Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Der Blick geht selten nach oben, sollte er aber, denn an Decken gibt es gerade in historischen Bauten so manches zu sehen. So erzählen einem die sehr unterschiedlichen Decken im jüngst nach Plänen des Architekten Andreas Flöß restaurierten Abt-Gaisser-Haus in Villingen nicht nur, wie diese im Zuge der Restaurierung statisch ertüchtigt, sondern auch wie sie historisch konstruiert wurden. Eine in Teilen freigelegte Holzdecke im zweiten Obergeschoss wird auf diese Weise zu einem Schaufenster in die Geschichte. Die gesamte Restaurierung des im 13. Jahrhundert erbauten Gebäudes stellen wir ab Seite 12 in dieser Ausgabe der bauhandwerk in allen Einzelheiten vor.

Decken bilden auch den Schwerpunkt in unserer Themenrubrik Trockenbau. Bei jedem der drei Beispiele wurden die Decken aus Gipskartonplatten vorgefertigt. So vergleichbar das Baumaterial auch sein mag, die Ergebnisse sind doch recht unterschiedlich: Bei der ab Seite 17 vorgestellten Decke im Münchner Café Luitpold handelt es sich um den Nachbau einer historischen Stuckdecke, welche die Trockenbauer der DTM-Innenausbau GmbH nach historischen Fotos anfertigten. Wie ab Seite 20 zu sehen, montierten die Mitarbeiter der Rocker GmbH die Decken der jüngst umgebauten VR Bank in Landau hingegen in Form vorgefertigter Kreise, in denen sich die indirekte Beleuchtung verbirgt. Futuristisch muten die Räume im neuen Terminal C auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld an: Wie ab Seite 22 zu sehen, bauten die Mitarbeiter der Mänz und Krauß Ausbau GmbH sowohl in die hochglanzlackierten Decken als auch in die ebenfalls in Trockenbauweise erstellten schrägen Leichtbauwände Vitrinen und Beleuchtungskörper ein.

Auch an der Raumschale der nach Plänen von Manuel Herz im vergangenen Jahr entstandenen Synagoge in Mainz und der 1785 im orientalisch-maurischen Stil erbauten Moschee in Schwetzingen gibt es viel zu sehen beziehungsweise zu lesen: Wie ab Seite 36 zu sehen, montierten die Mitarbeiter des Stuckateurmeisters Martin Ranft Gipsreliefplatten mit Ornamenten und hebräischen Schriftzeichen an Decke und Wänden. In der ab Seite 28 vorgestellten Schwetzinger Moschee restaurierten die Mitarbeiter der Firmen Menschke und Glöckner die ornamentale Malerei der Raumschale. An Wänden und Decken gibt es viel zu entdecken. Man muss nur mit offenen Augen durch die Welt und ihre Bauten gehen.

 

Viel Erfolg bei der Arbeit wünscht Ihnen

Freigelegte historische Konstruktionen werden zu Schaufenstern in die Geschichte des Handwerks

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