Injektionscreme Wirksamkeit von Injektionsmitteln bei hoher Durchfeuchtung

Mauerwerksinjektionen gegen kapillar aufsteigende Feuchte gibt es seit über 50 Jahren. Neben den klassischen Injektionen haben sich die hydrophobierenden Silicon-Micro-Emulsionen (SMK) etabliert. In beiden Fällen ist bei inhomogenem Mauerwerk mit größeren Hohlräumen eine Vorbehandlung mit Spezialmörtel nötig. Die neueste Entwicklung, eine anwendungsfertige hydrophobierende Micro-Emulsion in Cremekonsistenz, füllt Hohlräume und Kavernen direkt aus. Diese „Injektionscreme“ kann der Handwerker in nahezu waagerechte Bohrlöcher mit druckloser Füllung oder unter Druckbeaufschlagung einbringen.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgte mehr und mehr der Schutz von Gebäuden gegen kapillar aufsteigende Feuchte durch horizontale Abdichtungen im Mauerwerk. In den Jahrhunderten zuvor gab es nur sehr selten horizontale Abdichtungen aus Bleifolien oder Schieferplatten. Heute ist die Injektion mit wässrigen hydrophobierenden Injektionsmitteln als horizontale Abdichtung etabliert.

 

Ursachen für

Mauerfeuchtigkeit

 

Feuchtigkeit im Mauerwerk von Altbauten kann verschiedene Ursachen haben:

• aufsteigende Mauerfeuchtigkeit durch fehlende (verrottete, zerstörte) Horizontalsperren
• nach innen ziehende Bodenfeuchte aus dem Erdreich (Keller, Souterrain)
• von außen einwirkende Regenfeuchtigkeit bei durchgehendem Mauerwerk (Voll­mauerwerk) beziehungsweise Mauerwerk mit Mörtelbrücken (zweischaliges Mauerwerk), meist an den Westseiten (Südwest bis Nordwest) sowie in der Spritzwasserzone
• Hygroskopische Feuchtigkeit: In der Altbausubstanz, speziell im Mauerwerk, ist es im Laufe der Zeit zur Anreicherung löslicher Salze gekommen. Je größer die Löslichkeit dieser Salze ist, desto größer wird auch die Konzentration der Salze an der Oberfläche, die nach dem Verdunsten des Wassers zurückbleiben. Diese leicht löslichen Salze zeigen hygroskopisches Verhalten: „Wasserspeicherung“ aus der Außen- oder Raumluft
• Feuchtigkeitsspeicherung: Altputze sind meist Kalkmörtel, Gipsmörtel beziehungsweise Kalk-Gipsmörtel. Derartige Putze haben zwar genügend Wasserdampfdiffusionsfähigkeit, aber auch eine schnelle Wasseraufnahme und eine große Feuchtigkeitsspeicherung. Besonders mit der im Altmauerwerk meist nur ungenügenden Wärmedämmung kommt es hier zur Feuchtigkeitsablagerung in der Putzschicht (Kondenswasser, „Tauwasser“)

Hieraus wird deutlich, dass jede Abdichtung und Instandsetzung ergänzender „flankierender“ Arbeiten bedarf. Im Nachfolgenden steht zwar die Bohrlochinjektion gegen kapillar aufsteigende Feuchtigkeit im Vordergrund, dennoch müssen auch hier Maßnahmen gegen hygroskopische Feuchtigkeit, seitliche Feuchtigkeit und Kondensfeuchtigkeit durchgeführt werden.

Thermische Vortrocknung

 

Für drucklose Injektionsverfahren gegen kapillar aufsteigende Feuchtigkeit sind poröse Baustoffe mit einem kapillaren Durchfeuchtungsgrad von 60 ± 10 Prozent am besten geeignet. Ist der Durchfeuchtungsgrad größer, so muss entweder die Injektionsreihe höher angeordnet oder das Mauerwerk thermisch konvektiv vorgetrocknet werden (DBP Nr. 1981 7928.6 angemeldet). Für diesen Zweck wurde ein spezieller Packer entwickelt, der neben einem Druckluftanschluss eine elektrische Heizeinheit hat, die mit Niederspannung (24 V) betrieben wird. Diese Packer (0,2 kW) lassen sich in die Bohrlöcher einsetzen, die für die Injektion ohnehin in das Mauerwerk hineingebohrt werden müssen.

 

Ausführung der Injektion

 

Vorprüfung

Im Rahmen der Vorprüfung müssen Mauerwerks- und Putzproben genommen und auf Salze, Feuchtigkeit und scheinbare Porosität untersucht werden. Eine ergänzend durchgeführte Probe­bohrung gibt Aufschluss über die Mauerwerksbeschaffenheit, insbesondere die Homogenität.

 

Vorarbeiten

Putzschichten einschließlich eventuell vorhandener Putzanstriche müssen mindestens 80 cm über den Feuchtigkeits- oder Zerstörungsrand entfernt werden. Schadhafte Mörtelfugen muss der Handwerker mindestens 2 cm tief auskratzen, alle losen Bestand­teile entfernen, gegebenenfalls stark trockene Untergründe je nach Verfahren vornässen und wenig festen Untergrund stabilisieren, die offenen Fugen mit einem Grundputz schließen und bedarfsweise mit diesem Grundputz einen Flächenausgleich schaffen. Inhomogenes Mauerwerk, zum Beispiel Zwei-Schalen-Mauerwerk mit lockerer Kernfüllung oder Mauerwerk mit offenen Fugen und größeren Hohlräumen im Kerngefüge, muss zunächst mit einem fließfähigen, quellfähigen und möglichst schwindarmen Füllmörtel, zum Beispiel einer Bohrlochsuspension, vorbehandelt werden. Beim drucklosen Verfahren ist dabei zunächst eine untere Bohr-
lochreihe mit der Bohrlochsuspension zu füllen und etwa 10 bis 15 cm höher die Injektion mit dem Injektionsmittel über eine zweite Bohrlochreihe vorzunehmen.

 

Drucklose Injektionen

Zur drucklosen Injektion gegen kapillar aufsteigende Feuchtigkeit bringt der Handwerker die Bohrlöcher im Abstand von 10 bis 12,5 cm ein. Die Bohrlochneigung für das drucklose Verfahren beträgt dabei etwa 25 Grad. Für größere Wanddicken ist der Winkel flacher und für kleinere Wanddicken steiler. Der Bohrlochdurchmesser beträgt je nach Verfahren 10 bis 30 mm. Beim Bohren muss man mindestens eine Lagerfuge kreuzen und möglichst auf einer Lagerfuge etwa 5 cm vor dem Mauerschluss enden. Die Injektion selbst erfolgt drucklos über geeignete Vorratsgefäße, zum Beispiel für schmale Wände mit 24 cm Dicke mit einer Dosierkartusche, sonst mit einer Fülleinrichtung zweifach bis dreifach frisch in frisch bis zur Sättigung der umliegenden Wandabschnitte.

 

Injektionen im
Niederdruckverfahren

Der Abstand und Durchmesser sowie die Tiefe und Neigung der Bohrlöcher wird vorgegeben. Es sind jedoch auch waagerechte Bohrungen in der Lagerfuge möglich. Im Niederdruckverfahren wird mit Leichtdruck-Injektionspackern, Kunststoffinjektoren oder SBV-Schlagpackern gearbeitet. Injektionsgeräte sind beispielsweise Flächenspritzen mit Kopp­lungsstücken und Greifköpfen beziehungsweise Injektions-Pumpen. Für die Injektion im Niederdruckverfahren wird die Füllmenge von der Porosität des Mauerwerks, von der Tränkzeit und von der Viskosität des Injektionsmittels beeinflusst. Unabhängig von der Einbringungsart verteilt sich das Injektionsmittel vorzugsweise im Mörtelgefüge beziehungsweise in den Mörtelfugen.

Silikonmikroemulsions-

konzentrate (SMK)

 

Um 1990 wurden „wasserlösliche“ – emulgierende – hydrophobierende Silikonpräparate unter der Bezeichnung Silikonmikroemulsionskonzentrate (SMK) für Mauerwerksinjektionen gegen kapillar aufsteigende Feuchtigkeit entwickelt. Die Teilchengrößen liegen im Nanometerbereich. Dadurch ist auch die Verteilung in feinen Poren und Kapillaren möglich. Als wässriges System ist es für feuchte und poröse Baustoffe geeignet. Durch kurze Reaktionszeit, insbesondere bei nachfolgender Aktivierung, folgt eine schnelle Ausbildung der wasserabweisenden Eigenschaften. Der Untergrund kann mehr oder weniger feucht, auch relativ salzbelastet sein (bis zu ein Prozent Mauersalzgehalt). Nach den Anwendungsrichtlinien muss die SMK Lösung bei homogenem Mauerwerk im Niederdruckverfahren eingebracht werden.

Injektionscreme

 

2000/2001 wurde bei Remmers eine Injektionscreme entwickelt. Bei diesem Produkt handelt es sich um eine hydrophobierende, katalysierte Mikroemulsion in Cremekonsistenz mit besonders guter Kriechfähigkeit. Die Eigenschaften dieser Injektionscreme:

• anwendungsfertige Emulsion in Cremekonsistenz, hydrophobierend
• die cremige Konsistenz ermöglicht die nahezu waagerechte Bohrung in die Mauermörtelfuge, auch bei druckloser Füllung, ohne dass das Injektionsmittel aus dem Bohrloch herausläuft. Die Mörtelscheibe wird zur Horizontalsperre
• Kavernen und Hohlräume werden mit erfasst. Sie brauchen vor dem Verfüllen mit der Injektionscreme nicht mit einer Bohrlochsuspension verschlossen werden
• gute Verteilung in porösen Untergründen, seitlich, auch nach oben beziehungsweise nach unten. Katalysiert, auch für neutrale Baustoffe anwendbar
• leichtes Einbringen mit Fugenmassenpistolen (auch in „Puppen“ verpackt lieferbar). Kontrollierte Einbringmenge, auch unter Druck
• nicht salzbildend und VOC-frei

Untersuchungen an

Ziegelmauerwerk

 

Die im November 2006 an drei Testflächen der Firma Remmers am Thormann-Speicher in Wismar im Rahmen der Fortsetzung des Forschungsprojektes „Erosion and Humidity“ durchgeführten Untersuchungen mit Injektionscreme (zwei) und Kiesol (eine) zeigen:

 

• etwa 24 Monate nach der Behandlung wurde an allen drei Testflächen eine eindeutige Tendenz zur Reduzierung des Durchfeuchtungsgrades (gesamt) D(g) im Bereich oberhalb der Injektionsebene durch die Ergebnisse der gravimetrischen Untersuchungen nachgewiesen
• die Reduzierung des Durchfeuchtungsgrades oberhalb der horizontalen Mauerwerksabdichtung nach der Behandlung wurde an allen Testflächen mit Hilfe der Feuchtetomagrafie bestätigt
• die aufgebaute horizontale Mauerwerksabdichtung an diesen Mauerwerksabschnit­ten kann als intakt bewertet werden

Das solche Verfahren bei sach- und fachgerechter Planung in der Praxis wirksam sind, wurde allerdings schon vor 30 Jahren amtlich nachgewiesen.

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