Holz in der Denkmalpflege ... ...ist das Hauptthema auf der denkmal 2012 in Leipzig

Ebenso wie der diesjährige Tag des offenen Denkmals widmet sich auch die denkmal 2012 vom 22. bis 24. November dem Thema Holz. Vertieft wird das Leitthema in Leipzig mit zahlreichen Veranstaltungen sowie einem Forum, das von den Redakteuren der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau moderiert wird.

Das kleine Dorf an der Elbe, in dem ich aufgewachsen bin, heißt Tespe. Der Name des Ortes leitet sich von Teskope her, was so viel wie „ein Haufen alter Hütten“ bedeutet. Gemeint waren damit die armseligen Häuser der Fischer, die sich nur einfache Holzhütten bauen konnten. Von denen stehen heute natürlich keine mehr. Die ältesten Häuser am Ort haben sich zumindest noch ein Tragwerk aus Holz erhalten: es sind Fachwerkhäuser, wie sie auch auf dem Tesper Wappen zu sehen sind. Dies liegt daran, dass vor allem die einfachen Holzhäuser die Jahrhunderte nicht überdauert haben. Die mittelalterlichen Holzhäuser der Städte brannten ab oder fielen der Fäulnis zum Opfer. Sie wurden gegen massive Steinhäuser ersetzt. Von der Mischkonstruktion aus Stein und Holz, dem Fachwerk, gibt es dagegen auch in Deutschland noch ausgesprochen alte Exemplare.

 

Auf der Suche nach dem ältesten Fachwerkhaus Deutschlands 

Zunächst ging man davon aus, dass kein Fachwerkhaus in Deutschland älter als 500 Jahre ist. Die Dendrochronologie erlaubte jedoch eine genaue Altersdatierung, die an so manchem Fachwerkgebäude Erstaunliches zu Tage brachte. Um das Alter eines Holzhauses bestimmen zu können, vergleicht man das Jahresringmuster der verbauten Holzbalken mit Jahresringtabellen und kann so den Fällzeitpunkt der Bäume bestimmen, deren Holz verbaut wurde. Die Jahresringtabellen für die auch als Überlappungstechnik bezeichnete Methode reichen bis etwa 500 nach Christi zurück. So alt ist hierzulande natürlich kein Holz- oder Fachwerkhaus. Quedlinburg und Esslingen machen sich den Rang um die ältesten Fachwerkhäuser Deutschlands streitig. In Esslingen steht in der Straße „Heugasse 3“ ein Fachwerkhaus, das mit Hilfe der Dendrochronologie auf das Baujahr 1261 datiert wurde. Die Bauforscher tappten bei der Altersbestimmung lange im Dunkeln, weil die Bewohner das Haus immer wieder dem jeweiligen Zeitgeist anpassten. Das Alter war so nicht mehr anhand des Baustils zu bestimmen. Erst die Dendrochronologie brachte Klarheit über das Alter der verbauten Hölzer.

In Quedlinburg entdeckte der Architekt Ulrich Queck einen weiteren Kandidaten für das älteste Fachwerkhaus Deutschlands. Untersuchungen der Holzbalken ergaben, dass das Quedlinburger Haus in der Straße „Hölle 11“ tatsächlich vor beinahe 800 Jahren erbaut wurde. Dieses Geheimnis gab das Gebäude jedoch erst in seinem tiefsten Inneren preis: „Der Fachwerkbau steckt in der Geschossdecke und im Dachstuhl“, erläuterte Architekt Queck, der den Bau als Miteigentümer eines Architekturbüros im Jahr 1999 erwarb. Zur Altersbestimmung der Eichen- und Fichtenbalken setzte man auch in Quedlinburg auf die Dendrochronologie. Nach Aussage des Architekten stammt die Eiche von 1215 und die Fichte etwa aus dem Jahr 1230. Beide sind damit älter als die in Esslingen verbauten Hölzer. Erhärtet werden die Untersuchungsergebnisse durch eine erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1233.

Das älteste Holzhaus in Europa und der Welt

Das vermutlich ältestes Holzgebäude weltweit findet man allerdings in Japan: die fünfstöckige Pagode des Horyu-ji Tempels in Ikaruga. Nach den Erkenntnissen der dendrochronologischen Untersuchungen wurde das Holz für die 32,5 m hohe Pagode im Jahr 594 gefällt. Sicher hat die buddhistische Grundhaltung, den Dingen mit Achtsamkeit zu begegnen, zur Erhaltung des Gebäudes beigetragen. Ein halbes Jahrtausend ist in etwa die Zeit, die man auf das Baujahr des Japanischen Tempels aufschlagen muss, um beim ältesten Holzhaus Europas zu landen: im Englischen Greensted wurde im Jahr 1055 die dortige Kirche zumindest partiell aus Holz erbaut: ein Teil der Fassade besteht aus vertikal aneinander gestellten Rundhölzern (Mann an Mann). Und auch in Sachen Fachwerkgebäude hat der Inselstaat ebenso wie Frankreich einiges zu bieten: Bei den beiden vermutlich ältesten Fachwerkgebäuden Europas handelt es sich um zwei Scheunen von Cressing Temple in Essex, die zwischen 1205 und 1235 erbaute wurden. Hier wird deutlich, wie nahe die Baujahre der Gebäude in Quedlinburg, Esslingen und Essex beieinander liegen. Hinzu kommt bei all der wissenschaftlich exakten Altersbestimmung die Tatsache, dass beim Hausbau im Mittelalter häufig auch Hölzer aus Abbruchgebäuden verwendet wurden, die deutlich älter sein müssen als das untersuchten Gebäude selbst.

Das in Blockbauweise errichtete Nideröst Haus im schweizerischen Kanton Schwyz ist das älteste reine Holzhaus Europas. Das Holz für das Gebäude wurde 1175 gefällt. Bis 1980 war es noch bewohnt, musste dann jedoch einem Neubau weichen. Es wurde demontiert und selbstverständlich nicht weggeworfen, sondern an den Natur- und Tierpark Goldau verschenkt, der es irgendwann einmal wieder aufbauen will.

Was nutzt uns aber das Wissen um das Alter der Häuser, wenn wir diese für die Nachwelt nicht erhalten können? Dieser Aufgabe widmet sich die denkmal 2012 Ende November in Leipzig. Dort werden Themen wie europäische Holzarchitektur, historischer Holzbau, energetische Sanierung von Fachwerkhäusern, Holz- und Bautenschutz, Dekontaminierung, Holzverarbeitung, Beschichtung von Holz, Restaurierung historischer Möbel, Konservierung von Holzobjekten sowie Parkettrestaurierung und Fensterbau auf zahlreichen Veranstaltungen behandelt und in den lebendigen Werkstätten gezeigt.

 

Handwerklich komplexe Holzkonstruktion: Umgebindehäuser mit Block- oder Bohlenstube

Ein herausragendes Thema wird dabei die Erhaltung der so genannten Umgebindehäuser sein – jener Hausform, die insbesondere im Dreiländereck Polen-Tschechien-Deutschland anzutreffen ist. Charakteristisch ist für solche Häuser die statisch vom Tragwerk des Gebäudes entkoppelte Block- oder Bohlenstube. Sie steckt meist auf der Süd- oder Ostseite des Hauses wie eine Holzkiste im Erdgeschoss. Die Lasten des Dachgeschosses beziehungsweise dieses und eines weiteren Obergeschosses darüber werden auf zwei oder meist drei Seiten über Ständer abgetragen. Diese sind seit dem Ende des 18. Jahrhunderts über leicht gebogene Kopfhölzer und Kraggen – dem so genannten Umgebindebogen – miteinander verbunden. Daraus entstand die Bezeichnung dieser Bauweise.

Die Pflege und Sanierung solcher Häuser erfordert spezielles Fachwissen, das auf dem Internationalen Umgebindekongress zumindest in Ansätzen vermittelt werden soll. Veranstalter sind die Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte e.V., die Bernhard-Remmers-Akademie und die Stiftung Umgebindehaus mit dem Umgebindezentrum. Den Teilnehmern werden die verschiedenen Haustypen vorgestellt, Sanierungsmethoden am Beispiel der „Alten Mangel“ in Ebersbach und des „Stellmacherhauses“ in Görlitz (Zgorzelec/Polen) erläutert sowie Möglichkeiten zur Energieeinsparung demonstriert. Des Weiteren verleiht die Bernhard-Remmers-Akademie den „Bernhard-Remmers-Preis 2012 für herausragende Leistungen in der handwerklichen Baudenkmalpflege“ zum bereits siebten Mal. Der Preis würdigt in diesem Jahr die beispielhafte Teamarbeit bei der Translozierung und Instandsetzung des Rademacher Hofes (ebenfalls ein Umgebindehaus im polnischen Zgorzelec).

 

Forum „Holz in der Denkmalpflege“  

Umgebindehäuser werden auch Thema auf dem von den Redakteuren der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau moderierten Forum „Holz in der Denkmalpflege“ sein. Dort werden die CCEG Wandergesellen die Entstehung, Konstruktion sowie die heutige Verbreitung und die regionalen Unterschiede in den Erscheinungsformen der Umgebindehäuser vorstellen.

Des weiteren stellt das Amt für Bauordnung und Denkmalpflege der Stadt Leipzig unter dem Titel „Restaurierung historischer Holzausstattungsbestandteile in Villen und großbürgerlichen Wohnhäusern aus der Zeit zwischen 1870 und 1930 in Leipzig“ anhand ausgewählter Restaurierungsbeispiele auf dem Forum Restaurierungs- und Umnutzungskonzepte vor. Die Vermessungsspezialisten von ArcTron präsentieren archäologische Holzdokumentationen mit kombinierten 3D-Scanning-Methoden  und die Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte e.V. widmet sich der „Fachwerk Triennale 12 – Beiträge zur nationalen Stadtentwicklungspolitik“ (siehe bauhandwerk 6.2012, Seite 5).

Und es wird natürlich nicht nur um Häuser, sondern auch um aus Holz gefertigte Bauteile gehen. Johannes Mosler, Experte für historische Fenster, wird sich dem Thema „Holzfenster und Leinölfarbe“ widmen und Einblicke in die Erhaltung, Konservierung und Pflege historischer Holzbauteile mit Leinöl und Leinölfarbe geben. Auf noch kleinere Bauteile konzentriert sich Eberhard Ludwig vom Bundesverbandes Restaurator im Handwerk e.V. Er untersucht den Einfluss, den Schloss und Schlüssel von Möbeln auf deren altersmäßige Einschätzung haben – ein Stiefkind der Restauratoren. Und es geht auch noch kleiner: Das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen legt den Fokus auf so genannte Nano-Sole in der Holzrestaurierung. Nano heißt bekanntlich Zwerg und gemeint sind damit sehr dünne bioaktive Schichten. Dipl.-Restaurator Manfried Eisbein, Vorsitzender der WTA Arbeitsgruppe Dekontamination, berichtet über Holzkonsolodierung, Holzschutz, Schutz vor Schadstoffen durch Absperren der Oberfläche sowie Schutz gegen Schimmel und Algen durch den Einsatz der Nano-Sole.

 

Weitere Vorträge zum Thema Holz in der Denkmalpflege 

Der Europäische Verband für den ländlichen Raum ECOVAST (European Council for the Village and Small Town) lädt zu einem internationalen Seminar zur Holzarchitektur ein. Das Institut für Holztechnologie Dresden widmet sich mit gleich zwei Veranstaltungen dem Thema Holz: Der Vortrag „Schimmelpilzuntersuchungen und -sanierung an Kunstgut und historischen Gebäuden“ stellt Untersuchungsmethoden vor, erläutert Sanierungsmöglichkeiten an konkreten Beispielen und gibt Empfehlungen für den Umgang mit Schimmelpilzschäden. Mit dem Vortrag „Holzkundliche Untersuchungen an Kunst- und Kulturgut“ erhält der Messebesucher Einblicke in Methoden zur Holzartenbestimmung sowie zur Feststellung von Holzschädigungen und Schadorganismen.

Das Referat Holz der Wissenschaftlich-Technischen Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege (WTA) lädt zum Workshop „Dekontamination von Kunst und Kulturgut“ ein. Im Vordergrund steht der Einsatz gesundheitsgefährdender Holzschutzmittel zwischen 1945 und 1980.

Wann und wo all diese Veranstaltungen auf der denkmal in Leipzig stattfinden werden, erfahren Sie im Internet unterwww.denkmal-leipzig.de

 

Autor

Dipl.-Ing. Thomas Wieckhorst ist verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift bauhandwerk.

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