

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