Gipsstuck statt Kunststoff-Dekor

Warum verarbeiten Handwerker Dekorelemente aus Plastik? Diese Frage beschäftigte Stuckateurmeister Axel von der Herberg jahrelang. Er hat eine Anlage entwickelt, auf der sich Stuckelemente aus Wasser und Gips herstellen lassen, die komfortabel zu verarbeiten und zugleich umweltschonend und wohngesund sind.

Die wesentlichen Weiterentwicklungen der Anlage zur Herstellung der Stuckelemente umfassen ein kontinuierliches und blasenfreies Befüllen der Gussformen sowie ein neues Verfahren zum Verdichten des Mörtels. Bei der druckluftgesteuerten Entnahme werden zwei Stuckleisten immer mit den innenliegenden Ansichtsoberflächen gegeneinander gelagert, so dass Transportbeschädigungen ausgeschlossen werden können.

Die definierte maximale Stückgröße von 80 x 120 cm gewährleistet den kostengünstigen Transport auf Mehrladungsträgern wie Europaletten oder der selbst entwickelten Modulbox. Ein weiterer Vorteil liegt – neben der Herstellung – in der Verarbeitung der Stuckleisten: Sie können von einer Person allein montiert werden und sind unter dem Begriff „Zwei-Hand-Leisten“ zur Markeneintragung angemeldet.

Im Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer Heilbronn-Franken hat von der Herberg den Lehrgang zum Betriebswirt (HWK) absolviert. Bei dieser 18-monatigen Weiterbildung hat er seine Marketingarbeit über die Herstellung und den Vertrieb von Baustoffen und Ornamenten aus Naturgips geschrieben. Der Beauftragte der Kammer für Innovation und Technologie, Martin Goedeckemeyer, ist durch diese Marketingarbeit auf die Firma AH-Stuck GmbH und den geschäftsführenden Gesellschafter aufmerksam geworden und hat mit von der Herberg dessen Bewerbung zur Sonderausstellung „Innovation gewinnt“ der Internationalen Handwerksmesse in München vorangetrieben. Dort präsentierte der Stuckateur Mitte März die Entwicklung der vollmechanischen Maschine zur Herstellung von Baustoffen aus Naturgips, für die er im Rahmen der Messe mit dem Bundesinnovationspreis ausgezeichnet wurde. Außerdem zeigte er dort das mehrfarbige Stadtwappen von München, das er in einer vielschichtigen Mörteltechnik, dem so genannten Sgraffito, angefertigt hatte.

Der kreative Ansatz seiner Entwicklung und die wissenschaftliche Ausarbeitung in Kooperation mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Steinbeis wurde durch die Innovationsgutscheine A & B des Stuttgarter Finanzministeriums bezuschusst. Seine eingereichten Patent- und Gebrauchsmusteranträge finanziert das Bundeswirtschaftsministerium mit der Patentaktion für Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU).

Die Anlage zur Fertigung von Stuckelementen und ihren Erfinder stellen wir in einer der nächsten Ausgaben der bauhandwerk in einem ausführlichen Werkstattbericht vor.


Autor

Thomas Schwarzmann ist Redakteur der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

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