Geschwungen und gebogen

Trotz hoher Festigkeit kann man mit zementgebundenen Leichtbetonbauplatten Konstruk­tionen mit Krümmungsradien ab 250 mm bauen. Je nach Radius werden die Platten dabei eingeschnitten, geschlitzt oder quer auf der im engen Abstand montierten Unterkonstruktion befestigt.

Bei Radien > 4000 mm wird die Unterkonstruktion im Abstand von < 312,5 mm montiert. Anschließend werden Powerpanel H2O Platten mit einer Länge von > 2000 mm quer auf der Unterkonstruktion befestigt. Bei Radien > 1500 mm bis < 4000 mm werden die Platten ebenfalls quer auf einer im Abstand von < 250 mm montierten Unterkonstruktion gebogen, sie müssen dazu vorgekrümmt werden. Dabei muss man darauf achten, dass das Gewebe nicht reißt. Idealerweise werden bei beiden Varianten die Platten vorher längs in einer Breite von 625 mm aufgetrennt. Die Montage erfolgt jeweils – abweichend von der normalen Klebefuge – mit 3 bis 5 mm großer Fuge. Die vertikalen und horizontalen Fugen werden im Nachgang mit dem Zweikomponenten Kleber fermacell DUO verklebt. Bei zweilagiger Ausführung wird die untere Lage stumpf gestoßen. Die obere Lage wird dann wie gewohnt mit Klebefuge ausgeführt.

Bei Radien > 250 mm bis 1500 mm werden die zementgebundenen Leichtbetonbauplatten einseitig eingeschnitten und dann auf der Unterkonstruktion befestigt. Die Einschnitte erfolgen bei nach innen gebogenen Konstruktionen auf der Plattenvorderseite (Sichtseite), bei nach außen gebogenen Konstruktionen auf der Plattenrückseite. So wird gewährleistet, dass die Einschnitte nach der Montage immer geschlossen sind. Die Einschnitte sollten etwa 8 mm betragen und können einfach mit einer Handkreissäge ausgeführt werden. Jedoch muss der Handwerker darauf achten, dass das Gewebe der hinteren Deckschicht nicht angesägt wird.

Für einen Viertelkreis (90° Biegung) muss man mindestens zehn gleichmäßig verteilte Längsschnitte anordnen. Der Abstand zwischen den Schnitten richtet sich nach dem Biegeradius, also je höher die Anforderung, um so feiner die Gliederung. Genaue Angaben zur notwendigen Anzahl der Einschnitte sowie zum Abstand zwischen den Schnitten stehen in der Unterlage „Powerpanel H2O – Planung und Verarbeitung“ (Tabelle S. 23), die unter www.fermacell.de zum Download bereit steht.

Arbeitsablauf bei der Montage zementgebundenen Leichtbetonbauplatten

Die Montage der Unterkonstruktion erfolgt mit speziellen, flexiblen UW-Profilen für den Wand- und Decken­anschluss. Dabei muss der Handwerker darauf achten, dass die Platten komplett an dem Ständerwerk anliegen. Auf jeder Seite muss ein mindestens 200 mm breiter, nicht angeschnittener Bereich vorgesehen werden, der an mindestens zwei Profilen befestigt wird.

Damit die eingeschnittenen Platten wieder ihre volle Festigkeit erreichen, müssen sie nach der Montage mit einer Oberflächenarmierung versehen werden. Dabei wird der komplette eingeschnittene und der nichteingeschnittene Bereich beschichtet. Für Beschichtungen mit Spachtelungen, Anstrichen oder Tapeten wird Fermacell Powerpanel Feinspachtel vollflächig mit einer Zahnkelle (8er oder 10er Zahnung) aufgetragen und das Armierungsgewebe HD nach Herstellerangaben eingebettet. Nach Aushärten des Feinspachtels und einer Finish-Spachtelung je nach gewünschter Oberflächenqualität kann die gewünschte Oberflächenbeschichtung aufgebracht werden.

Soll die Fläche gefliest werden, wird zunächst die gesamte Fläche mit dem Tiefengrund des Herstellers grundiert und anschließend ein geeigneter kunststoffvergüteter Zementpulverkleber (zum Beispiel dem Flexkleber des Herstellers) mit einer Zahnkelle (8er oder 10er Zahnung) aufgebracht, in den das Armierungsgewebe HD nach Herstellerangaben eingebettet wird. Die Fliesenarbeiten können nach kompletter Aushärtung der Armierungsschicht beginnen.

Autorin

Rita Jacobs M.A. führt ein PR-Büro mit Schwerpunkt Bau und Architektur in Düsseldorf. Sie arbeitet als freie Journalistin unter anderem für die Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

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