Extreme Bedingungen

Das Klimahaus Bremerhaven 8° Ost vermittelt seinen Besuchern spürbar Wissenswertes zum Klima und Klimaschutz. Während der Bauphase war die innere Fassade der Witterung schutzlos ausgesetzt; heute herrscht in der Ausstellung selbst ein extremes Klima. Trotzdem führte man den Ausbau in Trockenbauweise durch.

Das rund 11 500 m2 große und 30 m hohe Ausstellungsgebäude ist vor dem Hochhaus Sail City im neuen Stadtteil Havenwelten gelegen. Die weitläufige Brachfläche zwischen dem alten Hafen und dem Deich der Außenweser wird durch die Besucher des Baus neu belebt. Seine Hauptattraktion ist eine Reise durch die wichtigsten Klimazonen der Erde, die den Besucher entlang des 8. Längengrades von Bremerhaven über die Schweiz, Sardinien, Niger, Samoa, Alaska und die Nordsee zurück zum Ausgangspunkt führt. Dabei bekommen die Besucher unter anderem frische Kühle, Gluthitze, brütende Feuchtigkeit und Eiseskälte zu spüren. Weitere Themenbereiche sind die Elemente Wasser, Feuer, Erde, Luft sowie die Perspektiven und Chancen, die mit dem Klimawandel und dessen Beeinflussung durch den Menschen verbunden sind. 


Innere und äußere Konstruktion 

Das Klimahaus besteht aus zwei Volumen: Dem Innenbaukörper, gefertigt aus Beton und Trockenbauelementen, und dem amorphen Außenbaukörper, einer Hülle aus Glas, die von einer 1200 Tonnen schweren Stahlkonstruktion getragen wird. Jede einzelne Glasscheibe dieser 10 000 m2 großen Fläche wurde mit Hilfe von Computertechnik in ihrer Formgebung eindeutig bestimmt. Das gedämmte Dach besteht aus Stahltrapezblech mit Aluminiumdachhaut.

Vor Beginn der Bauphase war klar, dass der Innenbaukörper für etwa ein Jahr der Witterung ausgesetzt sein würde, bevor die äußere Hülle als Schutzhaut fertiggestellt werden konnte. Deshalb musste man für die Außenwände des Innenbaukörpers ein Material wählen, das der Luftfeuchtigkeit, dem Salzgehalt der Luft und hohen Windstärken standhalten und eine schnelle Schließung des Baukörpers ermöglichen würde.

Zudem musste das Material besonderen statischen Anforderungen gerecht werden (wie beispielsweise bei den bis zu 21 m hohen Innenwänden) und entsprechend der ungewöhnlichen Raumnutzung anspruchsvolle Wärme- und Schalldämmqualitäten bieten. Flexibilität, Leichtigkeit und leichte Formbarkeit des Materials auf der Baustelle spielten ebenfalls eine wichtige Rolle, um gewünschte Wandrundungen vornehmen und sie gegebenenfalls aktuell erforderlichen Änderungen anpassen zu können.

Für die Außenwand des Innenbaukörpers fiel die Wahl auf die witterungsbeständige Zementbauplatte AquapanelCement Board Outdoor von Knauf Perlite in Verbindung mit einem Wärmedämmverbundsystem. Das Material bringt durch seine Schimmelresistenz und Nichtbrennbarkeit Eigenschaften mit, die auch für die klimatisch extremen Bedingungen der Erlebniswelten von Bedeutung sind.  


Einfache Verarbeitung, keine Trocknungszeiten 

Für die Konstruktion der Außenwand des Innenbaukörpers wurde vorab ein Standsicherheitsnachweis errechnet, wobei Windlasten für Gebäudehöhen bis 25 m angenommen und für den Standort Bremerhaven die Windzone 4 der Kategorie „Küste Nord- und Ostsee“ gewählt wurden. Daraus ergab sich eine Unterkonstruktion aus UA-Profilen 150 mm, die Rücken an Rücken mit Türsteckwinkeln an Rohboden und Decke befestigt wurden. Der Achsabstand betrug 625 mm, bei größeren Wandhöhen, 417 mm. 

Das Ständerwerk mit Mineralwolle trägt die witterungsbeständige Zementbauplatte. Darauf wurde ein mineralisches Wärmedämmverbundsystem montiert, bestehend aus einer speziellen Mineralwolle, Armierungsmörtel mit Gewebe und einem Putzsystem. Mittels dieses Wärmedämmverbundsystems konnte die Fassade, gebildet aus Beton, Stahl und zementgebundenen Bauplatten, komplett egalisiert werden. In Einzelabstimmung wurde das Wandsystem in F 90-Qualität errichtet. 

Insgesamt wurden etwa 7000 m2 Bauplatten montiert. Die 900 x 1250 mm großen Platten konnten ohne Vorfertigung direkt auf der Unterkonstruktion befestigt werden. Für die Verarbeitung war kein Spezialwerkzeug nötig, da sich das Material durch Ritzen und Brechen einfach anpassen ließ. Die Arbeitszeit wurde dadurch reduziert, und ohne lange Trocknungszeiten verkürzte sich auch die Montagezeit. 

Die Zementbauplatten wurden auf der Unterkonstruktion mit Maxi-Schrauben SB 39 (4,2 x 39 mm) befestigt. Die Fugen von 3 - 5 mm wurden mit Fugenspachtel und Fugenband/10 cm geschlossen, die Schraubenköpfe verspachtelt. Den Abschluss der Außenwand bildet ein auf dem WDV-System aufgebrachter, weiß eingefärbter Putz.  

Feuchtigkeitsbeständige Innenwände 

An der Innenseite des Wandaufbaus wurde im Kern eine Dämmung aus 100 mm Mineralwolle eingebracht, eine Dampfsperre aus 0,2 mm PE-Folie verlegt und dann beplankt. Bei Innenwänden mit besonderen Ansprüchen wählte man statt GK-Platten die feuchtigkeitsbeständige Bauplatte Aquapanel Cement Board Indoor – so zum Beispiel im Ausstellungsbereich „Elemente“ des Klimahauses, in dem das Wetter mit Regen, Wind und Sonneneinstrahlung nachempfunden wird.

Auch in den Bereichen und Räumen, die durch Klimanachbildungen definiert sind, wurde die Zementbauplatte verwendet – überall dort, wo beständig über 70 Prozent Luftfeuchtigkeit und 35 Grad Celsius herrschen. Die Bauplatte ist nicht nur zu 100 Prozent wasser­beständig, sondern auch resistent gegen Schimmel.

Da die Ausstellungs- beziehungsweise Erlebnisräume auch beschallt werden, stellen sie hohe Anforderungen an den Schallschutz. Die Beplankung der Wände wurde daher in zwei Lagen ausgeführt.  

 

Über 20 m hohe Wand durchgehend beplankt 

Einige Innenwände wurden sowohl horizontal als auch vertikal gekrümmt, und zwar nicht in einem bestimmten Radius, sondern als undefiniertes Flächenstück. „Das Biegen der Zementbauplatten erfolgte ohne Vorbereitungen direkt auf der Baustelle“, so Fachbauleiter Stefan Lagleder von der ausführenden Firma Lindner. „Jede einzelne Platte konnte so an die jeweilige Wölbungsanforderung angepasst werden.“ Die Zementbauplatte wurde auch bei der Konstruktion der teilweise extrem hohen Wände eingesetzt. Im Foyer des Klimahauses wurde eine über 20 Meter hohe Wand vor Einzug der Geschossdecken durchgehend beplankt. Die Montage der Wände war so getaktet, dass nach Fertigstellung der Rohbau- und Dachdeckerarbeiten die Innenwände montiert und parallel dazu die eigentliche Glasfassade hergestellt werden konnte.

 

Brandschutz in der Dachzentrale 

Die komplette Lüftungstechnik des Klimahauses ist in einer Dachzentrale untergebracht. Gefordert war eine leichte Konstruktion mit der Feuerwiderstandsklasse F 90 zu den darunter gelegenen Ausstellungsräumen. Der Boden wurde daher in Trockenbauweise mit 200 m2 Aquapanel Cement Board Floor aufgebaut. Das Material ist ebenso wasserbeständig und schimmelresistent wie die Platten für Innen- und Außenwände und verfügt über gute Schall- und Wärmedämmeigenschaften sowie eine hohe Tragfähigkeit.

Das Stecksystem der Platte mit eingearbeiteter und umlaufender Nutkante ermöglichte den schnellen Aufbau eines massiven Bodens. Die Platten wurden mittels Kleber kraftschlüssig verbunden, wobei das Verschrauben komplett entfiel. Durch den Einsatz eines auf die Platte abgestimmten Flachdübels erfolgte außerdem automatisch eine Höhenfixierung, so dass die Bodenelemente eine ebene Oberfläche bilden.

Die Wände des Innenbaukörpers mussten witterungsbeständig sein

Trockenbau im Feuchtraum

HIer finden Sie einen Text zur Verarbeitung von Gipsfaser- und zementgebundenen Feuchtraumplatten im Innenausbau des Klimahauses Brenerhaven.

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