Drei Infrarotkameras von Flir im bauhandwerk-Praxistest

Infrarot-Inspektion

Eine Wärmebildkamera offenbart tiefe Einblicke in die Substanz eines Gebäudes. Fast wie mit Röntgenblick kann der Handwerker für seine Kunden Sanierungsbedarf und Wärmeenergieverlust klar und deutlich sichtbar machen, wenn er die Infrarot- oder kurz IR-Bilder richtig zu lesen versteht.

Die Redaktion der bauhandwerk hat Thomas Spooren, Inhaber des Büros Spooren Architekten, und seinem Mitarbeiter, Dipl.-Ing. Architekt Erik Hohenhorst, bei einem Wärmebildkameratest in einem sanierungsbedürftigen Wohngebäude über die Schulter geschaut. Die Frage: Welche Kamera bringt dem Anwender welchen Nutzen? Zum Einsatz kamen drei Geräte der Marke Flir: Die handliche i7, die ebenfalls kompakte aber in vieler Hinsicht leistungsfähigere E60 und die hochauflösende Profikamera T640 mit noch mehr Zusatzfunktionen.

Das Büro Spooren Architekten nutzt die Thermografie vorrangig für Gebäudeinspektionen im Zuge einer anstehenden Sanierung sowie zur vorbeugenden Instandhaltung – Anwendungen also, die auch für viele Handwerksbetriebe bei der Arbeit von Nutzen sein können. „Mit Infrarotkameras können wir zum Beispiel Luftundichtigkeiten in Gebäudehüllen sichtbar machen, Fensterabdichtungen, Fassaden- und Dachdämmungen prüfen, Wärmebrücken oder auch Leckagen in Installationen oder Fußbodenheizungen aufspüren“, erklärt Spooren.

Jede der drei getesteten Kameras hat dabei ihre eigenen Vorzüge. Auch wenn das Modell i7 nicht so viele Funktionen, wie die großen Ausführungen mit sich bringt, hat es bei Thomas Spooren einen guten Eindruck hinterlassen: „Der Vorteil der i7 ist ihre Handlichkeit – sie ist leicht, man kann sie einfach in die Jackentasche stecken und hat sie überall auf der Baustelle sofort griffbereit, ohne großen Aufwand. Das ist schon sehr praktisch, wenn man da schnell mal etwas kontrollieren will, ein nicht zu unterschätzender Vorteil“, findet der Architekt.

Handliches Kleingerät, leistungsfähiges Mittelformat

Die Flir i7 ist die preisgünstigste der getesteten Wärmebildkameras. Sie ist klein, 340 g leicht und einfach zu bedienen auch wenn man noch keine größere Erfahrung mit der Thermografie hat. Dennoch kann man mit ihrem Festfokus-Objektiv und einer Genauigkeit von ±2 °C oder ±2 Prozent qualitativ hochwertige jpeg-Wärmebilder aufzeichnen, die alle Anforderungen der allgemeinen Instandhaltungsanalyse erfüllen und intern oder extern gespeichert, gesendet und analysiert werden können. Die Kamera misst Temperaturen bis +250 °C und erkennt Temperaturunterschiede von 0,1 °C.

Die Flir E60 mit einer Auflösung von 320 x 240 Pixeln und einer thermischen Empfindlichkeit von <0,05 °C ist ebenfalls kompakt, kann aber mehr: Sie verfügt über ein großzügiges Touch-Screen LCD, zeigt klare Infrarotbilder und Temperaturmesswerte an. Die eingebaute 3-Megapixel-Digitalkamera erleichtert die Inspektion und die Zuordnung der Infrarotbilder. Zusätzlich verfügt die E60 über eine LED-Lampe, die die richtige Beleuchtung der Digitalbilder unterstützt sowie einen Laser-Pointer zur genauen Erfassung des Zielobjekts bei IR-Aufnahmen.

Der Kunde sieht den Sanierungsbedarf

Um eine Wärmebildkamera optimal zu nutzen müssen die Aufnahmen und Daten auch für eine weitergehende Analyse oder zu Präsentationszwecken exportierbar sein. Thomas Spooren nutz die IR-Aufnahmen etwa, um seinen Kunden notwendige Sanierungsmaßnahmen nachvollziehbar vor Augen zu führen. „Mit dem Infrarotbild kann ich auch dem Laien schnell und anschaulich darstellen, wo sich Wärmebrücken befinden und wo Wärmeverluste eingedämmt werden müssen. Was ich als Fachmann schon weiß, visualisiert die Kamera: Der Kunde muss nicht mehr nur glauben, was ich sage, er kann das direkt sehen. Deshalb ist er auch eher überzeugt und sieht die Notwendigkeit etwas für die Wohngesundheit und den Klimaschutz zu tun und seine Nebenkosten in den Griff zu kriegen.“

Bei der Analyse und Präsentation der Bildergebnisse helfen bei der E60 Funktionen wie etwa „Thermal Fusion“, mit deren Hilfe das Tageslicht- und Infrarotbild überlagert werden können sowie die Bild-in-Bild-Funktion, die das Lokalisieren kritischer Bereiche vereinfacht. Die drahtlose Bildübertragung zu einem Smart-Phone oder Tablet-PC ist genauso möglich wie die Erstellung eines einfachen Berichts direkt in der Kamera. Textkommentare können aus einer vordefinierten Liste ausgewählt werden; die Aufzeichnung von Sprachkommentaren steht ebenfalls zur Verfügung. Die Flir MeterLink-Technologie ermöglicht zusätzlich drahtloses Übertragen von Daten externer Messinstrumente (zum Beispiel Feuchtemessgeräte) auf die Kamera.

T640 – beeindruckende Bildqualität

All das leistet auch die T640, die im Detailreichtum und der visuellen Erfassbarkeit der Wärmebilddarstellung ihre Überlegenheit zeigt – das wird klar sichtbar beim Vergleich der Display-Darstellungen mit der i7. Die Flir T640 liefert klare Wärmebilder mit einer Auflösung von 640 x 480 Pixeln, auf denen noch kleinste Details zu erkennen sind. Thomas Spooren und Erik Hohenhorst sind beeindruckt: „Das ist schon eine irre gute Bildqualität!“ Mit der T640 lassen sich noch Temperaturunterschiede erkennen, die nur 0,04 °C betragen. Eine integrierte Digitalkamera mit 5 Megapixeln sorgt für die Aufnahme guter Fotos bei allen Lichtverhältnissen. Bei den zahlreichen Extras fällt den Architekten im Test besonders die um 120 ° neigbare IR-Einheit positiv auf. Mit ihrer Hilfe lassen sich auch sonst schwer zugängliche Stellen einfach unter die Lupe nehmen.

Dafür muss man allerdings auch einen entsprechenden Preis zahlen. Deshalb käme die Anschaffung einer T640 für Spooren aus wirtschaftlicher Sicht eher nicht in Frage. „Diese Kamera wäre etwas für den professionellen Gutachter“, findet der Architekt. Die Funktionalität der E60 reicht ihm vollkommen aus und die i7 wäre wegen ihres Preis-Leistungsverhältnisses und ihrer Handlichkeit ein Kauf-Kandidat für den täglichen Baustellen-Einsatz.

Know-How für die Infrarotmessung

Wichtig bei der Verwendung von IR-Kameras, sei aber nicht nur eine technisch hochwertige Ausrüstung, sondern auch die Fähigkeit des Handwerkers, die Daten richtig zu interpretieren, die entsprechenden Voreinstellungen für aussagekräftige Ergebnisse handhaben zu können und fehlerhafte Ergebnisse etwa durch Reflexionen, Sonneneinstrahlung oder Restwärme zu vermeiden. Erik Hohenhorst zum Beispiel hat zu diesem Zweck eigens ein Thermografieseminar absolviert. Flir bietet seinen Kunden zur sachgemäßen Handhabung der Geräte einen kostenlosen und mit 68 Seiten umfangreichen Leitfaden, der als pdf-Download oder als gedruckte Broschüre zur Verfügung gestellt wird (siehe Kasten).

Der Vorteil der i7 ist ihre Handlichkeit – man kann sie einfach in die Jackentasche stecken

„Der Kunde muss nicht mehr nur glauben, was ich sage, er kann das direkt sehen“

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